„Als Frau in der Wissenschaft bin ich doppelt benachteiligt“ – Ein Interview mit Maren Hofius

Maren Hofius ist seit April 2009 als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Politikwissenschaft am Lehrstuhl von Prof. Antje Wiener an der Universität Hamburg. Nach ihrem BA 2007 in Maastricht und ihrem MA 2009 in Bath kam sie für ihre Promotion an die UHH.

Nina Wolff studiert Politikwissenschaft im BA im 5. Semester. Ihr Interview mit Maren Hofius entstammt dem Seminar „Einführung in journalistisches Schreiben“ bei Prof. Volker Lilienthal. „„Als Frau in der Wissenschaft bin ich doppelt benachteiligt“ – Ein Interview mit Maren Hofius“ weiterlesen

Sodomie, Folter, öffentliche Enthauptung: Peter Niesen über Samuel Bentham in Hamburg

Samuel Bentham (1757–1831) stand stets im Schatten seines älteren Bruders Jeremy (1748–1832), auch wenn die Idee des Panopticons, eines transparenten Gefängnis- und Allzweckgebäudes, ursprünglich auf ihn zurückgeht. Beide Bentham-Brüder hatten sich den aufgeklärten Monarchen Europas im späten 18. Jahrhundert als Experten angedient, der eine als Autor von Verfassungsentwürfen, Zivil- und Strafrechtskodizes, der andere als Ingenieur. Samuels Briefe aus Hamburg handeln unter anderem von der Strafrechtspraxis auf dem europäischen Kontinent. Der Briefwechsel gewinnt angesichts der Evolution von Benthams Straftheorie ideengeschichtliche Bedeutung.

Peter Niesen ist Professor für Politische Theorie an der Universität Hamburg. „Sodomie, Folter, öffentliche Enthauptung: Peter Niesen über Samuel Bentham in Hamburg“ weiterlesen

Kim Henningsen über Thomas Straubhaar, Migration im 21. Jahrhundert (2002)

Thomas Straubhaar ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Hamburg. Er hat an der Universität Bern studiert, promoviert und habilitiert. Straubhaar war Direktor des Instituts für Integrationsforschung des Europa-Kolleg Hamburg  und Direktor und Sprecher der Geschäftsführung des Hamburgischen  WeltWirtschaftsInstituts (HWWI). Er hat zu den Themenbereichen Migration, Volkswirtschaftslehre, Grundeinkommen veröffentlicht.

Kim Kristin Henningsen ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Politische Theorie an der Universität Hamburg. Sie bestritt einen trinationalen M.A. in European Studies: Law and Politics und promoviert mit einer Doktorarbeit zum Thema Legitimität des internationalen Migrationsrechts.

„Kim Henningsen über Thomas Straubhaar, Migration im 21. Jahrhundert (2002)“ weiterlesen

Das Projektbüro Angewandte Sozialforschung

Das Projektbüro Angewandte Sozialforschung (kurz: Projektbüro) ist an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg angesiedelt und hat die Aufgabe, Wissenschaft und Gesellschaft miteinander zu verbinden. Es begreift sich als zentrale Institution für die praktische Methodenausbildung, auch im Fachgebiet Politikwissenschaft. Unser Beitrag stellt kurz die Geschichte des Projektbüros sowie seine unterschiedlichen Felder, Aufgabenbereiche und Ziele vor und präsentiert zentrale Projektformen und exemplarische Forschungsbeiträge. Im Netzwerk #UHHengagiert setzt sich das Projektbüro seit 2018 für einen stärkeren transferbezogenen Wissensaustausch zwischen Universität und Gesellschaft ein.

Carolin Klopitzke studiert Soziologie im Master an der Universität Hamburg und arbeitet seit September 2015 als studentische Hilfskraft im Projektbüro. „Das Projektbüro Angewandte Sozialforschung“ weiterlesen

Franziska Goebel über Amrita und Aruna Narlikar, Bargaining With A Rising India (2014)

Amrita Narlikar ist Präsidentin des in Hamburg angesiedelten GIGA Instituts und Professorin für Internationale Beziehungen an der Universität Hamburg. Sie hat in Oxford promoviert und als Reader für Internationale Politische Ökonomie an der Universität Cambridge gearbeitet. Narlikar hat zahlreiche Bücher und Aufsätze zu den Themen Welthandel, aufstrebende Mächte und multilaterale Verhandlungen veröffentlicht. In „Bargaining with a Rising India“, erforscht Amrita Narlikar gemeinsam mit ihrer Mutter Aruna Narlikar, einer Expertin für indisches Sanskrit, die kulturellen Wurzeln indischen Verhandlungsverhaltens.

Franziska Goebel studiert im Master Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. „Franziska Goebel über Amrita und Aruna Narlikar, Bargaining With A Rising India (2014)“ weiterlesen

Schelskys Gegenaufklärung. Luise Heinz über die Soziologie der Sexualität (1955)

Helmut Schelsky (1912-1984) wurde 1948 auf einen Lehrstuhl für Soziologie an der neu gegründeten Akademie für Gemeinwirtschaft, der späteren Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik berufen. Zwischen 1953 und 1960 war er Professor für Soziologie an der Universität Hamburg. Er studierte Philosophie, Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte an den Universitäten Königsberg und Leipzig und war von 1937 an Mitglied der NSDAP. In den Nachkriegsjahren war Schelsky einer der prominentesten Soziologen in der deutschsprachigen akademischen Welt und zugleich als Politikberater und Universitätsreformer einflussreich.

Luise Heinz ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Allgemeine Soziologie am Fachbereich Sozialwissenschaften. Sie studierte Soziologie in Dresden und erhielt 2015 den Preis des Absolventen- und Fördervereins des soziologischen Instituts für die beste Abschlussarbeit. Bevor sie nach Hamburg kam, arbeitete sie in den Medien- und Kommunika­tions­wissenschaften an der Zeppelin Universität Friedrichshafen. „Schelskys Gegenaufklärung. Luise Heinz über die Soziologie der Sexualität (1955)“ weiterlesen

Fundstück: Die Orientierungseinheit in den Sozialwissenschaften

Am heutigen Montag beginnt, wie in jedem Jahr Anfang Oktober, die Orientierungseinheit des Fachgebiets für die neuen Erstsemesterstudierenden. In Zusammenarbeit mit den Gremien und Organen des Fachbereichs und der Fakultät bereiten die Studierenden der Fachschaft ein einwöchiges Programm zum Kennenlernen, zur Studieneinführung und für einen Einblick in den universitären Alltag vor. Mit diesem Archivfundstück einer Orientierungseinheit aus den frühen 1980er-Jahren begrüßen wir die neuen Studierenden an unserem Fachgebiet. „Fundstück: Die Orientierungseinheit in den Sozialwissenschaften“ weiterlesen

Jan Klenke über Patrick Köllner et al., Comparative Area Studies – Methodological Rationales and Cross-Regional Applications (2018)

Patrick Köllner ist Vizepräsident des German Institute for Global and Area Studies (GIGA) und Direktor des Instituts für Asien-Studien des GIGA. Seit 2011 lehrt Köllner als Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg, vor allem zu Vergleichenden Regionalstudien und den politischen Systemen Ostasiens. Als Herausgeber des zuletzt erschienen Sammelbandes „Comparative Area Studies: Methodological Rationales and Cross-Regional Applications“ widmet Köllner seine Expertise der Aufarbeitung des CAS-Ansatzes, an dem sich auch die Forschung am GIGA orientiert.

Jan Klenke ist Research Fellow am GIGA Institute for Asian Studies in Kooperation mit der Universität Hamburg. Er arbeitet zu Concession Making and Preference Adjustment of Emerging Powers in International Climate Change Negotiations. Der Vergleich der von ihm untersuchten Länder Indien, Brasilien und China steht dabei vor besonderen Herausforderungen hinsichtlich unterschiedlicher Kontexte und Vergleichbarkeit. „Jan Klenke über Patrick Köllner et al., Comparative Area Studies – Methodological Rationales and Cross-Regional Applications (2018)“ weiterlesen

Gender und Queer-Studies an der Universität Hamburg, ein Interview mit Marianne Pieper

Marianne Pieper wurde 1996 Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt “Kulturen, Geschlechter, Differenzen” an der Universität Hamburg. Im folgenden Interview spricht sie über das Thema Frauen, Gender und Queer am Fachbereich Sozialwissenschaften. Was sich in den vergangenen zwanzig Jahren verändert hat, vor allem aber auch, welche Probleme und Herausforderungen sich weiterhin stellen. Im anschließenden Essay beleuchten Deborah Kirchgässner und Emma Neuhaus die Gender und Queer-Studies an der Universität Hamburg – leitender Titel: ein Leerraum.

Die hier präsentierten Projekte entstanden im Rahmen des Seminars “Einführung in den Journalismus” von Prof. Volker Lilienthal, das sich auch mit dem Blog befasst hat. Das Interview mit Frau Prof. Pieper führte Alexandra Tornow (Soziologie), den Beitrag im ersten Teil haben Deborah Kirchgässner (Politikwissenschaft) und Emma Neuhaus (Soziologie) verfasst. „Gender und Queer-Studies an der Universität Hamburg, ein Interview mit Marianne Pieper“ weiterlesen

Laura von Allwörden über Detlef Nolte et al.: Macht, Führung und Regionale Ordnung: Theorien und Forschungsperspektiven (2012)

Detlef Nolte ist Professor an der Universität Hamburg und langjähriger stellvertretender Direktor des German Institute for Global and Area Studies (GIGA) Hamburg. Sein Schwerpunkt liegt in den Lateinamerikastudien, mit besonderem Augenmerk auf Demokratieschutz und demokratischem institutionellem Wandel. Er hat von 2006 bis 2018 das Lateinamerika-Institut am GIGA geleitet und den Studiengang Lateinamerikastudien an der Universität Hamburg mitgeprägt.

Laura von Allwörden hat sowohl ihr Bachelor- als auch ihr Master Studium der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg absolviert. Seit September 2019 promoviert sie an der Universität Maastricht in dem Projekt „Who gets to live forever? The Decline and Death of International Organisations“.

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Reflexivierung der politischen Vernunft. Peter Niesen über Rainer Schmalz-Bruns, Reflexive Demokratie: Die demokratische Transformation moderner Politik (1995)

Rainer Schmalz-Bruns ist seit 2005 Professor für Politische Ideengeschichte und Theorien der Politik an der Leibniz-Universität Hannover. Er hat die Sektion für Politische Theorie in der DVPW von 1997-2003 geleitet und war von 2010 bis 2016 geschäftsführender Herausgeber der Politischen Vierteljahresschrift. Seine Habilitation erfolgte 1994 an der Universität Hamburg, während er an der Universität der Bundeswehr Hamburg, der heutigen HSU, als wissenschaftlicher Assistent tätig war. Von 1996 bis 2005 hatte er die Theorieprofessur am Institut für Politikwissenschaft der TU Darmstadt inne.

Peter Niesen ist Professor für Politische Theorie an der Universität Hamburg. „Reflexivierung der politischen Vernunft. Peter Niesen über Rainer Schmalz-Bruns, Reflexive Demokratie: Die demokratische Transformation moderner Politik (1995)“ weiterlesen

Ana Soares über Michael Brzoskas Band, European Peace and Security Policy: Transnational Risks of Violence (2014)

Michael Brzoska hat das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) von 2006 bis 2016 geleitet und ist dort nun als Senior Research Fellow tätig.  Brzoska hat als Professor an der Universität Hamburg gelehrt und am Internationalen Konversionszentrum Bonn sowie am Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI gelehrt und geforscht. Die Deutsche Stiftung Friedensforschung leitete er von 2008 bis 2015.

Ana Soares ist Doktorandin im Fach Politikwissenschaft an der Universität Hamburg und arbeitet an der Professur für Global Governance (Prof. Antje Wiener). Sie ist in Brasilien aufgewachsen und hat BA- und MA-Abschlüsse in Internationalen Beziehungen an der La Salle University und der Corvinus Universität Budapest erworben. „Ana Soares über Michael Brzoskas Band, European Peace and Security Policy: Transnational Risks of Violence (2014)“ weiterlesen

Kathrin Voss über Hans J. Kleinsteuber und die Notwendigkeit, Wissenschaft und Praxis zu verknüpfen

Hans J. Kleinsteuber (1943-2012) hatte Politische Wissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin und an den Universitäten Tufts und Harvard in den USA studiert. Bevor er nach Hamburg kam, war er wissenschaftlicher Assistent am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin. Von 1976 bis 2008 war er Professor am Institut für Politikwissenschaft und lehrte ab 1982 auch am neu gegründeten Teilstudiengang Journalistik. 1989 wurde er auch Professor am Institut für Journalistik.

Kathrin Voss hat Politikwissenschaft und Journalistik an der Universität Hamburg studiert und 2006 bei Hans J. Kleinsteuber an der Arbeitsstelle Medien und Politik über die Öffentlichkeitsarbeit von Nichtregierungsorganisationen in USA und Deutschland promoviert. Heute arbeitet sie als freiberufliche Beraterin und lehrt im Erasmus Mundus Studiengang „Journalism, Media and Globalisation“ am Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Hamburg. „Kathrin Voss über Hans J. Kleinsteuber und die Notwendigkeit, Wissenschaft und Praxis zu verknüpfen“ weiterlesen

Veronika Detel über Frank Nullmeier, Politische Theorie des Sozialstaats (2000)

Frank Nullmeier studierte von 1975 bis 1980 Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Öffentliches Recht und Philosophie an der Universität Hamburg. 1990 wurde er dort promoviert und 1998 habilitiert.[1] Für seine Arbeiten ist charakteristisch, dass sie Perspektiven empirischer Sozialforschung, avancierter interpretativer Methodologie und politischer Theorie zusammenführen. Neben dem hier vorgestellten Werk, das auf seine Habilitationsschrift zurückgeht, hat er unter anderem wichtige Beiträge zu einer Politologie des Wissens und zur Verwaltungs- und Policyforschung vorgelegt. Nach Stationen an den Universitäten Konstanz und Essen ist er seit 2002 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Bremen. Dort leitet er die Abteilung „Theorie und Verfassung des Wohlfahrtsstaates“ am Zentrum für Sozialpolitik.

Veronika Detel ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur „Europa und Moderne“ am Fachgebiet Politikwissenschaft. Sie hat in ihrer politikwissenschaftlichen Masterarbeit an der Universität Hamburg die Theorie ‚demokratischer Iteration‘ von Seyla Benhabib einer Kritik unterzogen. „Veronika Detel über Frank Nullmeier, Politische Theorie des Sozialstaats (2000)“ weiterlesen

Jürgen Habermas: Eine persönliche Bemerkung zur Rezeption der Schriften von Siegfried Landshut

Mit Siegfried Landshut beginnt 1951 die Geschichte der Politikwissenschaft in Hamburg. Durch seine Ausgabe von Marx‘ Frühschriften hatte er seit 1932 die Entstehung eines ‚westlichen Marxismus‘ beeinflusst. Die philosophischen Vorentscheidungen seines frühen Hauptwerks, der Kritik der Soziologie (Berlin 1929), hat Landshut auch in der Neugründung der Politikwissenschaft in der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg beibehalten.

Jürgen Habermas (*1929) ist emeritierter Professor für Philosophie an der Universität Frankfurt. Im November 2019 erscheint sein neues Buch Auch eine Geschichte der Philosophie (Berlin, 2 Bde.). Zu seinen Arbeiten gehören Rekonstruktionen des philosophischen und politischen Denkens deutsch-jüdischer Emigranten, etwa in den Philosophisch-Politischen Profilen (1971, erweitert 1987), oder in „Jüdische Philosophen und Soziologen als Rückkehrer in der frühen Bundesrepublik. Eine Erinnerung“ in Im Sog der Technokratie (2013). „Jürgen Habermas: Eine persönliche Bemerkung zur Rezeption der Schriften von Siegfried Landshut“ weiterlesen

Gnade, Recht und Politik: Markus Abraham über Wilhelm Grewe, Gnade und Recht (1936)

Wilhelm Grewe (1911-2000) promovierte 1936 mit der Arbeit Gnade und Recht bei Ernst Forsthoff an der Universität Hamburg. Seine Habilitationsschrift von 1941, Epochen der Völkerrechtsgeschichte (Baden-Baden 1984), ist inzwischen zum Klassiker der Internationalen Beziehungen avanciert. In der BRD war Grewe im Auswärtigen Amt tätig, schließlich Botschafter und vertrat die Bundesrepublik Deutschland bei der NATO (1962-1971).[1] Grewe hat wesentlichen Anteil an der Entstehung der sog. Hallstein-Doktrin[2], dem außenpolitischen Grundsatz der jungen Bundesrepublik, nach dem die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Deutschen Demokratischen Republik als unfreundlicher Akt gewertet wurde.

Markus Abraham arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Habilitand am Lehrstuhl für Strafrecht und Rechtsphilosophie (Prof. Dr. Jochen Bung) an der Universität Hamburg. Zuletzt erschien Sanktion, Norm, Vertrauen. Zur Bedeutung des Strafschmerzes in der Gegenwart, Berlin: Duncker & Humblot 2018. „Gnade, Recht und Politik: Markus Abraham über Wilhelm Grewe, Gnade und Recht (1936)“ weiterlesen

Lennart Riebe über Adolf Rein, Die Idee der politischen Universität (1932)

Die Idee der politischen Universität[1]  lautet der Titel einer Programmschrift, die der Historiker Adolf Rein 1932 verfasst hat und in der er seine Vision eines neuen, politischen Universitätstypus entwirft. Rein, von 1934 bis 1938 Rektor der Hamburgischen (später Hansischen) Universität, war maßgeblich für die Organisation und Durchführung der nationalsozialistischen Selbstgleichschaltung der Universität verantwortlich, im Zuge derer unzählige jüdische und oppositionelle Wissenschaftler*innen vertrieben und aus dem universitären Leben ausgeschlossen wurden.

Lennart Riebe studiert im Master Politikwissenschaft am Fachbereich.

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Louisa Band und Kira Neumann über Studieren mit Behinderung an der Universität Hamburg

Im März 2019 wurde die UN-Behindertenrechtskonvention zehn Jahre alt. Doch auch nach einem Jahrzehnt ist in der Gestaltung und Anwendung noch viel zu tun, um umfassende Inklusion auch an der Universität Hamburg zu erreichen. Vor diesem Hintergrund werfen Louisa Band und Kira Neumann einen Blick darauf, wie sich das Studieren von Menschen mit Behinderung im Laufe der letzten Jahre an der Universität Hamburg entwickelt hat. Was kann und muss aktuell noch umgesetzt und verinnerlicht werden, um das Studieren mit einer Behinderung zu erleichtern? Und wie sieht ein Alltag an der Universität aus Sicht eines Studierenden mit Behinderung aus?

Louisa Band und Kira Neumann studieren im Bachelor Politikwissenschaft am Fachbereich. Dieser Beitrag entstand im Zuge des Seminars “Einführung in den Journalismus” bei Prof. Volker Lilienthal, das sich unter anderem mit dem Blog beschäftigte. „Louisa Band und Kira Neumann über Studieren mit Behinderung an der Universität Hamburg“ weiterlesen

Friedo Karth über Bildung als Aneignung des eigenen Lebens, Siegfried Landshuts Schriften zur Erwachsenenbildung und Volkshochschule

Siegfried Landshut (1897-1968) war der Inhaber des ersten „Lehrstuhls für die Wissenschaft von der Politik“ an der Universität Hamburg. Zu seinen Hauptwerken gehört die frühe „Kritik der Soziologie“ (Berlin 1929). Seine Erstausgabe von Marx‘ Frühschriften (2 Bde., Stuttgart 1932) war einflussreich für die Begründung der Forschungstradition eines „westlichen Marxismus“. Weniger bekannt sind seine Beiträge zur Erwachsenenbildung und zur Volkshochschulbewegung.

Friedo Karth hat an der Universität Hamburg einen BA in Politikwissenschaft und an der Cardiff University einen MA in Kulturtheorie erworben. Seit Mai 2019 ist er Promotionsstipendiat am Hamburger Institut für Sozialforschung.

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Fundstück: Eduard Heimann – Portrait

Als Eduard Heimann 1925 an die Universität in Hamburg kam, war der Sozialökonom bereits einer der wichtigsten und einflussreichsten Vertreter seiner Zunft. Und auch in Hamburg war Heimann prägend, entwickelte sein Programm einer christlich wie marxistisch fundierten ‘sozialistischen Marktwirtschaft’ weiter und war nicht zuletzt Vorgesetzter eines damals noch jungen Soziologen, dem späteren Begründer der Hamburger Politikwissenschaft: Siegfried Landshut. In unserem nächsten Fundstück schauen wir zurück auf die Biographie einer der wichtigsten Vorläufer unseres Faches in Hamburg.

„Fundstück: Eduard Heimann – Portrait“ weiterlesen

Totaler Staat und Rechtsprechung: Florian Meinel über Ernst Forsthoffs Gastspiel in Hamburg

Ernst Forsthoff, Autor von Der totale Staat (1933), wurde nach einer Empfehlung von Carl Schmitt als Nachfolger von Kurt Perels auf einen Lehrstuhl für öffentliches Recht der Universität Hamburg berufen. Er gehört zu den Juristen, die in der Nachkriegszeit bleibenden Einfluss auf die Politikwissenschaft ausübten, vor allem mit seiner Monographie von 1971, Der Staat der Industriegesellschaft.

Florian Meinel hat den Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg inne. Er ist der Autor von Der Jurist in der industriellen Gesellschaft. Ernst Forsthoff und seine Zeit (Berlin: Akademie 2011). Zuletzt erschien Vertrauensfrage. Zur heutigen Krise des Parlamentarismus (München: Beck 2019). Meinel lebt mit seiner Familie in Hamburg. „Totaler Staat und Rechtsprechung: Florian Meinel über Ernst Forsthoffs Gastspiel in Hamburg“ weiterlesen

Rainer Nicolaysen über Siegfried Landshut, Begründer der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg

Siegfried Landshut war der erste Inhaber eines “Lehrstuhls für die Wissenschaft von der Politik” in Hamburg. Als Landshut in den 1950er-Jahren nach Hamburg kam und die Politikwissenschaft in der Hansestadt aufbaute, hatte er bereits einige prägende biographische Phasen hinter sich. In einer Tour durch die Stationen des Lebens Landshuts, porträtiert Rainer Nicolaysen die erste Phase in Hamburg, die Vertreibung und Jahre im Exil sowie die schließliche Rückkehr. Den hier dokumentierten Vortrag hielt Nicolaysen im Rahmen einer Veranstaltung des Fachbereichs im Mai diesen Jahres unter dem Titel “Siegfried Landshut – Vertreibung, Exil, Rückkehr”.

Rainer Nicolaysen ist Professor für Geschichte an der Universität Hamburg, seit 2010 leitet er die Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte an der Universität. Nicht zuletzt aufgrund seiner Dissertation über das Leben und Werk von Siegfried Landshut ist Nicolaysen der wissenschaftliche Experte für die Biographie und Schriften Landshuts. „Rainer Nicolaysen über Siegfried Landshut, Begründer der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg“ weiterlesen

„Ich habe große Lust, die Welt mit »Kapital« zu überschwemmen“. David Müller über die Hamburger Publikationsgeschichte von Karl Marx, Das Kapital (Bd. 1, 1867)

Hamburg ist der Ort, an dem Karl Marx 1867 den ersten Band seines Opus Magnum „Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie“ verlegen ließ. Veröffentlicht wurde es von dem Hamburger Verleger Otto Meißner, der auch die anderen zwei Bände (diese aber postum) sowie weitere Werke von Karl Marx und Friedrich Engels verlegte. Der folgende Beitrag beantwortet zwei Fragen. Warum erschien einer der – wissenschaftlich und politisch – weltweit einflussreichsten Texte in der Freien und Hansestadt Hamburg und nicht etwa in London, wo Marx zu dieser Zeit lebte? Und warum haben Marx und Engels sich für den Verleger Otto Meißner entschieden?

DaviD Müller ist Student der Politikwissenschaft im vierten Fachsemester an der Universität Hamburg. „„Ich habe große Lust, die Welt mit »Kapital« zu überschwemmen“. David Müller über die Hamburger Publikationsgeschichte von Karl Marx, Das Kapital (Bd. 1, 1867)“ weiterlesen

Tania Mancheno: Das Gespenst des deutschen Kolonialismus – 100 Jahre Kolonialinstitut?

Mai 2019 – die Universität Hamburg feiert Jubiläum. 100 Jahre ist es her, dass die Uni gegründet wurde. Doch wann beginnt die Geschichte der Universität wirklich? Im Jahr 1919 löste sich nämlich gleichzeitig das Hamburgische Kolonialinstitut auf. Seit 1908 diente dieses unter anderem zur Ausbildung von Kolonialbeamten und war zentral für die wissenschaftliche Landschaft der Stadt.
Die Räumlichkeiten wurden an die Universität weitergegeben, so dass das ehemalige Kolonialinstitut in das Hauptgebäude und in das heutige Asien-Afrika-Institut überführt wurde. Kritik am Jubiläum spricht sich für eine tiefere Aufarbeitung der kolonialen Geschichte der Universität aus. Was bedeutet es für eine Institution, aus der Kolonialgeschichte Deutschlands entsprungen zu sein?
In einem Interview mit Tania Mancheno, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität am Fachgebiet Kriminologische Sozialforschung bei Prof. Dr. Hentschel und Mitglied der Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe“ wird dieser Frage auf den Grund gegangen.

Das Interview führte Alexa Vaagt, Studentin der Politikwissenschaft am Fachbereich. Das Projekt entstand im Rahmen des Seminars “Einführung in den Journalismus” bei Prof. Volker Lilienthal, das sich unter anderem mit dem Blog beschäftigte.

„Tania Mancheno: Das Gespenst des deutschen Kolonialismus – 100 Jahre Kolonialinstitut?“ weiterlesen

Bernhard Koch über Jan Philipp Reemtsma, Vertrauen und Gewalt (2008)

Jan Philipp Reemtsma ist Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Hamburg. Er ist mit der Gründung des Hamburger Instituts für Sozialforschung (HIS) und der Hamburger Stiftung zur Förderung der Wissenschaft und Kultur (beides 1984) Teil der Hamburger Wissenschaftsgeschichte geworden. Reemtsma ist mit Werken unter anderem zu Christoph Martin Wieland, Arno Schmidt und Muhammad Ali hervorgetreten. Vertrauen und Gewalt. Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne (Hamburg 2008) gilt als sein Hauptwerk.

Dr. Bernhard Koch ist stellvertretender Direktor des Instituts für Theologie und Frieden in Hamburg und Lehrbeauftragter am Fachgebiet Politikwissenschaft der Universität Hamburg. Er wurde 2006 mit einer Arbeit zu Cicero an der Hochschule für Philosophie in München promoviert. Zu seinen Arbeitsgebieten zählen das humanitäre Völkerrecht und die Theorie des gerechten Krieges, insbesondere die Frage legitimer und illegitimer Gewaltanwendung.

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Finn Haberkost über Andreas Grimmel, Europäische Integration im Kontext des Rechts (2012)

Andreas Grimmel ist Forschungsdirektor am „Institute for European Integration“ in Hamburg und seit 2014 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich. Zuvor studierte er als Visiting Fellow unter anderem an der Harvard University sowie der University of Cambridge und forschte am ARENA Center for European Studies in Oslo. Im Jahr 2012 erschien an der Universität Hamburg seine Dissertation „Europäische Integration im Kontext des Rechts“, welche in inhaltlicher sowie methodischer Hinsicht den Grundstein für viele seiner späteren Arbeiten legte.

Finn Haberkost studiert Politikwissenschaft im Bachelor am Fachbereich.

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Joshua Smeltzer über Kurt Perels, Der Friede von Versailles und der Deutsche Staat (1920)

Kurt Perels war Professor des öffentlichen Rechts am Hamburgischen Kolonialinstitut sowie der erste Dekan der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Hamburg.  Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehörte das Parlamentsrecht, das Kolonialrecht und das Völkerrecht. Nach der nationalsozialistischen Übernahme der Universität drohte der Verlust seines Richteramts und seiner Professur. Am 10. September 1933 flüchtete er in den Tod. Über Perels‘ Nachfolger Ernst Forsthoff und andere politische Juristen, die die Linien politikwissenschaftlicher Forschung an der Universität vorzeichneten, werden in Kürze weitere Beiträge erscheinen.

Joshua Smeltzer holds an M.Sc. in Politics, Economics and Philosophy from Universität Hamburg. He is a doctoral candidate in the department of Politics and International Studies at the University of Cambridge.

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Charlotte Huch über Markus Patberg, Usurpation und Autorisierung. Konstituierende Gewalt im globalen Zeitalter (2018)

Markus Patberg ist nach Stationen in Darmstadt, Frankfurt und London seit 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Politische Theorie, Universität Hamburg, zunächst im Fachgebiet, danach im DFG-Projekt „Eine Wiederaneignung konstituierender Gewalt? Entstehende Gegen-Narrative im EU-Konstitutionalismus“. Usurpation und Autorisierung ist die überarbeitete Fassung seiner Hamburger Dissertation von 2016.

Charlotte Huch studiert im Masterstudiengang Politikwissenschaft der Universität Hamburg mit dem Schwerpunkt Internationale Politische Theorie.

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Andreas Ullmann über Jürgen Zimmerers Band, Kein Platz an der Sonne – Erinnerungsorte der deutschen Kolonialgeschichte (2013)

Jürgen Zimmerer ist Historiker und Afrikawissenschaftler. Er ist seit 2010 Professor für Globalgeschichte an der Universität Hamburg und leitet seit 2014 die Forschungsstelle Hamburgs (post-)koloniales Erbe/Hamburg und die frühe Globalisierung. Zimmerer gilt als einer der führenden Kolonialismus- und Genozidforscher in Deutschland. Ein aktueller Vortrag von Jürgen Zimmerer mit dem Titel „Wissenschaft und Kolonialismus. Die Hamburger Universität vom Kolonialinstitut bis zum Sturz des Wissmann-Denkmals “ ist als Video auf dem Lecture2Go Portal der Universität verfügbar.

Andreas Ullmann ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt On the Causal (In)Significance of Legal Status: Assessing and Explaining Compliance with the “Views” of the UN Human Rights Treaty Bodies der Juniorprofessur für Politikwissenschaft, insb. Global Governance (Andreas von Staden). Sein Forschungsinteresse gilt der Beobachtung internationaler Menschen­rechts­institutionen sowie globaler Wirtschafts- und Entwicklungspolitik mit dem regionalen Schwerpunkt Afrika.

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Das verschwundene Vorwort. Susanne Krasmann über Michel Foucaults Wahnsinn und Gesellschaft (1961)

Michel Foucault leitete von 1959 bis 1960 das Hamburger Institut Français. Neben seiner Einführung in Kants Anthropologie (Paris 2008, dt. Berlin 2010) beendete er in Hamburg sein erstes Hauptwerk, Wahnsinn und Gesellschaft (dt. 1969), wenngleich sich das Hamburger Vorwort in späteren Ausgaben nicht mehr wiederfindet. In diesen Tagen wurde am Institut Français in der Heimhuder Straße eine Plakette angebracht, die an Foucaults Wirken in Hamburg erinnert.

Susanne Krasmann ist Professorin für Soziologie in der Kriminologischen Sozialforschung an der Universität Hamburg. Sie gehört seit ihrem Aufsatz zu „Simultaneität von Körper und Sprache bei Michel Foucault“ (1995) zu den prägenden Autorinnen der deutschsprachigen Foucault-Rezeption. 2003 erschien das Buch Die Kriminalität der Gesellschaft: Zur Gouvernementalität der Gegenwart (Konstanz: UVK), das demnächst ebenfalls an dieser Stelle vorgestellt werden wird. „Das verschwundene Vorwort. Susanne Krasmann über Michel Foucaults Wahnsinn und Gesellschaft (1961)“ weiterlesen

Podcast: Filimon Peonidis über ‘Academic Freedom’

Filimon Peonidis ist Professor für Philosophie an der Aristotle University in Thessaloniki, Griechenland, zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen Schriften zu Jeremy Bentham, Marsilius von Padua sowie die Monographie Democracy as Popular Sovereignty.  Im laufenden Semester hat Professor Peonidis den Fachbereich als Gastdozent besucht, hat u.a. zur Geschichte demokratischen Denkens gelehrt und über Akademische Freiheit referiert. Im Podcast, den Ervin Kondakciu moderiert hat, diskutiert er sein Konzept akademischer Freiheit, das Verhältnis zum Grundrecht freedom of speech, sowie aktuelle Gefährdungen wissenschaftlicher Unabhängigkeit (Moderation: Ervin Kondakciu, Technik: Jonathan Deupmann). „Podcast: Filimon Peonidis über ‘Academic Freedom’“ weiterlesen

Fundstück: Agathe Lasch – Portrait

Die renommierte Germanistin Agathe Lasch wurde 1923 als erste Professorin an die Universität in Hamburg berufen. Sie erforschte in zahlreichen, Schule machenden Schriften die mittelniederdeutsche, ‘plattdeutsche’ Sprache. Ihren Arbeitsplatz hatte sie bis zu ihrer Entlassung durch die nationalsozialistische Gleichschaltung u.a. im damaligen Bornplatz 1-3 – unserem heutigen Gebäude für Sozialwissenschaften. „Fundstück: Agathe Lasch – Portrait“ weiterlesen

Ulrich Thiele über Peter Niesen, Jeremy Bentham: Unsinn auf Stelzen. Schriften zur Französischen Revolution (2013)

Peter Niesen ist seit 2013 Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politische Theorie an der Universität Hamburg und Mitglied des Bentham Committee am University College London. Zu seinen Forschungsgebieten zählen die Politische Philosophie der Aufklärung (Kant, Bentham), die Theorie verfassunggebender Gewalt jenseits des Staates sowie die politische Theorie des Mensch-Tier-Verhältnisses.

Ulrich Thiele ist Privatdozent an der Universität Heidelberg und dort als akademischer Mitarbeiter beschäftigt. Er ist einer der produktivsten Ideenhistoriker der Bundesrepublik. 2002 ist er an der Goethe Universität Frankfurt mit einer Arbeit über Carl Schmitts Sieyes-Rezeption habilitiert worden. Seine Geschichte politischer Ideen (2. Auflage, Marix 2014) zieht eine Linie von den Theorien des Gesellschaftsvertrags zum modernen Rechts- und Sozialstaat. „Ulrich Thiele über Peter Niesen, Jeremy Bentham: Unsinn auf Stelzen. Schriften zur Französischen Revolution (2013)“ weiterlesen

David Weiß über Elvira Rosert, Die Nicht-Entstehung internationaler Normen: Permissive Effekte in der humanitären Rüstungskontrolle (2019)

Elvira Rosert ist Juniorprofessorin für Politikwissenschaft, insbesondere Internationale Beziehungen, an der Universität Hamburg und am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. In ihrer Dissertation, die nun auch als Monographie erschienen ist und in der sie sich mit der langen Nicht-Entstehung der Streumunitionsverbotsnorm auseinandersetzt, verbinden sich ihre Forschungsschwerpunkte: Normenforschung, (humanitäres) Völkerrecht und internationale Institutionen.

David Weiß studiert seit 2016 Politikwissenschaft im Bachelor am Fachbereich. Seit diesem Jahr ist er Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. „David Weiß über Elvira Rosert, Die Nicht-Entstehung internationaler Normen: Permissive Effekte in der humanitären Rüstungskontrolle (2019)“ weiterlesen

Distanzierte Annäherung. Peter Niesen zu Jürgen Habermas‘ Hamburger Ehrendoktorwürde 1989

Jürgen Habermas, geb. am 18. Juni 1929 in Düsseldorf, ist emeritierter Professor für Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zu seinen Hauptwerken zählen die Theorie des kommunikativen Handelns (1981), Faktizität und Geltung (1992) und Auch eine Geschichte der Philosophie (im Erscheinen, 2019). Habermas ist 1961 in Marburg mit seiner Arbeit zum Strukturwandel der Öffentlichkeit in Politikwissenschaft habilitiert worden; die Initiative zur Verleihung der Ehrendoktorwürde des damaligen Fachbereichs Philosophie und Sozialwissenschaften an der Universität Hamburg 1989 ging vom Institut für Politische Wissenschaft aus.

Peter Niesen ist seit 2013 Professor für Politikwissenschaft, insbesondere Politische Theorie, an der Universität Hamburg. Er war 2007 Gründungsmitglied des Exzellenzclusters „Herausbildung normativer Ordnungen“. Zu seinen neueren Veröffentlichungen zählt “Reframing civil disobedience: Constituent power as a language of transnational protest“, Journal of International Political Theory (2019). 1990 war Niesen Tutor zu einem Seminar von Jürgen Habermas über Ernst Cassirers Philosophie der symbolischen Formen. „Distanzierte Annäherung. Peter Niesen zu Jürgen Habermas‘ Hamburger Ehrendoktorwürde 1989“ weiterlesen

Udo Bermbach über politikwissenschaftliche Anschlussmöglichkeiten an Habermas‘ Theorie des kommunikativen Handelns

Der Fachbereich Philosophie und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg hat am 14. Dezember 1989 Jürgen Habermas die Ehrendoktorwürde verliehen. Udo Bermbach ging in seiner Rede auf die bisher unabgegoltenen politikwissenschaftlichen Anregungen in Habermas‘ Theorie des kommunikativen Handelns (1981) ein. Wir veröffentlichen im Folgenden einen Ausschnitt aus seiner Laudatio.

Udo Bermbach war von 1971 bis 2001 Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Hamburg und gehört zu den Gründern der Sektion für Politische Theorie und Ideengeschichte in der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft. Sein Aufsatzband Demokratietheorie und politische Institutionen erschien 1991. Bermbach hat in einer Reihe von Publikationen seit den 1990er Jahren das Musiktheater, insbesondere das Gesamtkunstwerk Oper bei Richard Wagner, für die politische Ideengeschichtsschreibung erschlossen. „Udo Bermbach über politikwissenschaftliche Anschlussmöglichkeiten an Habermas‘ Theorie des kommunikativen Handelns“ weiterlesen

Elvira Rosert über Andreas von Staden, Strategies of Compliance with the European Court of Human Rights. Rational Choice Within Normative Constraints (2018)

Andreas von Staden ist Juniorprofessor für Politikwissenschaft, insbesondere Global Governance, an der Universität Hamburg und Leiter des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts „On the Causal (In)Significance of Legal Status: Assessing and Explaining Compliance with the ‘Views’ of the UN Human Rights Treaty Bodies“. Nach seiner Promotion in Princeton war er unter anderem als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Technischen Universität Darmstadt und Assistenzprofessor für Internationale Organisation an der Universität St. Gallen tätig. Seine Forschungsschwerpunkte sind internationale Institutionen, Recht und Politik sowie Menschenrechte.

Elvira Rosert ist Juniorprofessorin für Politikwissenschaft, insbesondere Internationale Beziehungen, an der Universität Hamburg und am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. Sie wurde 2016 an der Goethe-Universität Frankfurt promoviert, und hat als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Öffentliches Recht und Völkerrecht an der Universität Gießen, an der Professur für Internationale Institutionen und Friedensprozesse an der Goethe-Universität Frankfurt sowie an der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung geforscht und gelehrt. Ihre Forschungsschwerpunkte sind internationale Institutionen und (humanitäres) Völkerrecht. „Elvira Rosert über Andreas von Staden, Strategies of Compliance with the European Court of Human Rights. Rational Choice Within Normative Constraints (2018)“ weiterlesen

Stefan Oeter über Albrecht Mendelssohn Bartholdy und das Institut für Auswärtige Politik

Albrecht Mendelssohn Bartholdy wurde 1920 auf einen Lehrstuhl für Auslandsrecht und Internationales Privatrecht berufen. Im Jahr 1923 gründete er das Institut für Auswärtige Politik, das unter dem Namen Institut für internationale Angelegenheiten noch heute in der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Hamburg existiert. Die juristische Graduiertenschule trägt seinen Namen. Mendelssohn Bartholdy wurde 1933 sein Lehrstuhl, 1934 die Leitung des Instituts entzogen. Er starb 1936 im Oxforder Exil.

Stefan Oeter ist seit 1999 Professor für Öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht an der Universität Hamburg. Er gehört zu den profiliertesten Völkerrechtlern und Föderalismus-Experten der Gegenwart. Sein hier erscheinender Beitrag ist eine adaptierte Version eines Aufsatzes in der Fakultätsfestschrift „100 Jahre Rechtswissenschaft an der Universität Hamburg“, die in diesem Jahr bei Mohr Siebeck erscheinen wird. Stefan Oeter ist Direktor des Instituts für internationale Angelegenheiten. „Stefan Oeter über Albrecht Mendelssohn Bartholdy und das Institut für Auswärtige Politik“ weiterlesen

Lisbeth Zimmermann über Antje Wiener, Contestation and Constitution of Norms in Global International Relations (2018)

Antje Wiener ist, nach Professuren an den Universitäten von Belfast und Bath, seit 2009 Professorin für Politikwissenschaft, insbesondere Global Governance, an der Universität Hamburg. 2012 hat sie gemeinsam mit James Tully die Zeitschrift Global Constitutionalism gegründet, seit 2017 ist sie By-Fellow von Hughes Hall an der Universität Cambridge. Contestation and Constitution of Norms in Global International Relations, erschienen 2018 bei Cambridge University Press, ist entstanden im Rahmen eines opus magnum-Fellowships der Volkswagen-Stiftung,

Lisbeth Zimmermann ist Professorin für Internationale Beziehungen an der Zeppelin-Universität Friedrichshafen. Sie hat 2012 an der TU Darmstadt promoviert und Forschungsprojekte an der Goethe-Universität und der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung geleitet. 2017 erschien Global Norms with a Local Face. Rule-of-Law Promotion and Norm Translation (Cambridge University Press). „Lisbeth Zimmermann über Antje Wiener, Contestation and Constitution of Norms in Global International Relations (2018)“ weiterlesen

Harald Bluhm über Leo Strauss’ Dissertation über Friedrich Heinrich Jacobi

Der Philosoph Leo Strauss hat bei Ernst Cassirer über die Erkenntnistheorie von Friedrich Heinrich Jacobi promoviert. Über Stationen in Berlin, Paris und Cambridge gelangte er an die New School for Social Research und die University of Chicago. Seine modernitätskritische Philosophie hat einen nachhaltigen Einfluss in der akademischen Politikwissenschaft und in der amerikanischen Außenpolitik gewonnen; in der politischen Ideengeschichte ist seine Unterscheidung zwischen offenen, ‚exoterischen‘ und versteckten, ‚esoterischen‘ Lehren bedeutender Philosophen weiterhin einflussreich. 1965 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg verliehen.

Harald Bluhm ist Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Herausgeber der ‚Schriften zur Europäischen Ideengeschichte‘. 2016 war er Fellow am Maimonides Centre for Advanced Studies der Universität Hamburg. Im Jahr 2000 ist er an der Humboldt-Universität mit der Schrift ‚Die Ordnung der Ordnung. Das politische Philosophieren von Leo Strauss‘ (Berlin, 2. Aufl., 2007) habilitiert worden. „Harald Bluhm über Leo Strauss’ Dissertation über Friedrich Heinrich Jacobi“ weiterlesen

Fundstück: Der Allende-Platz – ein Stück Weltpolitik in Hamburg

1983, elf Jahre nach dem gewaltvollen Putsch gegen den demokratisch gewählten, sozialistischen Präsidenten Chiles Salvador Allende, schicken sich zahlreiche Hamburger Aktivistinnen, darunter einige Exilchileninnen, an, dem Präsidenten auch in Deutschland ein Denkmal zu setzen. Nach zähem Ringen, zahlreichen Diskussionen und Demonstrationen wird schließlich ein Teil des Universitätscampuses in Allende-Platz umbenannt.
Das nächste Kapitel der Geschichte unseres heutigen sozialwissenschaftlichen Gebäudes, dem Allende-Platz 1, steht – wie alle anderen – unter den Zeichen der Zeit. Und auch dieses Mal geht es um die großen Fragen: Blockkonfrontation, Antikoloniale Befreiung, Migration und Exilkultur. „Fundstück: Der Allende-Platz – ein Stück Weltpolitik in Hamburg“ weiterlesen

Maren Hofius über Olaf Asbach, Europa – Vom Mythos zur Imagined Community? (2011)

Olaf Asbach ist seit 2009 Universitätsprofessor für Politikwissenschaft am Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Hamburg. Ausgehend von seiner Heisenberg-Professur “Europa und Moderne” erforscht er die ideengeschichtlichen Grundlagen der Herausbildung politischer Institutionen in Europa seit der Neuzeit. Die rezensierte Publikation steht repräsentativ für seinen Forschungsschwerpunkt zur Entstehung des modernen Europa und Europadenkens.

Maren Hofius ist ebenfalls seit 2009 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Professur für Politikwissenschaft, insbesondere Global Governance. Sie forscht zu Prozessen der Gemeinschaftsbildung und Grenzpraktiken in den internationalen Beziehungen. Sie teilt mit Olaf Asbach das Interesse an den teils widersprüchlichen und sich durch Brüche kennzeichnenden Konstruktionsprozessen von Identität im Kontext der europäischen Integration. „Maren Hofius über Olaf Asbach, Europa – Vom Mythos zur Imagined Community? (2011)“ weiterlesen

Fundstück: Michael Th. Greven ‘aus gegebenem Anlaß’

In der ersten Retrospektive heute berichtete Rainer Tetzlaff über den Hamburger “Uni-Skandal” von 2004. Dem russischen Präsidenten Vladimir Putin sollte die Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg verliehen werden, dagegen setzte sich – schließlich erfolgreich – eine Gruppe von Professorinnen, angestoßen vom Politikwissenschaftler Michael Th. Greven, ein. In diesem Fundstück findet sich nun auch der gesamte Aufruf von Michael Th. Greven samt E-Mail an die Kolleginnen.

Wir danken Rolf von Lüde für die Überlassung des Wortlauts von Michael Grevens Aufruf. Prof. Dr. Rolf von Lüde war von 1995 an Professor für Soziologie im Fachbereich Sozialwissenschaften. Er gehört zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs. Anlässlich von Vladimir Putins Teilnahme am G20-Gipfel hat er dem Deutschlandfunkt 2017 ein Interview gegeben. „Fundstück: Michael Th. Greven ‘aus gegebenem Anlaß’“ weiterlesen

Rainer Tetzlaff über den Hamburger “Uni-Skandal” 2004: Michael Th. Greven und die verhinderte Ehrendoktorwürde für Wladimir Putin

Michael Th. Greven war von 1995 bis 2012 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg, zunächst mit dem Schwerpunkt Regierungslehre, ab 2004 mit dem Schwerpunkt Politische Theorie. Die Reminiszenz von Rainer Tetzlaff beschreibt die Umstände, unter denen Michael Greven als Dekan des sozialwissenschaftlichen Fachbereichs eine Protestaktion gegen die geplante Verleihung der Ehrendoktorwürde an Vladimir Putin initiierte, die schließlich zur Absage der Verleihung führte. Der Wortlaut des Aufrufs von Michael Greven ist in diesem Fundstück zu finden, eine Würdigung von Michael Grevens theoretischen Arbeiten für 100 x 100 ist in Vorbereitung.

Rainer Tetzlaff war von 1974 bis 2006 Professor für Politische Wissenschaft am Institut für Politische Wissenschaft der Universität der Freien und Hansestadt Hamburg. Er beschäftigt sich in der Hauptsache mit Internationaler Politik und Entwicklungspolitik. Zu Rainer Tetzlaffs jüngst in der Reihe ‚Grundwissen Politik‘ erschienenem Afrika-Buch (Afrika. Eine Einführung in Geschichte, Politik und Gesellschaft. Wiesbaden 2018) erschien an dieser Stelle eine Rezension von Andreas Mehler. „Rainer Tetzlaff über den Hamburger “Uni-Skandal” 2004: Michael Th. Greven und die verhinderte Ehrendoktorwürde für Wladimir Putin“ weiterlesen

Leon Abich über Michel Foucault in Hamburg – Part I: Einführung in Kants Anthropologie

Michel Foucault leitete von 1959 bis 1960 das Hamburger Institut Français. Im Gepäck hatte er zwei unfertige Manuskripte, die er in dem Hamburger Jahr weitgehend beendete. Der folgende Beitrag widmet sich seiner Einführung in Kants Anthropologie (Paris 2008, dt. Berlin 2010), die er zusammen mit einer Übersetzung von Kants Schrift als akademische Qualifikationsarbeit einreichte. In Vorbereitung ist ein weiterer Blog-Beitrag zu Foucaults erstem Hauptwerk, Wahnsinn und Gesellschaft, dessen abschließende Überarbeitung ebenfalls in Hamburg stattfand.

Leon Abich studiert seit 2016 im Bachelorstudiengang Sozial- und Bewegungswissenschaften auf Lehramt in Hamburg. „Leon Abich über Michel Foucault in Hamburg – Part I: Einführung in Kants Anthropologie“ weiterlesen

Andreas Mehler zu Rainer Tetzlaff, Afrika: Eine Einführung in Geschichte, Politik und Gesellschaft (2018)

Rainer Tetzlaff war von 1974 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2006 Professor für Politische Wissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen an der Universität Hamburg. Afrikanische Politik begleitet ihn von seinem Studium an bei zahlreichen Forschungsaufenthalten sowie in seinen Publikationen bis heute. Eine Publikation, ein einführendes Lehrbuch zur Geschichte, Politik und Gesellschaft Afrikas, wird hier rezensiert.

Andreas Mehler ist Direktor des Arnold-Bergstraesser-Instituts und Professor für Politikwissenschaft an der Universität Freiburg im Breisgau. Andreas Mehler hat 1993 mit einer Arbeit zum blockierten Demokratisierungsprozess in Kamerun bei Rainer Tetzlaff an der Universität Hamburg promoviert und war anschließend erst wissenschaftlicher Mitarbeiter, dann Direktor am Institut für Afrikakunde (später: GIGA Institut für Afrikastudien) in Hamburg. „Andreas Mehler zu Rainer Tetzlaff, Afrika: Eine Einführung in Geschichte, Politik und Gesellschaft (2018)“ weiterlesen

Mate Szabó über Günter Trautmann, Die hässlichen Deutschen? Deutschland im Spiegel der westlichen und östlichen Nachbarn (1991)

Günter Trautmann lehrte von 1978 bis 2001 am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. Bis zu seinem Tod im Jahr 2001 war er dort zuletzt Professor für Politische Wissenschaft. Sein Forschungsinteresse galt vor allem den Chancen und Herausforderungen der Europäischen Union und ihrer Mitgliedsstaaten nach dem Ende des Kalten Krieges. „Die hässlichen Deutschen“ ist eine Zusammenstellung verschiedener internationaler Perspektiven auf das frisch vereinte Deutschland.

Mate Szabó ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Eötvös Loránd in Budapest. Als Stipendiat der Alexander von Humboldt Stiftung forschte er zwischen 1991 und 1992 an der Universität Hamburg. Sowohl Szabós persönliche Beziehung zu Trautmann als auch seine ungarische Herkunft verleihen der Rezension eine besondere Perspektive eines östlichen Nachbarn. „Mate Szabó über Günter Trautmann, Die hässlichen Deutschen? Deutschland im Spiegel der westlichen und östlichen Nachbarn (1991)“ weiterlesen

Patricia Konrad über Petra Dobner, Wasserpolitik. Zur politischen Theorie, Praxis und Kritik globaler Governance (2010)

Petra Dobner ist Professorin für Systemanalyse und Vergleichende Politikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Davor lehrte sie zwischen 2010 und 2012 als Professorin für Regierungslehre (Fachbereich Politikwissenschaft) an der Universität Hamburg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Governance-Prozesse und Staats- und Verfassungstheorien. Ihr Buch „Wasserpolitik. Zur politischen Theorie, Praxis und Kritik globaler Governance“ ist ein wichtiger Beitrag zur Erforschung transnationaler Stakeholder-Netzwerke.

Patricia Konrad studierte Politikwissenschaft in Augsburg und Hamburg und ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) und des Initiativkreises Friedensbildung/Peacebuilding (ZNF) an der Universität Hamburg. Sie promoviert zum Thema „Präventionsstrategien genderbasierter Gewalt in bewaffneten Konflikten“. „Patricia Konrad über Petra Dobner, Wasserpolitik. Zur politischen Theorie, Praxis und Kritik globaler Governance (2010)“ weiterlesen

Podcast: Elvira Rosert über den UN-Sicherheitsrat und die Mitgliedschaft Deutschlands

Seit dem 1. Januar diesen Jahres ist Deutschland für insgesamt zwei Jahre eines von zehn nicht-ständigen Mitgliedern im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Im vergangenen April hatte die Bundesrepublik außerdem den Vorsitz des Organs inne. Mit Elvira Rosert sprechen wir im neuen podcast auf Politik100x100 über den Vorsitz und welche Initiativen die Bundesregierung und ihre Diplomatinnen voranbringen konnten – etwa eine Resolution gegen sexualisierte Gewalt. Außerdem beleuchten wir die strukturelle Organisation des Sicherheitsrates, mögliche Reformperspektiven und die wissenschaftliche Reflexion internationaler Politik in Theorie und Praxis (Moderation: David Weiß, Technik: Jonathan Deupmann).

Elvira Rosert ist seit 2017 Juniorprofessorin am Fachgebiet Politikwissenschaft und arbeitet im ebenfalls im podcast besprochenen Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik Hamburg (IFSH). Neben der Arbeit an internationalen Institutionen lehrt und forscht sie zu Fragen humanitärer Rüstungskontrolle sowie internationalen Normen – ihre Dissertation beschäftigte sich etwa mit der langjährigen Nicht-Entstehung des Verbotes von Streumunition.

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Fundstück: Der Pferdestall im Nationalsozialismus

Nach kurzer Blüte in den 1920er und frühen 1930er-Jahren ist auch der ehemalige Pferdestall am Bornplatz ab 1933 Gegenstand nationalsozialistischer Umwerfungen in Politik und Wissenschaft. Wissenschaftlerinnen werden vertrieben, die Institutsstruktur im Gebäude radikal transformiert und die Schutzpolizei zieht Mitte der 1930er-Jahre im Erdgeschoss ein. Im neuen Fundstück zur Geschichte unseres Institutsgebäudes erinnern wir an die dunklen Jahre des deutschen Faschismus, wie auch die Verankerung der Universität und insbesondere unseres Gebäudes in das ehemalige jüdische Viertel Hamburgs, dem Grindelviertel. „Fundstück: Der Pferdestall im Nationalsozialismus“ weiterlesen

Dirk Jörke über Jens Hacke, Existenzkrise der Demokratie (2018)

Jens Hacke ist Ideenhistoriker und mit Schriften zum Politischen Denken der Weimarer Zeit und in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit bekannt geworden. Von 2008 bis 2016 war er am Hamburger Institut für Sozialforschung tätig. 2017 ist er mit der „Existenzkrise der Demokratie“, die mittlerweile in dritter Auflage bei Suhrkamp vorliegt, an der Berliner Humboldt-Universität habilitiert worden; seit 2018 vertritt er die Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Greifswald.

Dirk Jörke ist seit 2014 Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Technischen Universität Darmstadt und leitet dort den M.A. Studiengang Politische Theorie, der in Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt angeboten wird. Er hat in Hamburg Politikwissenschaft studiert, bei Udo Bermbach und Rainer Schmalz-Bruns seine Magisterarbeit verfasst und im Jahr 2011 die Theorieprofessur von Michael Th. Greven am Institut für Politikwissenschaft vertreten. Im Mai 2019 erscheint bei Suhrkamp sein Buch Die Größe der Demokratie. „Dirk Jörke über Jens Hacke, Existenzkrise der Demokratie (2018)“ weiterlesen

Hannah Arendt in Hamburg: Clara Maier zur Rede bei der Verleihung des Lessingpreises 1959

Hannah Arendt gehört zu den bedeutenden Politischen Theoretikern des 20. Jahrhunderts. Ihre Hamburger Rede vom 28. September 1959 trägt den Titel ‘Von der Menschlichkeit in finsteren Zeiten’“. Zusammen mit flankierenden Texten ist ihre Lessingrede, herausgegeben von Matthias Bormuth, in diesem Jahr bei Matthes und Seitz (Berlin) in dem Buch ‚Freundschaft in finsteren Zeiten‘ neu erschienen.

Clara Maier ist Ideenhistorikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hamburger Institut für Sozialforschung und hat 2016 an der Universität Cambridge zu Debatten um den „Deutschen Sonderweg“ promoviert. Sie ist Autorin von „Gehegte Demokratie. Zur Idee des Rechtsstaats in Deutschland und Spanien“, Mittelweg 36 (2018). „Hannah Arendt in Hamburg: Clara Maier zur Rede bei der Verleihung des Lessingpreises 1959“ weiterlesen

Podcast: Drittes Fachbereichstreffen zum Thema: Aufgabe und Funktion sozialwissenschaftlicher Lehre und Forschung in Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs

Regelmäßig organisiert der Fachschaftrat Sozialwissenschaften, die studentische Vertretung  für die Studierenden der Soziologie und Politikwissenschaft, Fachbereichstreffen zu aktuellen Entwicklungen in Wissenschaft und Gesellschaft. Dies soll den statusgruppenübergreifenden Austausch über Herausforderungen für Lehre und Forschung weiter befördern. Nach Diskussionsveranstaltungen zur Identitären Bewegung und Normativität in der wissenschaftlichen Arbeit, stand im April das dritte Fachbereichstreffen zu Fragen wissenschaftlicher Erkenntnistheorie und Methoden an. Prof. Kai-Uwe Schnapp (Programmdirektion Politikwissenschaft), Prof. Stefanie Kley (Programmdirektion Soziologie), Dr. Andreas Busen (Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Politikwissenschaft) und Nadia Abd El Hafez (Studentin, Soziologie) diskutierten über Fragen nach Aufgabe und Funktion wissenschaftlicher Lehre und Forschung in gesellschaftlichen Umbrüchen. Moderiert hat Sina Berg (Studentin, Politikwissenschaft) (Aufnahme vom 8. April 2019).

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Angelika Golegos und Christos Makrodimitris über Clara und William Stern, Die Kindersprache: Eine psychologische und sprachtheoretische Untersuchung (1907)

William Stern ist eine prägende Figur in der Geschichte der Universität Hamburg. Unter anderem war er an der Gründung der Universität im Jahr 1919 beteiligt und Inhaber des ersten Lehrstuhls für Philosophie und Psychologie. Clara Stern veröffentlichte gemeinsam mit William Stern zwei Monographien auf dem Gebiet der Entwicklungspsychologie. Für ihre Studie „Die Kindersprache“ rekonstruierten die Sterns die Sprachentwicklung ihrer Kinder, zu denen Günther Stern, der spätere Philosoph Günther Anders, gehörte.

Angelika Golegos und Christos Makrodimitris sind Absolventen des Masterstudiengangs Mehrsprachigkeit und Bildung/MOTION an der Universität Hamburg. Derzeit promoviert Christos Makrodimitris an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Angelika Golegos an der Universität Konstanz. „Angelika Golegos und Christos Makrodimitris über Clara und William Stern, Die Kindersprache: Eine psychologische und sprachtheoretische Untersuchung (1907)“ weiterlesen

Patrick Samtlebe über Ralf Bambach, Der französische Frühsozialismus (1984)

Ralf Bambach studierte Sozialwissenschaften in Hamburg und Paris. Er spezialisierte sich auf Politikwissenschaft und die Geschichte der Philosophie und des öffentlichen Rechts. Seit den 1980er Jahren engagiert sich Bambach in der politischen Erwachsenenbildung und Beratung im Bereich der Sicherheitspolitik. Seine Promotion von 1984 lieferte einen systematischen Einblick in die Zeit des französischen Frühsozialismus.

Patrick Samtlebe studierte Politikwissenschaft in Hamburg und ist seit 2017 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Heisenberg-Professur Europa und Moderne. Seine nachfolgende Rezension zur Promotion von Ralf Bambach steht der Sorgfalt und Genauigkeit der Schrift in nichts nach.

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Podcast: Jan Wilkens über die Parlamentswahlen in Israel

Am vergangenen Dienstag, den 09. April, konnte Benjamin Netanjahus rechtes Wahlbündnis einen weiteren Sieg bei den Parlamentswahlen in Israel verzeichnen. Der nun dienstälteste israelische Ministerpräsident ist jedoch angeschlagen – durch Korruptionsvorwürfe, vor allem aber aufgrund des sich weiter zuspitzenden Konflikts zwischen Israel und Palästina. Im neuen Podcast auf Politik100x100 berichtet Jan Wilkens über die aktuellen Entwicklungen in Israel, die großen Identitätsfragen sowie die Rolle von Wissenschaft und europäischem Diskurs in der problematischen Aufrechterhaltung von Narrativen (Moderation: David Weiß).

Jan Wilkens ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Global Governance. 2018 hat er zur Transnationalisierung der zivilgesellschaftlichen Konflikte in Syrien promoviert. Auch diese Arbeit stellt er neben der Forschung des Global Governance-Teams zu normativen Fragen der Internationalen Politik, Kontestation und Praxistheorien vor.

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Frank Nullmeier über Joachim Raschke, Soziale Bewegungen. Ein historisch-systematischer Grundriß (1985)

Joachim Raschke hat 1985 die erste umfassende politikwissenschaftliche Monographie zum Thema Soziale Bewegungen verfasst. 1993 erschien seine Studie über „Die Grünen. Wie sie wurden, was sie sind“ und 2007 (zusammen mit Ralf Tils) „Politische Strategie. Eine Grundlegung“. Raschke war von 1975 bis 2001 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg und ist heute in der Agentur für Politische Strategie (APOS) tätig.

Frank Nullmeier ist Professor für Politikwissenschaft (Politisches System der Bundesrepublik Deutschland und Staatstheorie) an der Universität Bremen. Er studierte von 1975 bis 1980 in Hamburg und hat dort 1989 mit der Arbeit „Von Max Weber zu Konzepten einer Intelligenz- und Wissenspolitologie“ promoviert. Von 1991 bis 1997 war er Hochschulassistent am Institut für Politische Wissenschaft. Seine Habilitationsschrift ist unter dem Titel „Politische Theorie des Sozialstaats“ publiziert worden.

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Fundstück: Vertreibung an der Universität Hamburg – Das “Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums” vom 7. April 1933

Heute vor 86 Jahren, am 7. April 1933, erlässt die nationalsozialistische Regierung von Adolf Hitler im ganzen Reichsgebiet das “Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums”. Mit dieser Anordnung sollten “nicht-arische” und sonstige politisch unerwünschte Beamte aus dem Staatsdienst entlassen werden. Auch die Hamburgische Universität führte die Säuberungsaktionen durch, unter anderem betroffen war Siegfried Landshut, der noch 1933 entlassen und ins Exil getrieben wurde und erst knapp zwanzig Jahre später nach Hamburg zurückkehren konnte. „Fundstück: Vertreibung an der Universität Hamburg – Das “Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums” vom 7. April 1933“ weiterlesen

Anton F. Guhl & Malte Habscheidt: Die wundersame Planungsgeschichte des zweiten Philosophenturms der Universität Hamburg

Am 1. April 1975 war es endlich soweit: Rund zwölf Jahre, nachdem mit dem „Philosophenturm“ das bis dahin größte Gebäude der Universität eingeweiht worden war, konnte mit dem „zweiten Philosophenturm“ der drängende Raummangel der Universität endgültig behoben werden. Wissenschaftssenator Ulrich Karpen (CDU) betonte bei der festlichen Einweihung des Verfügungsgebäudes V (umgangssprachlich: Philo II), dass nun die Geisteswissenschaften in Hamburg zukunftsfähig gemacht worden seien.

Anton F. Guhl ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Karlsruher Institut für Technologie, 2015 wurde ihm der Berenberg-Preis für Wissenschaftssprache verliehen. Seine Hamburger Dissertation über die Entnazifizierung der dortigen Universität wurde 2017 mit dem Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik ausgezeichnet; sie erscheint am 21. Mai 2019 im Wallstein Verlag.
Malte Habscheidt, M.A., Historiker und Journalist, ist Referent in der Öffentlichkeitsarbeit der Diakonie Hamburg. Er arbeitet an einer Dissertation zum Hamburger Universitätsgesetz von 1969. 2013 erschien der von ihm mitherausgegebene Band „Gelebte Universitätsgeschichte. Erträge jüngster Forschung. Eckart Krause zum 70. Geburtstag”, seit 2015 ist er gewähltes Vorstandsmitglied des Vereins für Hamburgische Geschichte. „Anton F. Guhl & Malte Habscheidt: Die wundersame Planungsgeschichte des zweiten Philosophenturms der Universität Hamburg“ weiterlesen

Podcast: Patrick Köllner über Nordkorea, Gipfeltreffen und die nordostasiatische Konstellation

2017, nach der Amtseinführung von US-Präsident Trump und erneuten Raketentest der nordkoreanischen Staatsführung, droht eine weitere Eskalation des Konflikts mit Nordkorea. Doch 2018 folgt dann das “Jahr der Gipfeltreffen” und kleine Fortschritte hin zu einer Normalisierung der Beziehungen zu Nordkorea zeichnen sich ab.
Wie wahrscheinlich eine solche Normalisierung auch noch nach dem zweiten Gipfel zwischen Trump und Kim Jong Un im Februar in Hanoi, Vietnam scheint und wie die politischen Entwicklungen auf der koreanischen Halbinsel generell zu bewerten sind, besprechen wir in unserem Podcast auf Politik100x100 mit Patrick Köllner (Moderation: David Weiß).

Patrick Köllner ist seit 2011 Professor für Politikwissenschaft, insbesondere Asien-Studien an der Universität Hamburg. Er leitet das Institut für Asien-Studien am Hamburger Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien (GIGA). Auch zur Arbeit des GIGA als Forschungsinstitut und Think Tank berichtet Patrick Köllner im Podcast. „Podcast: Patrick Köllner über Nordkorea, Gipfeltreffen und die nordostasiatische Konstellation“ weiterlesen

Andreas Grimmel über Christine Landfried: Das politische Europa – Differenz als Potential der Europäischen Union (2002)

Christine Landfried lehrte von 1991 bis 2014 Vergleichende Regierungslehre am Institut für Politikwissenschaft der Universität Hamburg. Mit ihrem vielbeachteten Werk zur Europäischen Union, das inzwischen in der dritten Auflage erscheint, widmet sie sich einem lange vernachlässigten und zugleich hochaktuellen Thema: den Potenzialen von Differenz im politischen Prozess der europäischen Integration.

Andreas Grimmel ist Forschungsdirektor am Institute for European Integration des Europa-Kollegs in Hamburg und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft der Universität Hamburg. Nach dem Studium der Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft und Philosophie hat er im Jahr 2012 mit einer Arbeit über die “Europäische Integration im Kontext des Rechts” in Hamburg (Wiesbaden: Springer VS, 2014) promoviert.

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Christina Kuhli: Erinnerungskultur in Bildern – Constantin Hahms Bilder im Pferdestall

In seiner über einhundertjährigen Geschichte ist der Pferdestall, das Gebäude der Hamburger Sozialwissenschaften, von den Entwicklungen der Zeit geprägt worden. Die Spannung von Krieg und Vernichtung jüdischen Lebens versus der Bildung, Wissenschaft und Aufklärung in gesellschaftlicher Verantwortung sind in seine Grundfesten eingeschrieben – nicht zuletzt aufgrund der Kunst von Constantin Hahm. Die Wandgemälde von Hahm, die seit 1988 im ganzen Gebäude zu sehen sind, be- und verarbeiten das Verhältnis von Politik, Gesellschaft und Wissenschaft und sind, so Christina Kuhli, Mahnung und Auftrag zugleich.

Christina Kuhli ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg. Sie hat 2012 mit einer Arbeit über Giorgio Vasaris Viten an der Universität Frankfurt a. M. promoviert, war Postdoc im SFB 948 “Helden, Heroisierungen und Heroismen” an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. und ist seit 2016 an der Universität Hamburg, wo sie u.a. die Kunstwerke der Universität betreut.

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Burkhard Conrad über die ‘Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen’ in der Hamburger Politikwissenschaft

Mitte der 1990er Jahren erscheinen drei wegweisende, am Hamburger Institut als Dissertationen eingereichte Monographien zur Kriegsursachenforschung: Jens Siegelbergs Kapitalismus und Krieg. Eine Theorie des Krieges in der Weltgesellschaft (1994), Dietrich Jungs Tradition – Moderne – Krieg. Grundlegung einer Methode zur Erforschung kriegsursächlicher Prozesse im Kontext globaler Vergesellschaftung (1995) sowie Klaus Schlichtes Krieg und Vergesellschaftung in Afrika. Ein Beitrag zur Theorie des Krieges (1996). Siegelberg arbeitet heute als Publizist und Consultant, Jung ist an der University of Southern Denmark in Odense, Klaus Schlichte an der Universität Bremen tätig.

Burkhard Conrad OPL ist Mitglied der Laiengemeinschaft des Dominikanerordens und Mitarbeiter im Erzbistum Hamburg. Er promovierte in Hamburg bei Cord Jakobeit, Michael Greven und Kari Palonen mit der Arbeit „Der Augenblick der Entscheidung. Zur Geschichte eines politischen Begriffs“. Er schreibt den ideengeschichtlichen Blog „rotsinn“. „Burkhard Conrad über die ‘Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen’ in der Hamburger Politikwissenschaft“ weiterlesen

Fundstück: Magdalene Schoch – Portrait

Magdalene Schoch wurde 1932 als erste Frau an einer rechtswissenschaftlichen Fakultät in Deutschland an der Hamburgischen Universität habilitiert. Über Schochs Leben und Wirken in Hamburg, ihre Zusammenarbeit mit Albrecht Mendelssohn Bartholdy am “Institut für Auswärtige Politik” sowie ihre US-amerikanische Identität – unser nächstes Archivfundstück. „Fundstück: Magdalene Schoch – Portrait“ weiterlesen

Thomas Meyer über das Davoser Treffen von Martin Heidegger und Ernst Cassirer

Martin Heidegger, der tief in Süddeutschland verwurzelte Seinsphilosoph, trifft 1929 in Davos auf den Hamburger Kulturphilosophen Ernst Cassirer. Es ist ein konfliktreiches Treffen, das als Divoser Disput in die moderne Philosophiegeschichte eingeht und den Höhepunkt der Beziehung darstellt. Die Auseinandersetzung zwischen Cassirer und Heidegger hat jedoch eine wenig bekannte Vorgeschichte, die in Hamburg beginnt. Ohne sie wird das vermeintliche Großereignis nicht verständlich. Deshalb sei hier ausführlicher auf sie eingegangen.

Dr. Thomas Meyer lehrt an der Ludwigs-Maximilian-Universität München am Lehrstuhl für Philosophie unter den Schwerpunkten Ideengeschichte und jüdische Philosophie des 19./20. Jahrhundert sowie Kulturphilosophie. Er ist Biograph von Ernst Cassirer (Hamburg 2006) und ist in jüngerer Zeit mit Essays zu Hannah Arendt hervorgetreten, unter anderem in Arendts ‚Wir Flüchtlinge‘ und ‚Die Freiheit, frei zu sein‘ (beide Stuttgart 2018).

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Sebastian Huhnholz über Andreas Anter, Max Webers Theorie des modernen Staates (1993)

Andreas Anters einflussreiche Hamburger Dissertation von 1993 liegt inzwischen in dritter, aktualisierter Auflage auf Deutsch und unter dem Titel Max Weber’s Theory of the Modern State. Origins, Structure, and Significance. Basingstoke/New York: Palgrave Macmillan 2014 auf Englisch vor. Nach seiner Promotion war Anter Lektor bei Rowohlt und Programmleiter bei Reclam, bevor er in Leipzig seine Habilitationsschrift einrichte. Anter ist seit 2013 Professor für politische Bildung an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt.

Sebastian Huhnholz, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Lehrbereichs Politische Ideengeschichte und Theorien der Politik an der Leibniz-Universität Hannover, studierte an der Humboldt-Universität Sozialwissenschaften, promovierte an der LMU München und lebt in Hamburg. Seine Studie „Dschihadistische Raumpraxis“ erschien als Band 12 von Michael Th. Grevens Reihe „Politische Theorie“. „Sebastian Huhnholz über Andreas Anter, Max Webers Theorie des modernen Staates (1993)“ weiterlesen

Fundstück: Der Pferdestall wird Universitätsgebäude

Nach zwei Jahrzehnten Nutzung als Pferdestall bekommt auch das stattliche Gebäude am Bornplatz, der heutigen Heimat der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg, die rapiden sozioökonomischen und politischen Umbrüche der 1910er und 20er Jahre zu spüren. Die nächsten Archivfundstücke mit Impressionen des Pferdestallumbaus 1928 sowie den ersten Jahren wissenschaftlicher Arbeit im dann zum nurmehr Mythos gewordenen “Pferdestall”. „Fundstück: Der Pferdestall wird Universitätsgebäude“ weiterlesen

Rainer Schmalz-Bruns über Hans-Hermann Hartwich und die Stellung des Hamburger Instituts in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW)

Hans-Hermann Hartwich hatte von 1973 bis zu seiner Emeritierung 1995 den Lehrstuhl für Innenpolitik an der Universität Hamburg inne. 1982 bis 1988 war er Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft. Nach der deutschen Vereinigung übernahm er bis 1994 das Gründungsdekanat “Philosophie und Sozialwissenschaften” an der Martin-Luther-Universität Halle an der Saale. Hartwich starb am 12. Oktober 2018, wenige Wochen vor seinem 90. Geburtstag.

Rainer Schmalz-Bruns ist Professor für Politische Ideengeschichte und Theorien der Politik an der Leibniz-Universität Hannover. Er hat in Hamburg Politikwissenschaft studiert, 1986 mit einer Arbeit zur „Praxistheorie im Widerstreit“ promoviert und sich 1994 mit einer Studie zur „Reflexiven Demokratie“ habilitiert. Schmalz-Bruns war langjähriger Sprecher der Theoriesektion in der DVPW und von 2010-2016 Redaktionsleiter der Politischen Vierteljahresschrift. „Rainer Schmalz-Bruns über Hans-Hermann Hartwich und die Stellung des Hamburger Instituts in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW)“ weiterlesen

Florian Grotz über Winfried Steffani, Parlamentarische und präsidentielle Demokratie. Strukturelle Aspekte westlicher Demokratien (1979)

Winfried Steffani (1927-2000) lehrte von 1967 bis 1990 als Nachfolger von Wilhelm Hennis Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. In seiner vor 40 Jahren erschienenen Aufsatzsammlung über parlamentarische und präsidentielle Demokratie hat er konzeptionelle Unterscheidungen getroffen, die für die Vergleichende Regierungslehre wegweisend waren. Daher gilt das Buch noch heute als ein Schlüsselwerk der Teildisziplin.

Florian Grotz ist seit 2013 Inhaber des Lehrstuhls für Politikwissenschaft, insbesondere Vergleichende Regierungslehre an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr Hamburg. Nach einem Studium der Politikwissenschaft, Slawistik und Philosophie an der Universität Heidelberg wurde er dort 1999 promoviert und habilitierte sich 2007 an der Freien Universität Berlin. „Florian Grotz über Winfried Steffani, Parlamentarische und präsidentielle Demokratie. Strukturelle Aspekte westlicher Demokratien (1979)“ weiterlesen

Klaus Schlichte zu Klaus Jürgen Gantzel und der Hamburger Kriegsursachenforschung

Die Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung war seit der Gründung in den 1980er-Jahren ein unverzichtbarer Teil der Hamburger Politikwissenschaft. In seiner Retrospektive zeichnet Klaus Schlichte die Gründung durch Professor Klaus Jürgen Gantzel und die wichtigsten Forschungsbeiträge der Hamburger Kriegsursachenforschung nach – Beiträge für die akademische Aufarbeitung und politische Bekämpfung von Kriegsursachen.

Klaus Schlichte ist seit 2010 Inhaber des Lehrstuhls „Internationale Beziehungen: Politik in der Weltgesellschaft“ am Institut für Interkulturelle und Internationale Studien an der Universität Bremen. Von 1985 bis 1992 studierte Schlichte Politikwissenschaft, Philosophie, Afrikanistik und Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg, in den 1990er Jahren war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter von Klaus Jürgen Gantzel und Lehrbeauftragter am Institut.

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Bericht zum Workshop: Understanding Solidarity – New Challenges, New Approaches

The international workshop Understanding Solidarity – New Challenges, New Approaches was organised by Andreas Busen (Universität Hamburg) and Stefan Wallaschek (BIGSSS, Universität Bremen) and took place in Hamburg from the 25 to the 27 of January 2019. The main goals of the workshop were to provide a forum for discussing innovative ideas and to facilitate the dialogue between experts in the field of solidarity working in different academic disciplines.[1][2]

Ervin Kondakciu, who wrote this report, is a Research Associate and PhD candidate at the chair of Political Theory at the University of Hamburg.[3] „Bericht zum Workshop: Understanding Solidarity – New Challenges, New Approaches“ weiterlesen

Podcast: Kai-Uwe Schnapp zu Quo vadis Bundespolitik?

Am 7. Dezember 2018 wird Annegret Kramp-Karrenbauer auf dem CDU-Parteitag in den Hamburger Messehallen zur neuen CDU-Vorsitzenden gewählt. Sie kann sich knapp gegen Friedrich Merz durchsetzen und beerbt damit Angela Merkel als Parteivorsitzende.
Nur wenig Tage zuvor erklimmen die Grünen erstmals die 20%-Marke in den Umfragen auf Bundesebene – das beste Ergebnis ihrer knapp vierzigjährigen Geschichte – und bestätigen damit den mittelfristigen Trend, der sie als zweitstärkste Kraft in der Bundesrepublik zu etablieren scheint.
Diese und weitere Themen – die 2019 anstehenden Landtagswahlen, der “AfD-Effekt” und eine sich transformierende Parteienlandschaft – besprechen wir mit Kai-Uwe Schnapp im ersten Podcast auf Politik100x100 (Moderation: David Weiß).

Kai-Uwe Schnapp ist seit 2008 Professor für Politikwissenschaft, insbesondere Methoden, am Fachgebiet Politikwissenschaft. Er forscht u.a. zu Methoden der Stichprobenziehung und der Rolle von Verwaltungen in repräsentativen demokratischen Systemen. Außerdem leitet er das Projektbüro Sozialforschung der Universität Hamburg. Auch über diese Themen berichtet Kai-Uwe Schnapp im Podcast.

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Reinhard Mehring zu Carl Schmitt, Hamburg und der hanseatischen „Existenz“: eine Trennungsgeschichte?

Carl Schmitt (1888-1985) war ein bedeutender deutscher Staatsrechtler und einflussreicher Apologet und Unterstützer des Nationalsozialismus. Wenngleich die meisten seiner Bücher im Berliner Duncker & Humblot-Verlag erschienen, platzierte Schmitt seine radikalsten nationalsozialistischen Veröffentlichungen in der Hanseatischen Verlagsanstalt Wandsbek. Auf Schmitts staats- und völkerrechtliche Werke und auf seine politiktheoretischen Arbeiten beziehen sich noch heute diverse Theorieschulen. Wenig bekannt sind die intensiven Beziehungen, die Schmitt nach Hamburg unterhielt.

Reinhard Mehring, Professor für Politikwissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, ist der wohl gründlichste Kenner von Schmitts Werk und Archiv. Seine Biographie Carl Schmitt: Aufstieg und Fall erschien 2009. In diesem Beitrag geht er der biographisch überraschend repräsentativen Beziehung Schmitts zu Hamburg nach.

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Birgit Recki: Das lange Jahrzehnt der Philosophie. Ernst Cassirer in Hamburg

Ernst Cassirer (1874-1945) war von 1919 bis 1933 Professor für Philosophie an der Hamburgischen Universität. In dieser Zeit entstand sein Hauptwerk, die Philosophie der symbolischen Formen (1923-1929).
In Ihrem Vortrag – gehalten am 08. Januar 2019 im Rahmen der Ringvorlesung “(Fast) 100 Jahre Universität Hamburg” – präsentiert Birgit Recki Cassirer als Denker, der von der Philosophie der Kultur zum Freiheitsbegriff und zur politischen Philosophie voranschreitet.

Birgit Recki ist seit 1997 Professorin für Philosophie an der Universität Hamburg. Sie ist Herausgeberin der Gesammelten Werke Cassirers in der Hamburger Ausgabe.

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Andreas Anter über Wilhelm Hennis, Richtlinienkompetenz und Regierungstechnik (1964)

Wilhelm Hennis (1923-2012) wurde 1962 als zweiter Professor für Politikwissenschaft an die Universität Hamburg berufen. Mit der Berufung von Hennis wurde die Regierungslehre als ein Schwerpunkt des Hamburger Fachgebiets begründet.
In seiner 1964 erschienen, einzigen Hamburger Monographie setzt sich Hennis mit der Regierungstechnik der Bundeskanzler Adenauer und Erhard und der zentralen Bedeutung der Informationsbeschaffung für die Regierungskunst auseinander.

Andreas Anter ist Inhaber des Lehrstuhls für Politische Bildung an der Universität Erfurt. Andreas Anter hat 1994 mit einer Arbeit über Max Weber an der Universität Hamburg promoviert und war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Politische Theorie. „Andreas Anter über Wilhelm Hennis, Richtlinienkompetenz und Regierungstechnik (1964)“ weiterlesen

Politik 100×100

Willkommen auf dem Blog Politik 100×100 des Fachgebiets Politikwissenschaft der Universität Hamburg.

Über das Jahr 2019 verteilt werden hier – anlässlich des einhundertjährigen Gründungsjubiläums der Universität – 100 Blogeinträge in Text-, Bild- und Podcastformat zu Themen rund um die Politikwissenschaft in Hamburg erscheinen: Retrospektiven zu Ereignissen in der Geschichte des Fachgebiets, Rezensionen bedeutender Werke, Fundstücke zur studentischen Geschichte, Informationen zu Entwicklungen im Fach sowie vieles mehr. Dabei geht es uns auch um die Bezüge der Politikwissenschaft zu einem weiteren akademischen und intellektuellen Kontext. Kontaktaufnahmen und Vorschläge willkommen unter politik100x100.wiso@uni-hamburg.de.

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Aktuelle Informationen zur Politikwissenschaft an der Universität Hamburg finden sich auch auf dem offiziellen Twitteraccount des Fachgebiets:
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