Der erste Außenpolitiker am Institut. Otmar Höll über Hans-Peter Schwarz

Hans-Peter Schwarz (1934-2017) war nach Siegfried Landshut und Wilhelm Hennis der dritte Inhaber eines Lehrstuhls für die „Wissenschaft von der Politik“ an der Universität Hamburg. Insgesamt acht Jahre, von 1966 bis 1974, forschte und lehrte er in der Hansestadt, als erster Professor befasste er sich explizit mit Phänomenen der Außenpolitik und der Internationalen Beziehungen. In diesem Beitrag schaut Otmar Höll auf das jahrzehntelange politikwissenschaftliche und zeithistorische Wirken von Hans-Peter Schwarz zurück, in diesem Fundstück haben wir bereits ein Schlaglicht auf seine Zeit in Hamburg geworfen.

Otmar Höll (*1948) war Direktor des Österreichischen Instituts für Internationale Politik (oiip), außerdem seit 1981 Gastprofessor und Dozent an der Universität Wien, an der Donau Universität Krems und an ausländischen Universitäten. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind globale Probleme der Außen- und Sicherheitspolitik und der politischen Psychologie. „Der erste Außenpolitiker am Institut. Otmar Höll über Hans-Peter Schwarz“ weiterlesen

Hanseatische Friedens- und Sicherheitspolitik. David Weiß über Wolf von Baudissin, ‘Innere Führung’ und die Gründungsgeschichten von IFSH und HSU

Wolf Graf von Baudissin (1907-1993), ehemaliger Leutnant der Wehrmacht und späterer Bundeswehroberst, war einer der zentralen Protagonisten der Wiederbewaffnungsstrategie von Bundeskanzler Konrad Adenauer. Anfang der 1950er Jahre wirkte er entscheidend an der Entwicklung des Konzepts der „Inneren Führung“ und des Leitbildes des „Staatsbürgers in Uniform“ mit. In Hamburg verortet sich sowohl das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH), international vernetztes Partnerinstitut der Universität Hamburg, als auch die Helmut-Schmidt-Universität (HSU), mit rund 2 500 Studierenden und gut 100 Professuren eine der größten Hochschulen der Hansestadt, in der Tradition Baudissins. Ein Exkurs in die Entstehungsgeschichte und Gründungszeit zweier wichtiger Institutionen der Stadt, zweier Symbole nicht zuletzt für die – bis heute – herausfordernde Verortung Deutschlands in der internationalen Friedens- und Sicherheitsarchitektur nach 1945.

David Weiß studiert in Hamburg und Wien Politikwissenschaft.

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Tilko Swalve über Peter Raschke, Vereine und Verbände. Zur Organisation von Interessen in der Bundesrepublik Deutschland (1978)

Peter Raschke (*1941) war von 1984 bis 2006 Professor für Politische Wissenschaft mit dem Schwerpunkt Empirische Methoden an der Universität Hamburg. Nach seiner hier besprochenen Frankfurter Dissertation zur Verbändeforschung hat Raschke sich in der Forschung Themen der Gesundheits-, insbesondere der Drogenpolitik zugewandt. Raschke war seit 2000 stellvertretender Direktor des Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung der Universität Hamburg.

Tilko Swalve ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Vergleichende Politikwissenschaft der Universität Hamburg. Er wurde 2019 mit der Arbeit Decision-Collegial Courts – How Group Processes Shape Adjudication on the German Federal Court an der Graduate School of Economic and Social Sciences der Universität Mannheim promoviert. „Tilko Swalve über Peter Raschke, Vereine und Verbände. Zur Organisation von Interessen in der Bundesrepublik Deutschland (1978)“ weiterlesen

Marx dachte, der Kapitalismus sei ungerecht, aber er wusste nicht, dass er das dachte. David Müller und Peter Niesen über Ralf Dahrendorfs Hamburger Dissertation

Ralf Dahrendorf (1929-2009) promovierte 1952 an der Universität Hamburg mit einer Studie zu Marx’ Gerechtigkeitsbegriff. Eine zweite Dissertation fertigte er kurze Zeit später bei T.H. Marshall an der London School of Economics (LSE) über Unskilled Labour in British Industry an. Nach Aufenthalten am Institut für Sozialforschung in Frankfurt und an der Universität Saarbrücken lehrte er von 1958 bis 1960 Soziologie an der Akademie für Gemeinwirtschaft in Hamburg. Später war er Mitglied der Europäischen Kommission, Direktor der LSE und Rektor des St Antony’s College Oxford sowie Mitglied des deutschen Bundestags und des britischen House of Lords.

David Müller studiert, Peter Niesen lehrt Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. „Marx dachte, der Kapitalismus sei ungerecht, aber er wusste nicht, dass er das dachte. David Müller und Peter Niesen über Ralf Dahrendorfs Hamburger Dissertation“ weiterlesen

Wissensproduktion in einer kolonialen Metropole. Malte Kanefendt über die Herausforderungen des GIGA-Institut Hamburg die eigene Geschichte aufzuarbeiten

Das Leibniz-Forschungsinstitut German Institute of Global and Area Studies, kurz GIGA, in Hamburg ist die größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung für Regionalstudien in Deutschland. 1964 als Deutsches Überseeinstitut gegründet, steht es in besonderer Verantwortung, seine heutige Arbeit im Feld der Vergleichenden Regionalstudien auf koloniale Kontinuitäten und epistemische Gewalt in der Produktion und Aneignung von Wissen zu reflektieren. Dies ist Teil eines Prozesses, der politische Debatten um die Restitution kolonialer Raubgüter und die Reparation von Kolonialverbrechen intensivieren und damit auch Politik und Gesellschaft für die Kontinuitäten kolonialer Ausbeutung sensibilisieren könnte.

Malte Kanefendt studiert im B.A. Politikwissenschaft am Fachbereich. Seine Schwerpunkte sind postkoloniale Studien sowie Gender-Theorien. „Wissensproduktion in einer kolonialen Metropole. Malte Kanefendt über die Herausforderungen des GIGA-Institut Hamburg die eigene Geschichte aufzuarbeiten“ weiterlesen

Verwaltung im Systemvergleich. Eva Ruffing über Kai-Uwe Schnapp, Ministerialbürokratien in westlichen Demokratien (2004)

Kai-Uwe Schnapp hat seit 2008 die Professur für Politikwissenschaft, insbesondere Methoden der Politikwissenschaft, an der Universität Hamburg inne. Ministerialbürokratien in westlichen Demokratien. Eine vergleichende Analyse[1] stellt die überarbeitete Fassung seiner Dissertation dar, die er 2002 an der FU Berlin abschloss.

Eva Ruffing ist Professorin für das Politische System der BRD im Kontext europäischer Mehrebenenpolitik an der Universität Osnabrück. Von Oktober 2015 bis März 2017 vertrat sie die Professur für Politikwissenschaft, insbesondere Regierungslehre, an der Universität Hamburg. Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich der Verwaltungs- und Policyforschung, mit Schwerpunkt auf Europäisierungsprozessen und Verfahren der Öffentlichkeitsbeteiligung. „Verwaltung im Systemvergleich. Eva Ruffing über Kai-Uwe Schnapp, Ministerialbürokratien in westlichen Demokratien (2004)“ weiterlesen

Elvira Rosert: Warum Staaten in der Coronakrise handeln und in der Klimakrise nicht

Die aktuelle Covid-19-Pandemie und die öffentlichen wie politischen Reaktionen zeigen: Ein rascher Mentalitätswandel, politisches Handeln und das Adressieren von existenziellen Krisen ist – wenn Politik und Bevölkerung möchten – möglich. Warum dagegen Maßnahmen gegen den Klimawandel, seit Jahrzehnten gefordert und spätestens seit Greta Thunberg und der Fridays for Future-Bewegung ganz oben auf der politischen ToDo-Liste, bislang kaum den Stellenwert der aktuellen Krise erlangen konnten, liegt, so Elvira Rosert in ihrem Beitrag, vor allem an zwei Faktoren: Zeit und Komplexität. 

Elvira Rosert ist Juniorprofessorin für Politikwissenschaft, insbesondere Internationale Beziehungen, an der Universität Hamburg und am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit internationalen Normen und internationalen Institutionen. Mit der Konstruktion und Wahrnehmung öffentlicher Angelegenheiten hat sie sich u. a. in dem Artikel “Salience and the Emergence of International Norms: Napalm and Cluster Munitions in the Inhumane Weapons Convention“, erschienen bei Review of International Studies, und in dem Artikel “Norm Emergence as Agenda Diffusion. Failure and Success in the Regulation of Cluster Munitions“, erschienen im European Journal of International Relations, befasst.

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Die Arbeit eines “embedded scientist”. Kai-Uwe Schnapp über Joachim Raschke, Die Grünen. Wie sie wurden, was sie sind (1993)

Joachim Raschke war von 1975 bis 2001 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg und ist heute in der Agentur für Politische Strategie (APOS) tätig. Raschke hat 1985 die erste umfassende politikwissenschaftliche Monographie zum Thema Soziale Bewegungen verfasst, die Frank Nullmeier für Politik 100×100 besprochen hat. 1993 erschien seine Studie über Die Grünen. Wie sie wurden, was sie sind und 2007 (zusammen mit Ralf Tils) Politische Strategie. Eine Grundlegung.

Kai-Uwe Schnapp ist seit 2008 Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Methoden an der Universität Hamburg und langjähriger Programmdirektor des Fachgebiets Politikwissenschaft. Schnapp leitet seit 2010 das Projektbüro Angewandte Sozialforschung am Fachbereich Sozialwissenschaften. Eine Besprechung seiner Monographie Ministerialbürokratien in westlichen Demokratien. Eine vergleichende Analyse (2004) für Politik 100×100 ist in Vorbereitung.

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Jonas Barchfeld über Internationale Politische Theorie in Hamburg. Eine Diskussion von Antje Wieners ‘Kontestation’ und Peter Niesens ‘konstituierender Macht’

Internationale Politische Theorie ist ein neues Querschnittsgebiet der Politikwissenschaft, das im Schnittpunkt von Internationalen Beziehungen, Politischer Theorie und Völkerrecht verortet ist. An der Universität Hamburg ist Internationale Politische Theorie einer von zwei möglichen Schwerpunkten des Master-Studiums in Politikwissenschaft (neben den Vergleichenden und Regionalstudien). Antje Wiener und Peter Niesen haben sich bereits früh an den Diskussionen über die Herausbildung der Subdisziplin beteiligt, vgl. das Schwerpunktheft der Zeitschrift für Internationale Beziehungen.

Jonas Barchfeld hat in Osnabrück einen BA in Politikwissenschaft erworben. Er studiert im MA Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. „Jonas Barchfeld über Internationale Politische Theorie in Hamburg. Eine Diskussion von Antje Wieners ‘Kontestation’ und Peter Niesens ‘konstituierender Macht’“ weiterlesen

Fundstück: Winfried Steffani – Portrait

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Winfried Steffani erhielt 1967 als Nachfolger von Wilhelm Hennis, der das Institut für Politische Wissenschaft nach Freiburg verlassen hatte, einen Ruf an die Universität Hamburg. In seinen über zwanzig Jahren Forschung und Lehre in Hamburg konsolidierte er die Disziplin der Vergleichenden Regierungslehre am Institut. Und auch über den Universitätskontext hinaus war er ein außergewöhnlicher, allseits präsenter und breit honorierter Vertreter seines Faches. In diesem Fundstück erinnern wir an die Biographie Steffanis, eine Rezension von Florian Grotz zu Steffanis Standardwerk Parlamentarische und Präsidentielle Demokratie. Strukturelle Aspekte westlicher Demokratien ist bereits im vergangenen Jahr erschienen. „Fundstück: Winfried Steffani – Portrait“ weiterlesen

Podcast: Politischer Extremismus – Ergebnisse eines Praxisseminars

In dieser neuen podcast-Serie präsentieren wir die Ergebnisse des Vertiefungsseminars “Politischer Extremismus”, in dem sich Studierende vom Fachbereich mit verschiedenen Dimensionen von Extremismen beschäftigten. Die Studierenden steckten sich im Seminar einen Rahmen darüber ab, was bereits über Extremismus bekannt ist, was herausgefunden werden soll und welche Methoden sich dafür am besten eignen. Anschließend haben sich Kleingruppen in bestimmte Themenbereiche eingearbeitet, Forschungsfragen entwickelt und bearbeitet; die Ergebnisse der Kleingruppe werden in diesen Podcastfolgen aufbereitet.
Der Serie, die insgesamt sechs Projektarbeiten sowie einen ebenfalls im Seminarkontext entstandenen Dokumentarfilm vorstellt, wurde von Jonathan Deupmann konzipiert, produziert und moderiert.

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Fundstück: Martha Muchow – Portrait

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Martha Muchow war eine der prägendsten Persönlichkeiten der ersten Jahre universitärer Arbeit in Hamburg. Insbesondere ihre pädagogische und psychologische Arbeit zu Kindheit und Jugend und die enge Verbindung von Forschung und praktischer Ausbildungstätigkeit zeichneten sie aus. 1933 wird sie – vor allem aufgrund ihrer langjährigen Mitarbeit am psychologischen Institut von William Stern – aus der Universität gedrängt. In diesem Fundstück erinnern wir an ein politisches Leben. „Fundstück: Martha Muchow – Portrait“ weiterlesen

Fundstück: Walter Berendsohn – Portrait

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Der Germanist Walter Berendsohn gilt als Begründer der deutschen Exilliteraturforschung . Seine Arbeit begann in den 1920er-Jahren an der Hamburgischen Universität – im “Pferdestall”, dem heutigen Gebäude der Sozialwissenschaften an der Universität Hamburg. Sein Lebensmittelpunkt sollte nach Entlassung und Vertreibung aber Stockholm werden. Hier wurde er der Knotenpunkt deutscher Exilliteraturforschung, gründete eine internationale Koordinationsstelle und verhalf nebenbei Nelly Sachs und Willy Brandt zu ihren Nobelpreisen. In unserem nächsten Fundstück rekonstruieren wir Berendsohns mehrfaches “Exilleben”, dabei nicht zu vernachlässigen: die ebenfalls mehrfach unrühmliche Rolle der Hamburger Universität. „Fundstück: Walter Berendsohn – Portrait“ weiterlesen

Die neue Lust an der Barbarei: Jörg Ebrecht und Christine Hentschel über Max Miller und Hans-Georg Soeffner (Hg.), Modernität und Barbarei. Soziologische Zeitdiagnose am Ende des 20. Jahrhunderts (1996)

Max Miller war von 1992 bis zu seiner Emeritierung 2009 Inhaber des Lehrstuhls für Soziologische Theorien an der Universität Hamburg. Seither lehrt er an der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Die Schwerpunkte seiner Arbeit in Forschung und Lehre sind moderne Gesellschaftstheorien, Theorien eines kollektiven (diskursiven, systemischen) Lernens sowie Theorien der sozialen Evolution. Von 1995 bis 2000 war er Sprecher der Sektion Soziologische Theorien der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS).

Jörg Ebrecht, Diplomsoziologe, ist Studienkoordinator der Soziologie und Kriminologie an der Universität Hamburg. Christine Hentschel ist seit 2016 Professorin für Kriminologie, insbesondere Sicherheit und Resilienz.

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Marius Sältzer über Heike Klüver, Lobbying in the European Union (2013)

Heike Klüver hatte von 2015 bis 2016 den Lehrstuhl für Vergleichende Politikwissenschaft in Hamburg inne. Nach ihrer Promotion an der Universität Mannheim war sie Postdoc in Oxford, Juniorprofessorin in Konstanz und Professorin für Empirische Politikwissenschaft in Bamberg. Heute hält sie den Lehrstuhl für Politisches Verhalten im Vergleich an der Humboldt Universität zu Berlin.

Marius Sältzer ist seit 2017 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Mannheim und forscht zur Interaktion zwischen Politikern und ihren Parteien. Er hat Politikwissenschaft an der Universität Hamburg studiert und war von 2013 bis 2017 Tutor an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozial­wissenschaften. „Marius Sältzer über Heike Klüver, Lobbying in the European Union (2013)“ weiterlesen

Eine ‚Logik der Sache selbst’? Jörg Meyer über den „Hamburger Ansatz“ der Kriegsursachenforschung (Jung, Schlichte und Siegelberg 2003)

Der Hamburger Ansatz der Kriegsursachenforschung wurde in den 1990er Jahren von Jens Siegelberg, Dietrich Jung und Klaus Schlichte im Zusammenhang der von Klaus Jürgen Gantzel gegründeten „Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung“ (AKUF) entwickelt. Siegelberg arbeitet heute als Publizist und Consultant, Jung ist an der University of Southern Denmark in Odense und Schlichte an der Universität Bremen tätig.

Jörg Meyer ist seit 2008 Mitarbeiter am Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Hamburg.

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Eine Pionier*innenarbeit zur Frauengeschichte des Fachbereichs. Pia Christoph über Rafaela Borgwardt et al., Festung Fachbereich? (2002)

Die Hamburger Sozialwissenschaften gehören zu den wenigen Fachbereichen, deren Frauengeschichte in einer eigenen Fallstudie aufgearbeitet wurde. Der 2002 erschienene Sammelband »Festung Fachbereich?« analysiert die Institutionalisierung der Gleichstellungspolitik und den Partizipationsprozess von Frauen am bis 2000 bestehenden Fachbereich Philosophie und Sozialwissenschaften. Er wirft ein Schlaglicht auf die Situation von Frauen am ehemaligen Institut für Politische Wissenschaft und ruft die kreativen Aktionen feministischer Gruppen in Erinnerung, wie etwa die 1987 veröffentlichte „Fällt-Studie“ über die weitgehende Abwesenheit von Frauen in der Lehre. Der Beitrag beschreibt, wie es zu dieser Aufarbeitung der Fachbereichsgeschichte kam und rezensiert Aufsätze des Sammelbands, die für die Politikwissenschaft relevant sind.

Pia Christoph studiert am Fachbereich im Masterstudiengang Politikwissenschaft. „Eine Pionier*innenarbeit zur Frauengeschichte des Fachbereichs. Pia Christoph über Rafaela Borgwardt et al., Festung Fachbereich? (2002)“ weiterlesen

„Gibt es einen erlaubten Krieg?“ Oliver Vornfeld über Gerhard Beestermöller, Thomas von Aquin und der gerechte Krieg (1990)

Das Institut für Theologie und Frieden wurde 1978 in Hamburg gegründet und setzt sich in interdisziplinären Forschungsprojekten und Publikationen mit Fragen von Krieg, Friedensgefährdung und Frieden auseinander. In seiner umfangreichen Bibliothek sammelt es theologische und philosophische Literatur zum Thema Frieden. Als Einrichtung in der Trägerschaft der Militärseelsorge berät es die katholische Kirche in friedensethischen Fragen. Gerhard Beestermöller ist dem Institut seit 1984 verbunden. Zwischenzeitlich war der katholische Theologe stellvertretender Direktor, inzwischen ist er Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Instituts. Seit 2014 ist Beestermöller Professor für Moraltheologie und Sozialethik am Centre Jean XIII (Luxemburg). In seiner Dissertation rekonstruiert er den politiktheoretisch-ideengeschichtlichen Gehalt von Thomas von Auqins theologischem Hauptwerk.

Oliver Vornfeld studierte Soziologie und Religionswissenschaft und studiert Evangelische Theologie an der Universität Hamburg. 2019 wurde ihm der Förderpreis des Fördervereins des Fachbereichs Evangelische Theologie der Universität Hamburg für eine Arbeit über John Deweys Berufspädagogik verliehen.

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Thordis Reimer über Vera E. Troeger & Mariaelisa Epifanio, Bargaining over maternity pay: evidence from UK universities (2019)

Vera Troeger ist seit 2019 Professorin für Politikwissenschaft, insb. Vergleichende Regierungslehre/ Comparative Politics an der Universität Hamburg. Vorher war sie Professorin im wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereich der Universität Warwick in Großbritannien. Seit Oktober 2019 ist Vera Troeger Präsidentin der European Political Science Association (EPSA). Ihre Forschungsinteressen liegen in der vergleichenden Politischen Ökonomie und in quantitativen Methoden der Politikwissenschaft. In dem Forschungsprojekt „Maternity Benefits across UK HEIs“ (gefördert durch den ESRC, das CAGE Centre, die British Academy und den Leverhulme Trust) untersuchte sie zusammen mit Mariaelisa Epifanio und Thomas Scotto die Ursachen und den Einfluss von Leistungen im Rahmen der Elternzeit an britischen Hochschulen auf akademische Karrieren von Frauen.

Thordis Reimer ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Soziologie, insbesondere Ökologisierung und quantitative Methoden der Sozialforschung an der Universität Hamburg. Sie forscht zu Elternzeitregelungen, der Elternzeitnutzung durch Väter und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie ist Mitglied des International Network on Leave Policies & Research und Stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Universität Hamburg. „Thordis Reimer über Vera E. Troeger & Mariaelisa Epifanio, Bargaining over maternity pay: evidence from UK universities (2019)“ weiterlesen

Dina Delgado über Andreas Busen und Alexander Weiß (Hg.), Ansätze und Methoden zur Erforschung politischen Denkens (2013)

Andreas Busen und Alexander Weiß gehören zu den wichtigen Stimmen in der neueren Debatte über die Methoden der Politischen Theorie und Ideengeschichte. Andreas Busen ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Europa und Moderne, Universität Hamburg. Zuvor studierte er in Augsburg und am Nuffield College (Universität Oxford). Im Jahre 2016 promovierte Busen mit einer Arbeit mit dem Titel Solidarität und die Verwirklichung von Freiheit und Gleichheit. Zur Bedeutung eines vernachlässigten Konzepts in der politischen Theorie und Praxis an der Universität Hamburg. Alexander Weiß hat mit einer Arbeit zur Theorie der Parlamentsöffentlichkeit in Göttingen promoviert und sich 2017 an der Universität Hamburg, wo er als langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Politischen Theorie tätig war, mit Schriften zur Vergleichenden Demokratietheorie habilitiert. Mit Sophia Schubert gab er ein PVS-Sonderheft zu Demokratie jenseits des Westens heraus. Weiß ist Mitgründer und Sprecher der Themengruppe „Transkulturell vergleichende Politische Theorie“ in der DVPW.

Dina Delgado, studiert an der Universität Hamburg Politikwissenschaft im Bachelor. Ihr besonderes Interesse gilt der normativen politischen Theorie.

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Bernd Ladwig über Jan Philipp Reemtsma, Mehr als ein Champion. Über den Stil des Boxers Muhammad Ali (2013)

Jan Philipp Reemtsma lehrt Neuere Deutsche Literatur an der Universität Hamburg und ist Gründer des Hamburger Instituts für Sozialforschung, dessen Direktor er von 1990 bis 2015 war. Der exzellente Kenner der Werke von Christoph Martin Wieland und Arno Schmidt ist zugleich ein Gewaltforscher. Seine Studie Vertrauen und Gewalt. Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne hat Bernhard Koch für 100 x 100 besprochen.

Bernd Ladwig ist Professor für Politische Theorie und Philosophie am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Er wurde 1999 an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Arbeit zur Gerechtigkeitstheorie promoviert. Zu seinen weiteren Arbeitsgebieten gehört die Philosophie der Menschenrechte. Im kommenden Jahr erscheint seine Politische Philosophie der Tierrechte. „Bernd Ladwig über Jan Philipp Reemtsma, Mehr als ein Champion. Über den Stil des Boxers Muhammad Ali (2013)“ weiterlesen

Politische politische Theorie aus Hamburg. Svenja Ahlhaus über Udo Bermbach, Demokratietheorie und politische Institutionen (1991)

Udo Bermbach war von 1971 bis 2001 Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Hamburg und gehört zu den Gründern der Sektion für Politische Theorie und Ideengeschichte in der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft. Sein Aufsatzband Demokratietheorie und politische Institutionen erschien 1991.

Svenja Ahlhaus ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Politische Theorie an der Universität Hamburg. Sie wurde 2018 mit einer Arbeit zum Thema „Die Grenzen des Demos. Mitgliedschaftspolitik aus postsouveräner Perspektive“ promoviert. Die Arbeit wurde 2019 von der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung mit dem Werner-von-Melle-Preis ausgezeichnet. „Politische politische Theorie aus Hamburg. Svenja Ahlhaus über Udo Bermbach, Demokratietheorie und politische Institutionen (1991)“ weiterlesen

Nur die Kunst selbst kann Leben spenden. Marcel Bub über Udo Bermbach, Der Wahn des Gesamtkunstwerks – Richard Wagners politisch-ästhetische Utopie (1994)

Udo Bermbach (*1938) war von 1971 bis 2001 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. Als Parlamentarismus-Spezialist nach Hamburg berufen, deckte Bermbach bald die Politische Theorie, insbesondere die Demokratietheorie, sowie die Politische Ideengeschichte ab. Nach seiner Emeritierung widmete sich Bermbach in zahlreichen Monographien der ideengeschichtlichen Rekonstruktion von Richard Wagners Idee des „Gesamtkunstwerks“. Unser Blog 100×100 würdigt neben seinen Verdiensten in der Gründung der Sektion für Politische Theorie auch Bermbachs Schriften zur Demokratietheorie.

Marcel Bub studiert seit 2017 Politikwissenschaft im Bachelor am Fachbereich an der Universität Hamburg. Seit einigen Jahren zieht es ihn regelmäßig in Konzert-, Theater- und Opernhäuser. „Nur die Kunst selbst kann Leben spenden. Marcel Bub über Udo Bermbach, Der Wahn des Gesamtkunstwerks – Richard Wagners politisch-ästhetische Utopie (1994)“ weiterlesen

Habent sua fata libelli – auch Bücher haben ihr Schicksal. Dorothea Frede über Bruno Snell, Die Entdeckung des Geistes (1946)

Der[1] Altphilologe Bruno Snell (1896-1986) prägte den Wiederaufbau der Universität in den Nachkriegsjahren, unter anderem als Universitätsrektor zwischen 1951 und 1953. Sein bedeutendstes Buch, Die Entdeckung des Geistes von 1946 stellte nach dem Zivilisationsbruch des Nationalsozialismus den geistesgeschichtlichen Zusammenhang mit der europäischen Philosophie und Wissenschaft wieder her. 1935 hatte Snell seine Gegnerschaft gegenüber dem Nationalsozialismus in einer gelehrten Miszelle über die unterschiedlichen Weisen, in denen natürliche Sprachen den Ruf von Eseln nachahmen, zum Ausdruck gebracht. Snell erklärte dort, dass die Esel der Antike stets verneinen, während die deutschen Esel immer „j-a“ sagen.

Dorothea Frede ist emeritierte Professorin für die Philosophie der Antike. Vor ihrer Zeit an der Universität Hamburg (1991-2006) hatte sie Professuren am Swarthmore College und der Rutgers Universität inne. Gastprofessuren führten Sie nach Stanford, Berkeley und Princeton. Frede hat Standardwerke zu Platon und Aristoteles verfasst, aber auch Aufsätze zu Heidegger und Cassirer. Für Studierende der Politikwissenschaft von besonderem Interesse: Aristotle on Citizenship (2005). „Habent sua fata libelli – auch Bücher haben ihr Schicksal. Dorothea Frede über Bruno Snell, Die Entdeckung des Geistes (1946)“ weiterlesen

Die Wissenschaft entkoppelter Politik. Falk Daviter über Friedbert Rüb, Policy-Analyse unter den Bedingungen von Kontingenz (2008)

Friedbert Rüb war von 2003 bis 2009 Professor für Regierungslehre, insbesondere Policy-Analyse, an der Universität Hamburg, bevor er in der Nachfolge von Claus Offe den Ruf auf eine Professur für Politische Soziologie und Sozialpolitik am Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin annahm und hier bis zu seiner Emeritierung 2018 forschte und lehrte. Neben seiner Beschäftigung mit sozialpolitischen Transformationsprozessen verfasste Friedbert Rüb zentrale Beiträge in der Wissenspolitologie.

Falk Daviter hat am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz mit einer Arbeit zum Policy Framing in the European Union (Berlin 2011) promoviert. Nach Stationen an der Universität Potsdam, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Universität Hamburg vertritt er zurzeit eine Professur am Institut für Politikwissenschaft der Leuphana Universität Lüneburg. „Die Wissenschaft entkoppelter Politik. Falk Daviter über Friedbert Rüb, Policy-Analyse unter den Bedingungen von Kontingenz (2008)“ weiterlesen

Nicole Drude über Peter Reichel, Vergangenheitsbewältigung in Deutschland: Die Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur in Politik und Justiz (2007)

Peter Reichel ist Professor für Politische Wissenschaft im Ruhestand. Reichel hat von 1983 bis 2007 Historische Grundlagen der Politik am Institut für Politikwissenschaft der Universität Hamburg gelehrt. Er lebt als freier Autor in Berlin. Sein Arbeitsgebiet ist die politische Kulturgeschichte Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert, mit den thematischen Schwerpunkten Erinnerungskultur, Architektur, politische Symbolik, Film, Recht und Demokratieentwicklung. 2005 erschien (gemeinsam mit Harald Schmid): Von der Katastrophe zum Stolperstein. Hamburg und der Nationalsozialismus nach 1945.

Nicole Drude studiert Politikwissenschaft im BA im 3. Semester.

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Gerhard Göhler über Udo Bermbach, die DVPW und die Gründung der Theorie-Sektion

Udo Bermbach (*1938) war seit 1971 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. Als Parlamentarismus-Spezialist nach Hamburg berufen, deckte Bermbach bald die Politische Theorie, insbesondere die Demokratietheorie, sowie die Politische Ideengeschichte ab, mit einem Schwerpunkt auf dem in Deutschland wenig beachteten britischen Liberalismus. Nach einem Aufenthalt am Wissenschaftskolleg Berlin wurde Bermbach 2001 emeritiert. Seither widmet er sich in zahlreichen Monographien der ideengeschichtlichen Rekonstruktion von Richard Wagners Werk. Zuletzt erschien der von Bermbach edierte Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und Dolf Sternberger. Politik 100 x 100 publizierte seine Laudatio zur Verleihung der Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Sozialwissenschaften an Jürgen Habermas. Beiträge zu Bermbachs Demokratietheorie und seiner Wagner-Rezeption sind ebenfalls erschienen.

Gerhard Göhlers Beitrag würdigt Bermbachs institutionelle und forschungsstrategische Initiative für die Politische Theorie aus der Perspektive eines Beteiligten und Mitstreiters. Gerhard Göhler war von 1972 bis 2006 Professor für Politikwissenschaft am Otto Suhr-Institut der Freien Universität Berlin, von 1978 an zuständig für die Politische Theorie und Ideengeschichte. Göhler hat eine Reihe einflussreicher Arbeiten über Macht und Institutionen publiziert, u. a. Institution – Macht – Repräsentation. Wofür politische Institutionen stehen und wie sie wirken (Hg., 1997). Keine Vorlesung über den Begriff politischer Macht ist komplett ohne seinen klassischen Artikel „Macht“ (in: G. Göhler, M. Iser, I.Kerner (Hg.): Politische Theorie. 25 umkämpfte Begriffe, 2. Aufl. 2011).

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Andreas von Staden über Katharina Holzinger et al.: Environmental Policy Convergence in Europe (2008)

Seit Oktober 2007 ist Katharina Holzinger Professorin für Internationale Politik und Konfliktforschung an der Universität Konstanz. Ihren ersten Ruf auf eine unbefristete C 4-Professur erhielt sie davor von der Universität Hamburg, wo sie von April 2004 bis September 2007 wirkte. In diesen Zeitraum fiel auch der Großteil eines EU-Drittmittelprojekts zur Erforschung von länderübergreifender Konvergenz im Bereich nationaler Umweltschutzpolitiken. Projektpublikationen erschienen u.a. in International Organization und im Journal of European Public Policy. Hauptprodukt des Projekts ist der zusammen mit Christoph Knill und Bas Arts herausgegebene Band Environmental Policy Convergence in Europe: The Impact of International Institutions and Trade (Cambridge University Press, 2008), in dem Katharina Holzinger bei sechs von acht Beiträgen als Koautorin verantwortlich zeichnet.

Andreas von Staden, Ph.D. (Princeton), ist Juniorprofessor für Politikwissenschaft, insbesondere Global Governance, an der Universität Hamburg und Mitglied der Leitungsteams der ECPR Standing Group on International Relations und der ECPR Standing Group on Law & Courts. Bevor er an die Universität Hamburg wechselte, war er Assistenzprofessor an der Universität St. Gallen und davor wissenschaftlicher Mitarbeiter im Exzellenzcluster Normative Ordnungen an der TU Darmstadt. Im vergangenen Jahr erschien Strategies of Compliance with the European Court of Human Rights: Rational Choice within Normative Constraints (University of Pennsylvania Press), das Elvira Rosert für den Blog 100 x 100 besprochen hat. „Andreas von Staden über Katharina Holzinger et al.: Environmental Policy Convergence in Europe (2008)“ weiterlesen

Politische „Wertungssicherheit“ als Kernaufgabe politischer Bildung. Tilman Grammes über Hans-Hermann Hartwich in der politischen Bildung

Hans-Hermann Hartwich hatte von 1973 bis 1995 den Lehrstuhl für Innenpolitik an der Universität Hamburg inne. Hartwichs besonderes Interesse galt neben der fachlichen Organisation der Politikwissenschaft, die Rainer Schmalz-Bruns für unseren Blog Politik 100×100 zusammenfasste, der Lehrerbildung in den sozial­wissen­schaft­lichen Fächern. Prof. Dr. Dr. h.c. Hans-Hermann Hartwich starb am 12. Oktober 2018, wenige Wochen vor seinem 90. Geburtstag.

Tilman Grammes ist Professor für die Didaktik sozialwissenschaftlicher Fächer an der Universität Hamburg. Nach Stationen an der Universität Passau und der Technischen Universität Dresden nahm er 1997 den Ruf nach Hamburg an. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Demokratiepädagogik und die Aufarbeitung der politikdidaktischen Klassikerinnen und Klassiker. Von 1992-1997 war Tilman Grammes Mitherausgeber der Zeitschrift Gegenwartskunde.

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Männerbündelei ohne Patriarchat? Carmen Puchinger über Stefan Breuer, Anatomie der Konservativen Revolution (1993)

Stefan Breuer war nach Promotion und Habilitation als Professor für Soziologie, zunächst an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP) und dann am Department Wirtschaft und Politik (DWP), welches wiederum im Jahre 2009 zum Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg wurde, tätig. Bis zu seiner Emeritierung 2014 forschte er insbesondere zur politischen Rechten zwischen 1871 und 1945.

Carmen Puchinger ist Masterstudentin der Politikwissenschaft mit politiktheoretischem Schwerpunkt. Ihr Beitrag erreicht uns aus Bologna, wo sie an der Alma Mater Studiorum – Università di Bologna ihr Auslandssemester absolviert.

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Ein methodologisches Manifest. Vincent August über Wolfgang Knöbl und Thomas Hoebel, Gewalt erklären! Plädoyer für eine entdeckende Prozesssoziologie (2019)

Wolfgang Knöbl hat 2015 die Leitung des Hamburger Instituts für Sozialforschung (HIS) von Jan Philipp Reemtsma übernommen. Verbunden sind beide durch ihr langjähriges Interesse an der Erforschung von Gewalt. Von 2002 bis 2015 hatte Wolfgang Knöbl eine Professur für Soziologie an der Universität Göttingen inne, seit 2017 an der Leuphana Universität Lüneburg. Für den Blog Politik 100×100 besprach er die beiden Habilitationsschriften von Siegfried Landshut, nach dem das HIS einen Wissenschaftspreis benannt hat. In dem neuen Buch Gewalt erklären! legt Knöbl zusammen mit Thomas Hoebel eine methodologische Kritik der Gewaltforschung vor, die die zukünftige Forschung anleiten soll.

Vincent August ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Theorie der Politik der Berliner Humboldt-Universität. Er war Gastwissenschaftler am WZB und an der UC Berkeley und hat über den Aufstieg von Netzwerk-Ideen in den politischen Theorien und Praktiken westlicher Gesellschaften promoviert. Aktuell erscheint bei Springer VS ein Band, den er gemeinsam mit Fran Osrecki herausgibt: Der Transparenz-Imperativ.

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Fundstück: Hans-Peter Schwarz – Portrait

Bildnachweis: KAS/Harald Odehnal

Hans-Peter Schwarz war nach Siegfried Landshut und Wilhelm Hennis der dritte Inhaber eines ‘Lehrstuhls für die Wissenschaft von der Politik’ an der Universität Hamburg. Insgesamt acht Jahre forschte und lehrte er in der Hansestadt, als erster Professor befasste er sich dabei explizit mit Phänomenen der Außenpolitik und der Internationalen Beziehungen. Mit diesem Archivfundstück schauen wir zurück auf das wissenschaftliche wie politische Wirken von Schwarz, außerdem auf einige, heute aktueller denn je erscheinende Kontroversen. „Fundstück: Hans-Peter Schwarz – Portrait“ weiterlesen

Praxisaffine Theoriebildung. Oliver Krüger über Thomas Schramme, Gerechtigkeit und soziale Praxis (2006)

Thomas Schramme ist Professor für Philosophie an der Universität Liverpool. Von 2009 bis 2016 hatte er die Professur für Praktische Philosophie an der Universität Hamburg inne. Schramme gehört zu den Gründungsfiguren des jüngst genehmigten DFG-Graduiertenkollegs „Kollektives Entscheiden“ an der Universität Hamburg. Nach Stationen in Frankfurt am Main, Oxford und Berlin wurde er 2004 an der Universität Mannheim habilitiert und war ab 2005 an der Universität Swansea tätig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen vor allem in der Medizinethik und in der Politischen Philosophie. Für die Politische Theorie liegt in seinen Arbeiten eine methodische Provokation, da seine Theoriebildung auf den in der jeweiligen Bevölkerung vorliegenden Gerechtigkeitsüberzeugungen aufbaut.

Oliver Krüger arbeitet als Wissenschaftlicher Mitarbeiter mit dem Schwerpunkt Lehre für Sozialwissenschaften und Ethik an der Medical School Hamburg. Seine Hamburger Dissertation ist jüngst unter dem Titel Das Gute im Sozialen. Eine perfektionistische Grundlegung des Sozialstaats (Campus, 2019) erschienen. „Praxisaffine Theoriebildung. Oliver Krüger über Thomas Schramme, Gerechtigkeit und soziale Praxis (2006)“ weiterlesen

Fundstück: Wilhelm Hennis – Portrait

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Eine Geschichte der Politikwissenschaft in Nachkriegsdeutschland zu schreiben ohne Wilhelm Hennis zu erwähnen, scheint unmöglich. An den zahlreichen Forschungsbeiträgen, öffentlichen Interventionen und politischen Aktivitäten des Wissenschaftlers ist kein Vorbeikommen. Eine der zahlreichen Stationen auf seinem Werdegang war dabei die Universität Hamburg. Nach Siegfried Landshut war Wilhelm Hennis von 1962 bis 1967 der zweite Inhaber eines Lehrstuhls für Politische Wissenschaft am Institut. Mit diesem Fundstück – einem der wenigen Bilder aus Hennis‘ Hamburger Zeit – schauen wir auf sein Leben und Wirken zurück. Eine Rezension von Andreas Anter zu einer seiner in Hamburg erschienen Schriften Richtlinienkompetenz und Regierungstechnik ist bereits zu Beginn des Jahres auf diesem Blog erschienen. „Fundstück: Wilhelm Hennis – Portrait“ weiterlesen

Universalgenie als Privatdozent. Matthew Braham über John von Neumann, Begründer der Spieltheorie

Das Werk des Mathematikers John von Neumann hat in der Wirtschafts- und Politikwissenschaft tiefe Spuren hinterlassen. von Neumann war im Sommersemester 1929 als Dozent an der Universität Hamburg tätig. Noch im selben Jahr nahm er eine Einladung nach Princeton an, wo er die folgenden Jahre lehrte und gemeinsam mit Oskar Morgenstern das Buch The Theory of Games and Economic Behavior (1944) verfasste. Unser Beitrag bietet einen Crash-Kurs in Spieltheorie und führt in ihre militärischen und politischen Rahmenbedingungen ein.

Matthew Braham ist seit 2017 Professor für praktische Philosophie an der Universität Hamburg. Seine Publikationen sind in Erkenntnis, Mind und dem Journal of Philosophy erschienen. Bevor er in Groningen und später Bayreuth Professuren übernahm, arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent im Fachbereich Volkswirtschaftslehre der Universität Hamburg. Dort war Matthew Braham (zusammen mit Manfred J. Holler) einer der Erfinder und Wegbereiter des Hamburger Masterstudiengangs in Politics, Economics and Philosophy (PEP). „Universalgenie als Privatdozent. Matthew Braham über John von Neumann, Begründer der Spieltheorie“ weiterlesen

Sven Bohnstedt über Michael Th. Greven, Systemopposition – Kontingenz, Ideologie und Utopie im politischen Denken der 1960er Jahre (2011)

Michael Thomas (Th.) Greven (1947-2012) war von 1995 bis 2012 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg, zunächst mit dem Schwerpunkt Regierungslehre, ab 2004 mit dem Schwerpunkt Politische Theorie. Er war von 1994-1997 Vorsitzender der DVPW und stand von 2006-2011 ihrer Ethik-Kommission vor. Seine Arbeitsgebiete reichten von der kybernetischen Systemtheorie, zu der er 1976 seine Paderborner Habilitationsschrift verfasste, über die Parteienforschung bis zur Frage, ob sich demokratisches Regieren auch jenseits des Staates werde einrichten lassen. Zu seinem 65. Geburtstag gaben seine Hamburger Kolleginnen, Mitarbeiterinnen und Schülerinnen Olaf Asbach, Rieke Schäfer, Veith Selk und Alexander Weiß eine Festschrift unter dem Titel Zur kritischen Theorie der politischen Gesellschaft heraus. In Politik100x100 berichtete Rainer Tetzlaff über den Protest gegen die Verleihung der Ehrendoktorwürde an den russischen Präsidenten Wladimir Putin, den Michael Th. Greven organisierte. Eine Würdigung seines Hauptwerks Die politische Gesellschaft ist in Vorbereitung.

Sven Bohnstedt hat in Wien und Hamburg Politikwissenschaft studiert und seinen M.A. mit einer Arbeit über Kritik und Utopie im politischen Denken in Nachkriegsdeutschland abgeschlossen. Seine Bachelorarbeit mit dem Titel Feminismus und Essentialismus. Eine femi­nistische Analyse der Frauenquote anhand der Theorien von Catharine MacKinnon, John Stuart Mill & Harriet Taylor Mill und Chantal Mouffe wurde mit dem Genderpreis der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ausgezeichnet.

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Oliver Merschel über Ursula Schröder, The Organization of European Security Governance: Internal and external security in transition (2011)

Prof. Dr. Ursula Schröder leitet seit 2017 das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH). Gleichzeitig ist sie Professorin für Politikwissenschaft, insbesondere für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, und lehrt im BA und MA Politikwissenschaft der Universität Hamburg und im Master Peace and Security Studies des IFSH. Sie forscht zum Wandel und zur Verflechtung staatlicher und überstaatlicher Sicherheitsordnungen. 2018 gab sie unter anderem ein Sonderheft der Zeitschrift Cooperation and Conflict zur Dezentrierung der Forschung zu internationalen Interventionen heraus und veröffentlichte den Artikel „Security“ im Oxford Handbook of Governance and Limited Statehood. Das besprochene Werk ging aus ihrer Dissertation am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz hervor.

Oliver Merschel studiert im MA Politikwissenschaft mit einem Studienschwerpunkt in IB-Theorie. „Oliver Merschel über Ursula Schröder, The Organization of European Security Governance: Internal and external security in transition (2011)“ weiterlesen

Stephanie Jänsch über Andreas Grimmel und Cord Jakobeit (Hg.): Regionale Integration. Erklärungsansätze und Analysen zu den wichtigsten Integrationszusammenschlüssen in der Welt (2015)

Cord Jakobeit ist seit 2001 Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Hamburg. Von 2015 bis 2019 war er Prodekan für Internationalisierung, später für Forschung, an der WiSo-Fakultät, seit Mai 2019 ist er Dekan der Fakultät. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen neben der Regionalismusforschung Entwicklungstheorien, insbesondere im Hinblick auf Afrika. Mit Rainer Tetzlaff publizierte er 2005 Das nachkoloniale Afrika.
Andreas Grimmel ist Privatdozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Internationale Beziehungen. Gemeinsam mit Cord Jakobeit veröffentlichte er Politische Theorien der europäischen Integration (2009). Gerade erschien seine IB-theoretische Habilitationsschrift unter dem Titel Kontextualismus. Grundlagen und Anwendungsfelder in Politik und Recht.

Stephanie Jänsch hat im MA Politikwissenschaft am Fachbereich studiert. Mittlerweile ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG Sub-Forschungsprojekt “Management of Interface Conflicts in African Security Governance” der Gruppe “Overlapping Spheres of Authority and Interface Conflicts in the Global Order” (OSAIC).


„Regionale Integration bestimmt heute nicht nur das Verhältnis und die Beziehungen zwischen Staaten und ihren Akteuren und somit einen bedeutenden Teil der internationalen Politik. Auch das Leben in den jeweiligen Zusammenschlüssen wird zunehmend durch regionale Integrationsprojekte geprägt“.[1]

Mit diesen Worten beginnen die Herausgeber Andreas Grimmel und Cord Jakobeit ihr Buch Regionale Integration aus dem Jahr 2015. Sie erläutern mit dieser Einleitung, warum die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit aktuellen Integrationsprozessen und ihren regionalen Diversitäten hochgradig relevant ist. Der Sammelband widmet sich hierbei zunächst theoretischen Perspektiven auf Integration, um dann völkerrechtliche und ökonomischen Grundlagen zu beleuchten. Hierfür definieren die Herausgeber im ersten Schritt, welche Prozesse von den Autor:innen als Integration diskutiert werden. Obwohl Grimmel und Jakobeit die Komplexität der Begrifflichkeit und etwaige Schwierigkeiten der Konzeptualisierung nicht genauer diskutieren, schlagen sie eine grundlegende Definition vor, nach welcher (regionale) Integration als „Zusammenschlüsse“ verstanden werden sollen, die „nicht nur einen geografischen Raum umfassen, sondern vor allem auch auf Dauerhaftigkeit und Fortentwicklung (Anpassung oder sogar Erweiterung und Vertiefung) ausgerichtet sind“ (11). Hierauf aufbauend betonen sie, dass die folgenden Kapitel Integration „nicht allein in seiner statischen Dimension (als Zustand)“ (ebd.) erfassen, sondern vielmehr die kontextabhängige Prozesshaftigkeit von Integration ausarbeiten und beleuchten werden.

Diese Perspektive steht zum Teil im Widerspruch mit einigen der theoretischen Strömungen, die Jürgen Rüland und Andreas Grimmel im ersten Kapitel des Buches skizzieren. Dies gilt besonders für „ältere“ Ansätzen, die die europäische Integration ab Mitte des 20. Jahrhunderts zum zentralen Forschungsobjekt haben. Während beide Autoren vorweg die Ursprünge der Integrationsforschung im Funktionalismus und Intergouvernmentalismus beleuchten, stellen sie in einem zweiten Schritt aktuellere Strömungen des „Neuen Regionalismus“, der Vergleichenden Regionalforschung sowie konstruktivistische Ansätze beispielsweise aus der Normenforschung vor. Diese „neueren“ Perspektiven versuchen die vormalige Zentrierung auf Phänomene europäischer Integration zu überwinden und Integration vielmehr als einen globalen Prozess mit kontextspezifischen, regionalen Varianzen zu denken. Rüland und Grimmel reflektieren hierbei beispielsweise die Herausforderung der zahlreichen Bestrebungen den Begriff der „Region“ konzeptionell zu definieren. Sie kritisieren, dass einige Autor:innen der vergleichenden Regionalstudien Gefahr laufen „Äpfel mit Birnen zu vergleichen“ (37), da der Begriff der „Region“ an sich und seine definitorische Abgrenzungen zu anderen Konzepten wie der „Metaregion“ häufig unscharf bleibt (ebd.). Vor diesem Hintergrund schließt das Kapitel mit einem Appell, in welchem die Autoren betonen, dass es zur Weiterentwicklung bestehender Theorien und Ausarbeitung neuer Ansätze wichtig sei, „die ‚richtigen‘ Fragen zu stellen“ (45). Dies erfordere sowohl theoretische Perspektiven als auch konzeptionelle Definitionen stets unter fortlaufendem Rückbezug auf konkrete empirische Realitäten weiterzuentwickeln oder neu zu formulieren (ebd.).

Während Karsten Nowrot und Heribert Dieter in ihren Kapiteln im ersten Teil des Bandes jeweils die völkerrechtlichen sowie ökonomischen Grundlagen von regionaler Kooperation und Integration skizzieren, spiegeln die Analysen der empirischen Integrationsprojekte deren Heterogenität wider. Autor:innen wie Katharina Hoffmann, Rainer Tetzlaff und Wolfgang Muno setzen in ihren Beiträgen den Schwerpunkt auf empirische Fallstudien regionaler Integration in Europa, Asien, Afrika und den Amerikas. Während sich die ersten Kapitel mit europäischen Erfahrungen wie der „Europäischen Union“ (Florian Grotz und Angelika Kretschmer) auseinandersetzen, werden im Anschluss Beispiele aus Asien wie die “Golf-Kooperation“ (Leonie Holthaus) diskutiert. Es folgen fünf Organisationen aus Afrika, wobei die „Arabische Liga“ (Anja Zorob), womöglich auf Grund ihrer geographischen Schnittstelle zwischen Asien und Afrika, den Anfang macht. Die hieran anschließenden Auseinandersetzungen mit zahlreichen Beispielen aus den Amerikas schließen sowohl das „Nordamerikanische Freihandelsabkommen“ (Thomas Greven), sowie regionale Integrationsprozesse aus Mittel- und Südamerika, wie die „Karibische Gemeinschaft“ (Peter Thierry), ein. Hierbei eröffnen die verschiedenen Autor:innen einen individuell gestalteten, historisch informierten und durchaus von den jeweiligen Disziplinen geprägten Einblick in die vielseitigen Projekte.

Der darauffolgende Ausblick betont die empirische Vielfalt von Integration erneut. Ziehe man diese Diversität in Betracht sei laut Grimmel und Jakobeit jeglicher Ansatz, in welcher die EU als Vorbild regionaler Integrationsprozesse weltweit betrachtet werde, ein Zeichen von „Engstirnigkeit“ (436) und könnte deshalb für die Weiterentwicklung von Integrationstheorien „mehr Schaden als Nutzen anrichten“ (439). Vielmehr sei es angebracht, diesen Blickwinkel auf Integration kritisch zu hinterfragen und anzupassen. Entsprechend könnte europäische Integration als eine von vielen Manifestationen regionalspezifischer Integrationsprozesse gedacht und differenziert beleuchtet werden. Dieser Ansatz und weitere theoretische Grundannahmen, welche „alte“ Logiken des Realismus beziehungsweise Liberalismus überwinden, öffnen die Türen für neue Perspektiven, die nicht nur historische kontextspezifische Erfahrungen vermehrt in den Vordergrund rücken, sondern auch nicht-staatliche Akteure stärker einbeziehen. Diese „neue Differenzierung“ (437), die den Erkenntnisgewinn über regionale Integrationsprozesse und ihr tiefergehendes Verständnis in den Mittelpunkt stelle, erkenne diese Komplexitäten und Vielschichtigkeiten von Integration an und eröffne den Raum für neue Fragen und neue Debatten.

Trotz der Vielzahl neuer Perspektiven auf Integration stellen Jakobeit und Grimmel in gewisser Weise anklagend fest, dass wissenschaftliche Debatten über Integration obgleich der theoretisch-konzeptionellen Öffnungen noch immer ein Elitenprojekt seien, in welchem sich die wissenschaftliche Forschung in „Isolation“ befindet: „Über die Interpretation, Analyse und Deutung von Integrationsprozessen debattiert eine transnationale Forschungselite, wohingegen die Lebenswelten der Menschen in den diversen Integrationsräumen weitgehend außen vor bleiben“ (437). Vor diesem Hintergrund formulieren die Autoren abschließend die Forderung, „partizipatorische Formen des Regionalismus stärker in den Mittelgrund zu rücken“ (439) um die alten, und in gewisser Weise fehlleitenden, Gräben zu überwinden und Integration vielschichtiger zu denken.

In diesem Kontext biete der Sammelband Regionale Integration einen grundlegende Überblick über Integrationsprozesse, der den Leser:innen die Diversität empirischen Realitäten näherbringt und gleichzeitig einen Einblick in regionale Integrationsprozesse gewährt. Dennoch scheinen sich die Autor:innen in einigen Passagen in Widersprüchlichkeiten zu verlieren. So steht beispielsweise Grimmels und Jakobeits Klage der „Engstirnigkeit“ mit welcher die Europäische Union (EU) häufig als Vorbild für weltweite Integrationsprozesse angesehen wurde (436), in Kontrast zu ihrer darauffolgenden Einschätzung, nach welcher die europäische Erfahrung zwar nicht zu generalisieren sei, eine Übertragung in gewissem Maße aber dennoch erfolgen könne (12).

Die einleitende Ausdifferenzierung des politischen Spektrums der einzelnen Integrationsprojekte, in welcher laut Grimmel und Jakobeit die EU auf Grund ihres hohen Maßes an Ausdifferenzierung und ihren supranationalen Institutionen eine besondere Rolle einnehme, sowie die Anmerkung, dass die im Sammelband vorgestellten Integrationsprojekte kaum „eine der europäischen Einigung vergleichbare Entwicklung erwarten“ (9) und die EU noch immer für viele als „Inbegriff gelungener regionaler Integration“ (10) gesehen wird, sind starke Indizien dafür, dass europäische Erfahrungen allgemein und die EU im Speziellen noch immer als primäre Referenzpunkte verstanden werden. Gerade die Betonung der Grenzen der Übertragbarkeit und des normativem Rückbezugs, welche die Autoren betonen, suggeriert gleichzeitig, dass diese Perspektive grundlegend bis zu eben jener Grenze sinnhaft und gewinnbringend sei.

Der starke Rückbezug auf die EU manifestiert sich auch in einigen Diskussionen der regionalen Fallbeispiele des Sammelbands. So schlussfolgert Peter Thiery in seinem Kapitel über die „Karibische Gemeinschaft“ (CARICOM) in Bezug auf den „Karibischen Gerichtshof“, dass das supranationale Gericht „bis heute (noch) nicht die Bedeutung des EuGH erlangt“. Dies sei in dem Umstand begründet, dass es der CARICOM an einer „treibenden Kraft analog zur EU-Kommission“ (366) fehle. Woraus sich dieser Anspruch ableitet, also ob es sich hierbei um ein politisch formuliertes Ziel der regionalen Akteure oder um einen von diesen Akteuren entkoppelten wissenschaftlich-analytischen Vergleich handelt, bleibt an dieser Stelle offen.

Ohne Zweifel beinhaltet das Bestreben, spezifische politische Kontexte regionaler Integration auf differenzierte Weise zu erschließen auch ein tieferes Verständnis der Akteure innerhalb dieser Prozesse. Ein Großteil der Analysen im Sammelband bezieht sich hierbei primär auf staatliche Akteure und ihr Wirken in regionalen Integrationsprozessen. Wenn Grimmel und Rüland in ihrem Theorie-Kapitel mit Verweis auf Björn Hettne auf die tragende Rolle nicht-staatlicher Akteure für Integrationsprozesse hinweisen, ist dies eine wichtige Bemerkung, die unseren analytischen Blickwinkel erweitern könnte. Wenn beide Autoren dann allerdings in Rückbezug auf Frederik Söderbaum vermeintlich daran „erinnern“, dass es sich bei nicht-staatlichen Akteure in Sub-Sahara Afrika zuweilen um „von Warlords beherrschte mafia-ähnliche Strukturen“ (35) handle, scheint dies nicht empirische Realitäten differenziert aufzuarbeiten, sondern vielmehr zu verzerren. Ähnlichen Narrativen folgend, beschreibt Tetzlaff die politische Führung Nigerias als „raffgierige außergesetzliche Militärregierungen“ innerhalb einer „insgesamt inkompetenten und dazu korrupte[n] Staatsklasse“ (275). Inwiefern diese abwertende Generalisierung zu einem tieferen Verständnis der regionalen Partikularitäten der „Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft“ (ECOWAS) beitragen kann und überdies unseren wissenschaftlich-analytischen Blick auf regionale Heterogenität schärft, steht zur Diskussion.

Ähnliche Argumentationen finden sich in Tetzlaffs Analyse der „Afrikanischen Union“ (AU), Afrikas größter Regionalgemeinschaft. In diesem Kontext stellt Tetzlaff fest, dass die „Zahlungsmoral“ der afrikanischen Mitgliedsstaaten „traditionell schlecht“ (242) sei – allerdings ohne die Hintergründe dieser so genannten fehlenden „Moral“ zu beleuchten. Dieses Versäumnis schließt leider eine fundierte Diskussion über die strukturellen Besonderheiten der AU und die damit verbundenen Handlungsräume aus. Darüber hinaus stellt Tetzlaff fest, dass die Doppelmitgliedschaften von einigen Staaten in verschiedenen regionalen Zusammenschlüssen ein „immer noch aktuelles Problem“ (243) darstellen – ohne hierbei genauer auszuführen, worin die vermeintlichen Schwierigkeiten liegen und welche politischen Herausforderungen – oder möglichen Chancen -sich hieraus konkret ergeben. An diesen Punkten wären genauere Erläuterungen und Hintergrunddiskussionen wichtig, um den Blick auf afrikanische Integrationsprojekte und ihre Besonderheiten, ihre Chancen sowie Herausforderungen zu schärfen.

Anderen Autor:innen des Sammelbandes, wie Rolf Holfmeier, gelingt es diese Brücke zu bauen und differenziert zu erläutern, vor welchen Herausforderungen die „Ostafrikanische Gemeinschaft“ (EAC) steht und welche Hintergründe sowie historischen Entwicklungen diese bedingen. Besonders die stärker ausdifferenzierte Betrachtung von verschiedenen Modi der Kooperation in diversen Politikfeldern wie Wirtschafts- oder Sicherheitspolitikermöglicht ermöglicht es, die Komplexität von regionaler Integration in diesen Kontexten besser zu verstehen. Somit öffnet Holfmeier durch seinen Beitrag die Tür für weiterführende Auseinandersetzungen mit Integrationsprozessen im Rahmen der EAC.

So bleibt zusammenfassend festzustellen, dass Grimmels und Jakobeits Sammelband durchaus eine einführende Grundlage zum Verständnis von regionalen Integrationsprozessen liefert. Die Forderung, Integrationsprozesse stets in ihren jeweiligen kontextspezifischen Räumen zu analysieren und hierbei eine theoretisch-konzeptionelle Offenheit für Heterogenität und verschiedenartige Spielarten von Integration zu bewahren, spiegelt die grundlegenden Annahmen von neueren Theoriesträngen, getragen von internationalen Wissenschaftler:innen wie Amitav Acharya, wider. Besonders die jedem Kapitel beigefügten weiterführenden Fragen und Literaturempfehlungen ermöglichen den Leser:innen ihre eigene Auseinandersetzung mit empirischen Integrationsprozessen zu vertiefen. Insofern ist Grimmels und Jakobeits Werk ein hilfreicher Startpunkt für weiterführende Analysen. Im Sinne einer stärkeren citizen-governance Perspektive (439), bleibt zu hoffen, dass es zukünftigen Analysen gelingt, die Lebensrealitäten der lokalen Bevölkerungen und ihren Einfluss auf regionale Integration jenseits der Politik staatlicher Eliten stärker mitzudenken und somit unseren analytischen Blick, womöglich unter der Einbeziehung interdisziplinärer Methoden und Ansätze, zu weiten. Dieser Ansatz könnte ermöglichen, die Frage der „agency“ in Integrationsprozessen, besonders in Räumen hoher Mobilität, neu zu denken und zentrale Interdependenzen aufzuzeigen. Womöglich könnten uns diese und andere Ansätze, die Heterogenität und Diversität hierarchiefrei denken, auch entscheidend dabei helfen, den Geist der Europäischen Union als universelles Vorbild hinter uns zu lassen.


[1] Andreas Grimmel & Cord Jakobeit 2015. Regionale Integration. Erklärungsansätze und Analysen zu den wichtigsten Integrationszusammenschlüssen in der Welt, Baden-Baden, 9.

Die Kriminalität und das Politische: Vojta Drápal über Susanne Krasmann, Die Kriminalität der Gesellschaft (2003)

Susanne Krasmann ist Professorin für Soziologie in der Kriminologischen Sozialforschung an der Universität Hamburg. Sie verbrachte Forschungsaufenthalte an zahlreichen Universitäten im Ausland, etwa an der University of Melbourne, der UC Berkeley und an der New York University. Ihr Buch „Die Kriminalität der Gesellschaft“ ist inzwischen zu einem Standardwerk der kritischen Kriminologie geworden. Weitere Veröffentlichungen behandeln u.a. den Einfluss von Wahrheit und Ungewissheit in der Politik und setzen sich mit poststrukturalistischen Perspektiven auseinander. Für Politik100x100 hat sie sich mit Michel Foucaults Hamburger Werk auseinandergesetzt. 2019 erschien “Abandoning Humanity? On Cultural Heritage and the Subject of International Law” in der Zeitschrift Law, Culture and the Humanities.

Vojta Drápal ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Kriminologie an der Universität Hamburg. Er promoviert über das Verhältnis der genealogischen Kritikform Foucaults zur politiktheoretischen Idee von Progression und Regression.

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Zwischen Theorie und Diktatur: Nicolai Wacker über Rudolf Laun (1882 – 1975)

Rudolf Laun wurde im Oktober 1919 auf den Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Universität Hamburg berufen und hatte diesen bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1950 inne. In dieser Zeit war er mehrfach Universitätsrektor (1924/25, 1925/26 und 1947) sowie Dekan der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät (1929/30 und 1945). Im Unterschied zu den Mitgliedern der staatswissenschaftlichen Fakultät, die wegen ihrer jüdischen Herkunft entlassen, verfolgt und vertrieben wurden, wie Albrecht Mendelssohn Bartholdy und Kurt Perels, wusste sich Laun mit den neuen Machthabern zu arrangieren. Im Gegensatz zu den offen nationalsozialistisch agierenden Adolf Rein und Ernst Forsthoff wird Laun jedoch als Vertreter einer „inneren Emigration“ in Anspruch genommen. Unser Beitrag erörtert die Spuren, die Launs Option in seinem Werk und Leben hinterlassen hat.

Nicolai Wacker ist Student der Rechtswissenschaft an der Universität Hamburg, mit Interessenschwerpunkten in Völkerrecht und Internationaler Politischer Theorie.

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Klimapolitik als Ideenkonflikt. Frank Wendler über Framing-Prozesse und Diskurskoalitionen im Vergleich der EU und USA

Klimapolitik ist am Fachbereich Sozialwissenschaften nicht allein seit der neuerlichen Einwerbung eines Exzellenzclusters zur Klimaforschung im Jahr 2019 ein zentrales Thema und passt sich dem universitären Leitbild der Nachhaltigkeit ein. In seinem akademischen Semesterauftakt thematisiert Frank Wendler Klimapolitik in zweifacher Hinsicht: in Bezug auf die Umstrittenheit kognitiver Annahmen über den Klimawandel und seine Folgen, und in Bezug auf das Konfliktpotenzial der für ein politisches Handeln angelegten normativen Maßstäbe. Wie lassen sich Ideenkonflikte als Erklärungsansatz für policy-Entwicklungen der Klimapolitik einsetzen? Der Vortrag umreißt die Eckpunkte eines geplanten Forschungsprojekts zur Untersuchung ausgewählter Mehrebenen-Politikprozesse in den Klimapolitiken der EU und USA seit dem Pariser Abkommen des Jahres 2015.

Dr. Frank Wendler promovierte am DFG-Graduiertenkolleg “Die Zukunft des Europäischen Sozialmodells” (2005) der Universität Göttingen und habilitierte sich im Jahr 2016 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main mit der Monographie: “Debating Europe in National Parliaments: Public Justification and Political Polarization” (Palgrave Macmillan). Nach Stationen an der Universität Maastricht (Niederlande), dem Wissenschaftszentrum Berlin, der Goethe-Universität Frankfurt am Main sowie der University of Washington in Seattle (USA) ist er seit dem Wintersemester 2019/20 Privatdozent am Fachgebiet Politikwissenschaft der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg. Sein Beitrag für unseren Blog ist die gekürzte Fassung seiner Antrittsvorlesung. „Klimapolitik als Ideenkonflikt. Frank Wendler über Framing-Prozesse und Diskurskoalitionen im Vergleich der EU und USA“ weiterlesen

Podcast: Vera Troeger über Wissenschaft in Zeiten des Brexit sowie Comparative Politics

Vera Troeger ist seit diesem Jahr Professorin für Vergleichende Politikwissenschaft am Fachbereich. Ihre bisherige akademische Karriere fand zuvor überwiegend in Großbritannien, vor allem an den Universitäten Essex und Warwick, statt. Im neuen podcast berichtet Frau Professorin Troeger über die Erfahrungen in Großbritannien nach dem Brexit-Votum – gesellschaftlich, politisch, wie dann auch in ihrem unmittelbaren akademischen Milieu. Im Anschluss stellt sie ihre quantiative Forschung im Bereich Comparative Politics und Political Economy sowie Frauen und Gleichstellung vor (Aufnahme vom 24.10.2019, Moderation: David Weiß, Technik: Jonathan Deupmann). „Podcast: Vera Troeger über Wissenschaft in Zeiten des Brexit sowie Comparative Politics“ weiterlesen

Lasse Ramson über Albrecht Mendelssohn Bartholdy, Der Volkswille: Grundzüge einer Verfassung (1919)

Albrecht Mendelssohn Bartholdy war ab 1920 Lehrstuhlinhaber für Auslandsrecht und Internationales Privatrecht und gründete 1923 das Hamburger Institut für auswärtige Politik, das erste politikwissenschaftliche Forschungsinstitut an der Universität Hamburg. Er galt als ausgewiesener Experte für ausländisches, insbesondere englisches Recht. 1933/34 wurde er von den Nationalsozialisten aus Lehrstuhl und Institutsleitung gedrängt. Er emigrierte nach Oxford und verstarb dort 1936. Mendelssohn Bartholdys Leben und seine Rolle an der jungen Hamburger Universität hat Stefan Oeter in einem weiteren Blogbeitrag zusammengefasst.

Lasse Ramson hat sein rechtswissenschaftliches Studium in Hamburg absolviert und ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Juniorprofessur für Öffentliches Recht, insbesondere Verfassungsrecht, Verfassungstheorie, Rechtsphilosophie und Transnationales Recht (Professor Lars Viellechner) der Universität Bremen. „Lasse Ramson über Albrecht Mendelssohn Bartholdy, Der Volkswille: Grundzüge einer Verfassung (1919)“ weiterlesen

Fundstück: “Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren”

Bildnachweis: Staatsarchiv Hamburg

Am 9. November 1967 findet im Audimax der Universität Hamburg die alljährliche feierliche Rektoratsübergabe statt. Spitzen aus Wissenschaft, Politik und Kultur sind in den ersten Reihen des großen Hörsaals versammelt, das Universitätsorchester spielt und ein striktes Festprotokoll soll seinen geregelten Lauf nehmen. Bis zwei Studierende des AStA eine kurzerhand geplante Protestaktion beginnen – eine Protestaktion, die als eine der wichtigsten Auslöser der ’68er-Bewegung’ gilt. „Fundstück: “Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren”“ weiterlesen

Fundstück: Der Hamburger Zweig der Weißen Rose

Bildnachweis: KZ Gedenkstätte Neuengamme

Während die Münchner Widerstandsgruppe gegen die nationalsozialistische Diktatur, die Weiße Rose um Hans und Sophie Scholl weltbekannt ist, blieb und bleibt der Hamburger Zweig der Weißen Rose oft unbeachtet. Dabei organisierten sich auch in der Hansestadt und ganz besonders in den intellektuellen und universitären Kreisen Hamburgs, dutzende Personen, um im stetigen Austausch mit den Münchner Kommilitoninnen die Bevölkerung  zum Widerstand aufzurufen. Mit diesem Fundstück, dem Bild der Erinnerungsplakette an die Weiße Rose Hamburg aus dem Audimax der Universität, erzählen wir die Geschichten der oppositionellen Kreise in Hamburg, der zentralen Personen und Aktionen sowie des Gedenkens in der Gegenwart.

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Zur soziologischen Aktualität Siegfried Landshuts. Wolfgang Knöbl über Landshuts zwei Habilitationsschriften (1928, 1933)

Siegfried Landshut (1897-1968) verstand sich als Politikwissenschaftler, bevor es das Fach überhaupt gab. Seinen beiden gescheiterten Hamburger Habilitationsversuchen mit den Schriften Kritik der Soziologie und Historisch-systematische Analyse des Begriffs des Ökonomischen folgten Vertreibung und Flucht in den Nahen Osten, über die Rainer Nicolaysen in seinem Beitrag berichtet hat. 1951 wurde Landshut auf den ersten politikwissenschaftlichen Lehrstuhl an der Universität Hamburg berufen, den er bis 1965 innehatte.

Wolfgang Knöbl (* 1963) ist seit 2015 Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung (HIS) und seit 2017 Professor für Politische Soziologie und Gewaltforschung an der Leuphana Universität Lüneburg. Unter seiner Federführung veranstaltet das HIS seit 2018 die Siegfried Landshut Lectures und vergibt den Siegfried Landshut-Preis. Seine jüngste Monographie, gemeinsam mit Thomas Hoebel, ist Gewalt erklären! Plädoyer für eine entdeckende Prozesssoziologie. Hamburg: Hamburger Edition, 2019. „Zur soziologischen Aktualität Siegfried Landshuts. Wolfgang Knöbl über Landshuts zwei Habilitationsschriften (1928, 1933)“ weiterlesen

Links-libertäre Gerechtigkeit. Sven Ha über Ulrich Steinvorth, Gleiche Freiheit (1999)

Seit den 1970er Jahren ist der Libertarismus (libertarianism) eine der einflussreichsten Strömungen in der Politischen Theorie und wird meist von rechts gegen Besteuerung und Umverteilung in Stellung gebracht. Der Hamburger Philosoph Ulrich Steinvorth entwarf 1999 unter Rückgriff auf John Lockes Idee vom ursprünglichen Gemeinbesitz an der Natur eine radikale Neu-Interpretation, die das individuelle Eigentum an der eigenen Person mit dem universellen Gemeineigentum an der Natur und ihren Ressourcen kombiniert.

Sven Ha ist Bachelorstudent der Philosophie an der Universität Hamburg.

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Eine Gratwanderung zwischen Wissenschaft und Politikberatung – Marcel Krone über das Friedensgutachten 2019

Das Friedensgutachten ist seit Jahrzehnten eine der wichtigsten Institutionen deutscher Friedensforschung und wissenschaftlicher Außenpolitikberatung. Eines der herausgebenden Institute ist das Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH). In diesem Beitrag rekonstruiert Marcel Krone die zentralen inhaltlichen Schwerpunkte des Friedensgutachtens 2019 und reflektiert über die Gratwanderung zwischen unabhängiger Forschung und intervenierender politischer Beratung.

Marcel Krone studiert im Master Politikwissenschaft am Fachbereich.

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Christopher Kirschner: Bericht zur Buchvorstellung – Respekt! Frauen verändern Wissenschaft an der Universität Hamburg

Am 28. Oktober wurde der Sammelband „Respekt! Frauen verändern Wissenschaft an der Universität Hamburg“ vorgestellt. Das über 500 Seiten starke Buch rekonstruiert die Geschichte der Frauen und der Geschlechterforschung an der UHH. Christopher Kirschner hat die Buchvorstellung für 100×100 besucht.

Christopher Kirschner studiert Soziologie und Geschichte in Hamburg. Er war studentischer Angestellter im Familienbüro der Stabstelle Gleichstellung der UHH und arbeitet nun als studentische Hilfskraft an der neuen Juniorprofessur für Soziologie, insb. Arbeit, Organisation & Gender von Prof. Almut Peukert. „Christopher Kirschner: Bericht zur Buchvorstellung – Respekt! Frauen verändern Wissenschaft an der Universität Hamburg“ weiterlesen

„Als Frau in der Wissenschaft bin ich doppelt benachteiligt“ – Ein Interview mit Maren Hofius

Dr. Maren Hofius ist seit April 2009 als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Politikwissenschaft am Lehrstuhl von Prof. Antje Wiener an der Universität Hamburg. Nach ihrem BA 2007 in Maastricht und ihrem MA 2009 in Bath kam sie für ihre Promotion an die UHH.

Nina Wolff studiert Politikwissenschaft im BA im 5. Semester. Ihr Interview mit Maren Hofius entstammt dem Seminar „Einführung in journalistisches Schreiben“ bei Prof. Volker Lilienthal. „„Als Frau in der Wissenschaft bin ich doppelt benachteiligt“ – Ein Interview mit Maren Hofius“ weiterlesen

Sodomie, Folter, öffentliche Enthauptung: Peter Niesen über Samuel Bentham in Hamburg

Samuel Bentham (1757–1831) stand stets im Schatten seines älteren Bruders Jeremy (1748–1832), auch wenn die Idee des Panopticons, eines transparenten Gefängnis- und Allzweckgebäudes, ursprünglich auf ihn zurückgeht. Beide Bentham-Brüder hatten sich den aufgeklärten Monarchen Europas im späten 18. Jahrhundert als Experten angedient, der eine als Autor von Verfassungsentwürfen, Zivil- und Strafrechtskodizes, der andere als Ingenieur. Samuels Briefe aus Hamburg handeln unter anderem von der Strafrechtspraxis auf dem europäischen Kontinent. Der Briefwechsel gewinnt angesichts der Evolution von Benthams Straftheorie ideengeschichtliche Bedeutung.

Peter Niesen ist Professor für Politische Theorie an der Universität Hamburg. „Sodomie, Folter, öffentliche Enthauptung: Peter Niesen über Samuel Bentham in Hamburg“ weiterlesen

Kim Henningsen über Thomas Straubhaar, Migration im 21. Jahrhundert (2002)

Thomas Straubhaar ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Hamburg. Er hat an der Universität Bern studiert, promoviert und habilitiert. Straubhaar war Direktor des Instituts für Integrationsforschung des Europa-Kolleg Hamburg  und Direktor und Sprecher der Geschäftsführung des Hamburgischen  WeltWirtschaftsInstituts (HWWI). Er hat zu den Themenbereichen Migration, Volkswirtschaftslehre, Grundeinkommen veröffentlicht.

Kim Kristin Henningsen ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Politische Theorie an der Universität Hamburg. Sie bestritt einen trinationalen M.A. in European Studies: Law and Politics und promoviert mit einer Doktorarbeit zum Thema Legitimität des internationalen Migrationsrechts.

„Kim Henningsen über Thomas Straubhaar, Migration im 21. Jahrhundert (2002)“ weiterlesen

Das Projektbüro Angewandte Sozialforschung

Das Projektbüro Angewandte Sozialforschung (kurz: Projektbüro) ist an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg angesiedelt und hat die Aufgabe, Wissenschaft und Gesellschaft miteinander zu verbinden. Es begreift sich als zentrale Institution für die praktische Methodenausbildung, auch im Fachgebiet Politikwissenschaft. Unser Beitrag stellt kurz die Geschichte des Projektbüros sowie seine unterschiedlichen Felder, Aufgabenbereiche und Ziele vor und präsentiert zentrale Projektformen und exemplarische Forschungsbeiträge. Im Netzwerk #UHHengagiert setzt sich das Projektbüro seit 2018 für einen stärkeren transferbezogenen Wissensaustausch zwischen Universität und Gesellschaft ein.

Carolin Klopitzke studiert Soziologie im Master an der Universität Hamburg und arbeitet seit September 2015 als studentische Hilfskraft im Projektbüro. „Das Projektbüro Angewandte Sozialforschung“ weiterlesen

Franziska Goebel über Amrita und Aruna Narlikar, Bargaining With A Rising India (2014)

Amrita Narlikar ist Präsidentin des in Hamburg angesiedelten GIGA Instituts und Professorin für Internationale Beziehungen an der Universität Hamburg. Sie hat in Oxford promoviert und als Reader für Internationale Politische Ökonomie an der Universität Cambridge gearbeitet. Narlikar hat zahlreiche Bücher und Aufsätze zu den Themen Welthandel, aufstrebende Mächte und multilaterale Verhandlungen veröffentlicht. In „Bargaining with a Rising India“, erforscht Amrita Narlikar gemeinsam mit ihrer Mutter Aruna Narlikar, einer Expertin für indisches Sanskrit, die kulturellen Wurzeln indischen Verhandlungsverhaltens.

Franziska Goebel studiert im Master Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. „Franziska Goebel über Amrita und Aruna Narlikar, Bargaining With A Rising India (2014)“ weiterlesen

Schelskys Gegenaufklärung. Luise Heinz über die Soziologie der Sexualität (1955)

Helmut Schelsky (1912-1984) wurde 1948 auf einen Lehrstuhl für Soziologie an der neu gegründeten Akademie für Gemeinwirtschaft, der späteren Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik berufen. Zwischen 1953 und 1960 war er Professor für Soziologie an der Universität Hamburg. Er studierte Philosophie, Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte an den Universitäten Königsberg und Leipzig und war von 1937 an Mitglied der NSDAP. In den Nachkriegsjahren war Schelsky einer der prominentesten Soziologen in der deutschsprachigen akademischen Welt und zugleich als Politikberater und Universitätsreformer einflussreich.

Luise Heinz ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Allgemeine Soziologie am Fachbereich Sozialwissenschaften. Sie studierte Soziologie in Dresden und erhielt 2015 den Preis des Absolventen- und Fördervereins des soziologischen Instituts für die beste Abschlussarbeit. Bevor sie nach Hamburg kam, arbeitete sie in den Medien- und Kommunika­tions­wissenschaften an der Zeppelin Universität Friedrichshafen. „Schelskys Gegenaufklärung. Luise Heinz über die Soziologie der Sexualität (1955)“ weiterlesen

Fundstück: Die Orientierungseinheit in den Sozialwissenschaften

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Am heutigen Montag beginnt, wie in jedem Jahr Anfang Oktober, die Orientierungseinheit des Fachgebiets für die neuen Erstsemesterstudierenden. In Zusammenarbeit mit den Gremien und Organen des Fachbereichs und der Fakultät bereiten die Studierenden der Fachschaft ein einwöchiges Programm zum Kennenlernen, zur Studieneinführung und für einen Einblick in den universitären Alltag vor. Mit diesem Archivfundstück einer Orientierungseinheit aus den frühen 1980er-Jahren begrüßen wir die neuen Studierenden an unserem Fachgebiet. „Fundstück: Die Orientierungseinheit in den Sozialwissenschaften“ weiterlesen

Jan Klenke über Patrick Köllner et al., Comparative Area Studies – Methodological Rationales and Cross-Regional Applications (2018)

Patrick Köllner ist Vizepräsident des German Institute for Global and Area Studies (GIGA) und Direktor des Instituts für Asien-Studien des GIGA. Seit 2011 lehrt Köllner als Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg, vor allem zu Vergleichenden Regionalstudien und den politischen Systemen Ostasiens. Als Herausgeber des zuletzt erschienen Sammelbandes „Comparative Area Studies: Methodological Rationales and Cross-Regional Applications“ widmet Köllner seine Expertise der Aufarbeitung des CAS-Ansatzes, an dem sich auch die Forschung am GIGA orientiert.

Jan Klenke ist Research Fellow am GIGA Institute for Asian Studies in Kooperation mit der Universität Hamburg. Er arbeitet zu Concession Making and Preference Adjustment of Emerging Powers in International Climate Change Negotiations. Der Vergleich der von ihm untersuchten Länder Indien, Brasilien und China steht dabei vor besonderen Herausforderungen hinsichtlich unterschiedlicher Kontexte und Vergleichbarkeit. „Jan Klenke über Patrick Köllner et al., Comparative Area Studies – Methodological Rationales and Cross-Regional Applications (2018)“ weiterlesen

Gender und Queer-Studies an der Universität Hamburg, ein Interview mit Marianne Pieper

Marianne Pieper wurde 1996 Professorin für Soziologie mit dem Schwerpunkt “Kulturen, Geschlechter, Differenzen” an der Universität Hamburg. Im folgenden Interview spricht sie über das Thema Frauen, Gender und Queer am Fachbereich Sozialwissenschaften. Was sich in den vergangenen zwanzig Jahren verändert hat, vor allem aber auch, welche Probleme und Herausforderungen sich weiterhin stellen. Im anschließenden Essay beleuchten Deborah Kirchgässner und Emma Neuhaus die Gender und Queer-Studies an der Universität Hamburg – leitender Titel: ein Leerraum.

Die hier präsentierten Projekte entstanden im Rahmen des Seminars “Einführung in den Journalismus” von Prof. Volker Lilienthal, das sich auch mit dem Blog befasst hat. Das Interview mit Frau Prof. Pieper führte Alexandra Tornow (Soziologie), den Beitrag im zweiten Teil haben Deborah Kirchgässner (Politikwissenschaft) und Emma Neuhaus (Soziologie) verfasst. „Gender und Queer-Studies an der Universität Hamburg, ein Interview mit Marianne Pieper“ weiterlesen

Laura von Allwörden über Detlef Nolte et al.: Macht, Führung und Regionale Ordnung: Theorien und Forschungsperspektiven (2012)

Detlef Nolte ist Professor an der Universität Hamburg und langjähriger stellvertretender Direktor des German Institute for Global and Area Studies (GIGA) Hamburg. Sein Schwerpunkt liegt in den Lateinamerikastudien, mit besonderem Augenmerk auf Demokratieschutz und demokratischem institutionellem Wandel. Er hat von 2006 bis 2018 das Lateinamerika-Institut am GIGA geleitet und den Studiengang Lateinamerikastudien an der Universität Hamburg mitgeprägt.

Laura von Allwörden hat sowohl ihr Bachelor- als auch ihr Master Studium der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg absolviert. Seit September 2019 promoviert sie an der Universität Maastricht in dem Projekt „Who gets to live forever? The Decline and Death of International Organisations“.

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Reflexivierung der politischen Vernunft. Peter Niesen über Rainer Schmalz-Bruns, Reflexive Demokratie: Die demokratische Transformation moderner Politik (1995)

Rainer Schmalz-Bruns ist seit 2005 Professor für Politische Ideengeschichte und Theorien der Politik an der Leibniz-Universität Hannover. Er hat die Sektion für Politische Theorie in der DVPW von 1997-2003 geleitet und war von 2010 bis 2016 geschäftsführender Herausgeber der Politischen Vierteljahresschrift. Seine Habilitation erfolgte 1994 an der Universität Hamburg, während er an der Universität der Bundeswehr Hamburg, der heutigen HSU, als wissenschaftlicher Assistent tätig war. Von 1996 bis 2005 hatte er die Theorieprofessur am Institut für Politikwissenschaft der TU Darmstadt inne.

Peter Niesen ist Professor für Politische Theorie an der Universität Hamburg. „Reflexivierung der politischen Vernunft. Peter Niesen über Rainer Schmalz-Bruns, Reflexive Demokratie: Die demokratische Transformation moderner Politik (1995)“ weiterlesen

Ana Soares über Michael Brzoskas Band, European Peace and Security Policy: Transnational Risks of Violence (2014)

Michael Brzoska hat das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) von 2006 bis 2016 geleitet und ist dort nun als Senior Research Fellow tätig.  Brzoska hat als Professor an der Universität Hamburg gelehrt und am Internationalen Konversionszentrum Bonn sowie am Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI gelehrt und geforscht. Die Deutsche Stiftung Friedensforschung leitete er von 2008 bis 2015.

Ana Soares ist Doktorandin im Fach Politikwissenschaft an der Universität Hamburg und arbeitet an der Professur für Global Governance (Prof. Antje Wiener). Sie ist in Brasilien aufgewachsen und hat BA- und MA-Abschlüsse in Internationalen Beziehungen an der La Salle University und der Corvinus Universität Budapest erworben. „Ana Soares über Michael Brzoskas Band, European Peace and Security Policy: Transnational Risks of Violence (2014)“ weiterlesen

Kathrin Voss über Hans J. Kleinsteuber und die Notwendigkeit, Wissenschaft und Praxis zu verknüpfen

Hans J. Kleinsteuber (1943-2012) hatte Politische Wissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin und an den Universitäten Tufts und Harvard in den USA studiert. Bevor er nach Hamburg kam, war er wissenschaftlicher Assistent am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin. Von 1976 bis 2008 war er Professor am Institut für Politikwissenschaft und lehrte ab 1982 auch am neu gegründeten Teilstudiengang Journalistik. 1989 wurde er auch Professor am Institut für Journalistik.

Kathrin Voss hat Politikwissenschaft und Journalistik an der Universität Hamburg studiert und 2006 bei Hans J. Kleinsteuber an der Arbeitsstelle Medien und Politik über die Öffentlichkeitsarbeit von Nichtregierungsorganisationen in USA und Deutschland promoviert. Heute arbeitet sie als freiberufliche Beraterin und lehrt im Erasmus Mundus Studiengang „Journalism, Media and Globalisation“ am Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft der Universität Hamburg. „Kathrin Voss über Hans J. Kleinsteuber und die Notwendigkeit, Wissenschaft und Praxis zu verknüpfen“ weiterlesen

Veronika Detel über Frank Nullmeier, Politische Theorie des Sozialstaats (2000)

Frank Nullmeier studierte von 1975 bis 1980 Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Öffentliches Recht und Philosophie an der Universität Hamburg. 1990 wurde er dort promoviert und 1998 habilitiert.[1] Für seine Arbeiten ist charakteristisch, dass sie Perspektiven empirischer Sozialforschung, avancierter interpretativer Methodologie und politischer Theorie zusammenführen. Neben dem hier vorgestellten Werk, das auf seine Habilitationsschrift zurückgeht, hat er unter anderem wichtige Beiträge zu einer Politologie des Wissens und zur Verwaltungs- und Policyforschung vorgelegt. Nach Stationen an den Universitäten Konstanz und Essen ist er seit 2002 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Bremen. Dort leitet er die Abteilung „Theorie und Verfassung des Wohlfahrtsstaates“ am Zentrum für Sozialpolitik.

Veronika Detel ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur „Europa und Moderne“ am Fachgebiet Politikwissenschaft. Sie hat in ihrer politikwissenschaftlichen Masterarbeit an der Universität Hamburg die Theorie ‚demokratischer Iteration‘ von Seyla Benhabib einer Kritik unterzogen. „Veronika Detel über Frank Nullmeier, Politische Theorie des Sozialstaats (2000)“ weiterlesen

Jürgen Habermas: Eine persönliche Bemerkung zur Rezeption der Schriften von Siegfried Landshut

Mit Siegfried Landshut beginnt 1951 die Geschichte der Politikwissenschaft in Hamburg. Durch seine Ausgabe von Marx‘ Frühschriften hatte er seit 1932 die Entstehung eines ‚westlichen Marxismus‘ beeinflusst. Die philosophischen Vorentscheidungen seines frühen Hauptwerks, der Kritik der Soziologie (Berlin 1929), hat Landshut auch in der Neugründung der Politikwissenschaft in der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg beibehalten.

Jürgen Habermas (*1929) ist emeritierter Professor für Philosophie an der Universität Frankfurt. Im November 2019 erscheint sein neues Buch Auch eine Geschichte der Philosophie (Berlin, 2 Bde.). Zu seinen Arbeiten gehören Rekonstruktionen des philosophischen und politischen Denkens deutsch-jüdischer Emigranten, etwa in den Philosophisch-Politischen Profilen (1971, erweitert 1987), oder in „Jüdische Philosophen und Soziologen als Rückkehrer in der frühen Bundesrepublik. Eine Erinnerung“ in Im Sog der Technokratie (2013). „Jürgen Habermas: Eine persönliche Bemerkung zur Rezeption der Schriften von Siegfried Landshut“ weiterlesen

Gnade, Recht und Politik: Markus Abraham über Wilhelm Grewe, Gnade und Recht (1936)

Wilhelm Grewe (1911-2000) promovierte 1936 mit der Arbeit Gnade und Recht bei Ernst Forsthoff an der Universität Hamburg. Seine Habilitationsschrift von 1941, Epochen der Völkerrechtsgeschichte (Baden-Baden 1984), ist inzwischen zum Klassiker der Internationalen Beziehungen avanciert. In der BRD war Grewe im Auswärtigen Amt tätig, schließlich Botschafter und vertrat die Bundesrepublik Deutschland bei der NATO (1962-1971).[1] Grewe hat wesentlichen Anteil an der Entstehung der sog. Hallstein-Doktrin[2], dem außenpolitischen Grundsatz der jungen Bundesrepublik, nach dem die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Deutschen Demokratischen Republik als unfreundlicher Akt gewertet wurde.

Markus Abraham arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Habilitand am Lehrstuhl für Strafrecht und Rechtsphilosophie (Prof. Dr. Jochen Bung) an der Universität Hamburg. Zuletzt erschien Sanktion, Norm, Vertrauen. Zur Bedeutung des Strafschmerzes in der Gegenwart, Berlin: Duncker & Humblot 2018. „Gnade, Recht und Politik: Markus Abraham über Wilhelm Grewe, Gnade und Recht (1936)“ weiterlesen

Lennart Riebe über Adolf Rein, Die Idee der politischen Universität (1932)

Die Idee der politischen Universität[1]  lautet der Titel einer Programmschrift, die der Historiker Adolf Rein 1932 verfasst hat und in der er seine Vision eines neuen, politischen Universitätstypus entwirft. Rein, von 1934 bis 1938 Rektor der Hamburgischen (später Hansischen) Universität, war maßgeblich für die Organisation und Durchführung der nationalsozialistischen Selbstgleichschaltung der Universität verantwortlich, im Zuge derer unzählige jüdische und oppositionelle Wissenschaftler*innen vertrieben und aus dem universitären Leben ausgeschlossen wurden.

Lennart Riebe studiert im Master Politikwissenschaft am Fachbereich.

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Louisa Band und Kira Neumann über Studieren mit Behinderung an der Universität Hamburg

Im März 2019 wurde die UN-Behindertenrechtskonvention zehn Jahre alt. Doch auch nach einem Jahrzehnt ist in der Gestaltung und Anwendung noch viel zu tun, um umfassende Inklusion auch an der Universität Hamburg zu erreichen. Vor diesem Hintergrund werfen Louisa Band und Kira Neumann einen Blick darauf, wie sich das Studieren von Menschen mit Behinderung im Laufe der letzten Jahre an der Universität Hamburg entwickelt hat. Was kann und muss aktuell noch umgesetzt und verinnerlicht werden, um das Studieren mit einer Behinderung zu erleichtern? Und wie sieht ein Alltag an der Universität aus Sicht eines Studierenden mit Behinderung aus?

Louisa Band und Kira Neumann studieren im Bachelor Politikwissenschaft am Fachbereich. Dieser Beitrag entstand im Zuge des Seminars “Einführung in den Journalismus” bei Prof. Volker Lilienthal, das sich unter anderem mit dem Blog beschäftigte. „Louisa Band und Kira Neumann über Studieren mit Behinderung an der Universität Hamburg“ weiterlesen

Friedo Karth über Bildung als Aneignung des eigenen Lebens, Siegfried Landshuts Schriften zur Erwachsenenbildung und Volkshochschule

Siegfried Landshut (1897-1968) war der Inhaber des ersten „Lehrstuhls für die Wissenschaft von der Politik“ an der Universität Hamburg. Zu seinen Hauptwerken gehört die frühe „Kritik der Soziologie“ (Berlin 1929). Seine Erstausgabe von Marx‘ Frühschriften (2 Bde., Stuttgart 1932) war einflussreich für die Begründung der Forschungstradition eines „westlichen Marxismus“. Weniger bekannt sind seine Beiträge zur Erwachsenenbildung und zur Volkshochschulbewegung.

Friedo Karth hat an der Universität Hamburg einen BA in Politikwissenschaft und an der Cardiff University einen MA in Kulturtheorie erworben. Seit Mai 2019 ist er Promotionsstipendiat am Hamburger Institut für Sozialforschung.

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Fundstück: Eduard Heimann – Portrait

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Als Eduard Heimann 1925 an die Universität in Hamburg kam, war der Sozialökonom bereits einer der wichtigsten und einflussreichsten Vertreter seiner Zunft. Und auch in Hamburg war Heimann prägend, entwickelte sein Programm einer christlich wie marxistisch fundierten ‘sozialistischen Marktwirtschaft’ weiter und war nicht zuletzt Vorgesetzter eines damals noch jungen Soziologen, dem späteren Begründer der Hamburger Politikwissenschaft: Siegfried Landshut. In unserem nächsten Fundstück schauen wir zurück auf die Biographie einer der wichtigsten Vorläufer unseres Faches in Hamburg.

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Totaler Staat und Rechtsprechung: Florian Meinel über Ernst Forsthoffs Gastspiel in Hamburg

Ernst Forsthoff, Autor von Der totale Staat (1933), wurde nach einer Empfehlung von Carl Schmitt als Nachfolger von Kurt Perels auf einen Lehrstuhl für öffentliches Recht der Universität Hamburg berufen. Er gehört zu den Juristen, die in der Nachkriegszeit bleibenden Einfluss auf die Politikwissenschaft ausübten, vor allem mit seiner Monographie von 1971, Der Staat der Industriegesellschaft.

Florian Meinel hat den Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg inne. Er ist der Autor von Der Jurist in der industriellen Gesellschaft. Ernst Forsthoff und seine Zeit (Berlin: Akademie 2011). Zuletzt erschien Vertrauensfrage. Zur heutigen Krise des Parlamentarismus (München: Beck 2019). Meinel lebt mit seiner Familie in Hamburg. „Totaler Staat und Rechtsprechung: Florian Meinel über Ernst Forsthoffs Gastspiel in Hamburg“ weiterlesen

Rainer Nicolaysen über Siegfried Landshut, Begründer der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg

Siegfried Landshut war der erste Inhaber eines “Lehrstuhls für die Wissenschaft von der Politik” in Hamburg. Als Landshut in den 1950er-Jahren nach Hamburg kam und die Politikwissenschaft in der Hansestadt aufbaute, hatte er bereits einige prägende biographische Phasen hinter sich. In einer Tour durch die Stationen des Lebens Landshuts, porträtiert Rainer Nicolaysen die erste Phase in Hamburg, die Vertreibung und Jahre im Exil sowie die schließliche Rückkehr. Den hier dokumentierten Vortrag hielt Nicolaysen im Rahmen einer Veranstaltung des Fachbereichs im Mai diesen Jahres unter dem Titel “Siegfried Landshut – Vertreibung, Exil, Rückkehr”.

Rainer Nicolaysen ist Professor für Geschichte an der Universität Hamburg, seit 2010 leitet er die Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte an der Universität. Nicht zuletzt aufgrund seiner Dissertation über das Leben und Werk von Siegfried Landshut ist Nicolaysen der wissenschaftliche Experte für die Biographie und Schriften Landshuts. „Rainer Nicolaysen über Siegfried Landshut, Begründer der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg“ weiterlesen

„Ich habe große Lust, die Welt mit »Kapital« zu überschwemmen“. David Müller über die Hamburger Publikationsgeschichte von Karl Marx, Das Kapital (Bd. 1, 1867)

Hamburg ist der Ort, an dem Karl Marx 1867 den ersten Band seines Opus Magnum „Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie“ verlegen ließ. Veröffentlicht wurde es von dem Hamburger Verleger Otto Meißner, der auch die anderen zwei Bände (diese aber postum) sowie weitere Werke von Karl Marx und Friedrich Engels verlegte. Der folgende Beitrag beantwortet zwei Fragen. Warum erschien einer der – wissenschaftlich und politisch – weltweit einflussreichsten Texte in der Freien und Hansestadt Hamburg und nicht etwa in London, wo Marx zu dieser Zeit lebte? Und warum haben Marx und Engels sich für den Verleger Otto Meißner entschieden?

DaviD Müller ist Student der Politikwissenschaft im vierten Fachsemester an der Universität Hamburg. „„Ich habe große Lust, die Welt mit »Kapital« zu überschwemmen“. David Müller über die Hamburger Publikationsgeschichte von Karl Marx, Das Kapital (Bd. 1, 1867)“ weiterlesen

Tania Mancheno: Das Gespenst des deutschen Kolonialismus – 100 Jahre Kolonialinstitut?

Mai 2019 – die Universität Hamburg feiert Jubiläum. 100 Jahre ist es her, dass die Uni gegründet wurde. Doch wann beginnt die Geschichte der Universität wirklich? Im Jahr 1919 löste sich nämlich gleichzeitig das Hamburgische Kolonialinstitut auf. Seit 1908 diente dieses unter anderem zur Ausbildung von Kolonialbeamten und war zentral für die wissenschaftliche Landschaft der Stadt.
Die Räumlichkeiten wurden an die Universität weitergegeben, so dass das ehemalige Kolonialinstitut in das Hauptgebäude und in das heutige Asien-Afrika-Institut überführt wurde. Kritik am Jubiläum spricht sich für eine tiefere Aufarbeitung der kolonialen Geschichte der Universität aus. Was bedeutet es für eine Institution, aus der Kolonialgeschichte Deutschlands entsprungen zu sein?
In einem Interview mit Tania Mancheno, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität am Fachgebiet Kriminologische Sozialforschung bei Prof. Dr. Hentschel und Mitglied der Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe“ wird dieser Frage auf den Grund gegangen.

Das Interview führte Alexa Vaagt, Studentin der Politikwissenschaft am Fachbereich. Das Projekt entstand im Rahmen des Seminars “Einführung in den Journalismus” bei Prof. Volker Lilienthal, das sich unter anderem mit dem Blog beschäftigte.

„Tania Mancheno: Das Gespenst des deutschen Kolonialismus – 100 Jahre Kolonialinstitut?“ weiterlesen

Bernhard Koch über Jan Philipp Reemtsma, Vertrauen und Gewalt (2008)

Jan Philipp Reemtsma ist Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Hamburg. Er ist mit der Gründung des Hamburger Instituts für Sozialforschung (HIS) und der Hamburger Stiftung zur Förderung der Wissenschaft und Kultur (beides 1984) Teil der Hamburger Wissenschaftsgeschichte geworden. Reemtsma ist mit Werken unter anderem zu Christoph Martin Wieland, Arno Schmidt und Muhammad Ali hervorgetreten. Vertrauen und Gewalt. Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne (Hamburg 2008) gilt als sein Hauptwerk.

Dr. Bernhard Koch ist stellvertretender Direktor des Instituts für Theologie und Frieden in Hamburg und Lehrbeauftragter am Fachgebiet Politikwissenschaft der Universität Hamburg. Er wurde 2006 mit einer Arbeit zu Cicero an der Hochschule für Philosophie in München promoviert. Zu seinen Arbeitsgebieten zählen das humanitäre Völkerrecht und die Theorie des gerechten Krieges, insbesondere die Frage legitimer und illegitimer Gewaltanwendung.

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Finn Haberkost über Andreas Grimmel, Europäische Integration im Kontext des Rechts (2012)

Andreas Grimmel ist Forschungsdirektor am „Institute for European Integration“ in Hamburg und seit 2014 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich. Zuvor studierte er als Visiting Fellow unter anderem an der Harvard University sowie der University of Cambridge und forschte am ARENA Center for European Studies in Oslo. Im Jahr 2012 erschien an der Universität Hamburg seine Dissertation „Europäische Integration im Kontext des Rechts“, welche in inhaltlicher sowie methodischer Hinsicht den Grundstein für viele seiner späteren Arbeiten legte.

Finn Haberkost studiert Politikwissenschaft im Bachelor am Fachbereich.

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Joshua Smeltzer über Kurt Perels, Der Friede von Versailles und der Deutsche Staat (1920)

Kurt Perels war Professor des öffentlichen Rechts am Hamburgischen Kolonialinstitut sowie der erste Dekan der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Hamburg.  Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehörte das Parlamentsrecht, das Kolonialrecht und das Völkerrecht. Nach der nationalsozialistischen Übernahme der Universität drohte der Verlust seines Richteramts und seiner Professur. Am 10. September 1933 flüchtete er in den Tod. Über Perels‘ Nachfolger Ernst Forsthoff und andere politische Juristen, die die Linien politikwissenschaftlicher Forschung an der Universität vorzeichneten, werden in Kürze weitere Beiträge erscheinen.

Joshua Smeltzer holds an M.Sc. in Politics, Economics and Philosophy from Universität Hamburg. He is a doctoral candidate in the department of Politics and International Studies at the University of Cambridge.

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Charlotte Huch über Markus Patberg, Usurpation und Autorisierung. Konstituierende Gewalt im globalen Zeitalter (2018)

Markus Patberg ist nach Stationen in Darmstadt, Frankfurt und London seit 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Politische Theorie, Universität Hamburg, zunächst im Fachgebiet, danach im DFG-Projekt „Eine Wiederaneignung konstituierender Gewalt? Entstehende Gegen-Narrative im EU-Konstitutionalismus“. Usurpation und Autorisierung ist die überarbeitete Fassung seiner Hamburger Dissertation von 2016.

Charlotte Huch studiert im Masterstudiengang Politikwissenschaft der Universität Hamburg mit dem Schwerpunkt Internationale Politische Theorie.

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Andreas Ullmann über Jürgen Zimmerers Band, Kein Platz an der Sonne – Erinnerungsorte der deutschen Kolonialgeschichte (2013)

Jürgen Zimmerer ist Historiker und Afrikawissenschaftler. Er ist seit 2010 Professor für Globalgeschichte an der Universität Hamburg und leitet seit 2014 die Forschungsstelle Hamburgs (post-)koloniales Erbe/Hamburg und die frühe Globalisierung. Zimmerer gilt als einer der führenden Kolonialismus- und Genozidforscher in Deutschland. Ein aktueller Vortrag von Jürgen Zimmerer mit dem Titel „Wissenschaft und Kolonialismus. Die Hamburger Universität vom Kolonialinstitut bis zum Sturz des Wissmann-Denkmals “ ist als Video auf dem Lecture2Go Portal der Universität verfügbar.

Andreas Ullmann ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt On the Causal (In)Significance of Legal Status: Assessing and Explaining Compliance with the “Views” of the UN Human Rights Treaty Bodies der Juniorprofessur für Politikwissenschaft, insb. Global Governance (Andreas von Staden). Sein Forschungsinteresse gilt der Beobachtung internationaler Menschen­rechts­institutionen sowie globaler Wirtschafts- und Entwicklungspolitik mit dem regionalen Schwerpunkt Afrika.

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Das verschwundene Vorwort. Susanne Krasmann über Michel Foucaults Wahnsinn und Gesellschaft (1961)

Michel Foucault leitete von 1959 bis 1960 das Hamburger Institut Français. Neben seiner Einführung in Kants Anthropologie (Paris 2008, dt. Berlin 2010) beendete er in Hamburg sein erstes Hauptwerk, Wahnsinn und Gesellschaft (dt. 1969), wenngleich sich das Hamburger Vorwort in späteren Ausgaben nicht mehr wiederfindet. In diesen Tagen wurde am Institut Français in der Heimhuder Straße eine Plakette angebracht, die an Foucaults Wirken in Hamburg erinnert.

Susanne Krasmann ist Professorin für Soziologie in der Kriminologischen Sozialforschung an der Universität Hamburg. Sie gehört seit ihrem Aufsatz zu „Simultaneität von Körper und Sprache bei Michel Foucault“ (1995) zu den prägenden Autorinnen der deutschsprachigen Foucault-Rezeption. 2003 erschien das Buch Die Kriminalität der Gesellschaft: Zur Gouvernementalität der Gegenwart (Konstanz: UVK), das demnächst ebenfalls an dieser Stelle vorgestellt werden wird. „Das verschwundene Vorwort. Susanne Krasmann über Michel Foucaults Wahnsinn und Gesellschaft (1961)“ weiterlesen

Podcast: Filimon Peonidis über ‘Academic Freedom’

Filimon Peonidis ist Professor für Philosophie an der Aristotle University in Thessaloniki, Griechenland, zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen Schriften zu Jeremy Bentham, Marsilius von Padua sowie die Monographie Democracy as Popular Sovereignty.  Im laufenden Semester hat Professor Peonidis den Fachbereich als Gastdozent besucht, hat u.a. zur Geschichte demokratischen Denkens gelehrt und über Akademische Freiheit referiert. Im Podcast, den Ervin Kondakciu moderiert hat, diskutiert er sein Konzept akademischer Freiheit, das Verhältnis zum Grundrecht freedom of speech, sowie aktuelle Gefährdungen wissenschaftlicher Unabhängigkeit (Moderation: Ervin Kondakciu, Technik: Jonathan Deupmann). „Podcast: Filimon Peonidis über ‘Academic Freedom’“ weiterlesen

Fundstück: Agathe Lasch – Portrait

Die renommierte Germanistin Agathe Lasch wurde 1923 als erste Professorin an die Universität in Hamburg berufen. Sie erforschte in zahlreichen, Schule machenden Schriften die mittelniederdeutsche, ‘plattdeutsche’ Sprache. Ihren Arbeitsplatz hatte sie bis zu ihrer Entlassung durch die nationalsozialistische Gleichschaltung u.a. im damaligen Bornplatz 1-3 – unserem heutigen Gebäude für Sozialwissenschaften. „Fundstück: Agathe Lasch – Portrait“ weiterlesen

Ulrich Thiele über Peter Niesen, Jeremy Bentham: Unsinn auf Stelzen. Schriften zur Französischen Revolution (2013)

Peter Niesen ist seit 2013 Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politische Theorie an der Universität Hamburg und Mitglied des Bentham Committee am University College London. Zu seinen Forschungsgebieten zählen die Politische Philosophie der Aufklärung (Kant, Bentham), die Theorie verfassunggebender Gewalt jenseits des Staates sowie die politische Theorie des Mensch-Tier-Verhältnisses.

Ulrich Thiele ist Privatdozent an der Universität Heidelberg und dort als akademischer Mitarbeiter beschäftigt. Er ist einer der produktivsten Ideenhistoriker der Bundesrepublik. 2002 ist er an der Goethe Universität Frankfurt mit einer Arbeit über Carl Schmitts Sieyes-Rezeption habilitiert worden. Seine Geschichte politischer Ideen (2. Auflage, Marix 2014) zieht eine Linie von den Theorien des Gesellschaftsvertrags zum modernen Rechts- und Sozialstaat. „Ulrich Thiele über Peter Niesen, Jeremy Bentham: Unsinn auf Stelzen. Schriften zur Französischen Revolution (2013)“ weiterlesen

David Weiß über Elvira Rosert, Die Nicht-Entstehung internationaler Normen: Permissive Effekte in der humanitären Rüstungskontrolle (2019)

Elvira Rosert ist Juniorprofessorin für Politikwissenschaft, insbesondere Internationale Beziehungen, an der Universität Hamburg und am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. In ihrer Dissertation, die nun auch als Monographie erschienen ist und in der sie sich mit der langen Nicht-Entstehung der Streumunitionsverbotsnorm auseinandersetzt, verbinden sich ihre Forschungsschwerpunkte: Normenforschung, (humanitäres) Völkerrecht und internationale Institutionen.

David Weiß studiert seit 2016 Politikwissenschaft im Bachelor am Fachbereich. Seit diesem Jahr ist er Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. „David Weiß über Elvira Rosert, Die Nicht-Entstehung internationaler Normen: Permissive Effekte in der humanitären Rüstungskontrolle (2019)“ weiterlesen

Distanzierte Annäherung. Peter Niesen zu Jürgen Habermas‘ Hamburger Ehrendoktorwürde 1989

Jürgen Habermas, geb. am 18. Juni 1929 in Düsseldorf, ist emeritierter Professor für Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zu seinen Hauptwerken zählen die Theorie des kommunikativen Handelns (1981), Faktizität und Geltung (1992) und Auch eine Geschichte der Philosophie (im Erscheinen, 2019). Habermas ist 1961 in Marburg mit seiner Arbeit zum Strukturwandel der Öffentlichkeit in Politikwissenschaft habilitiert worden; die Initiative zur Verleihung der Ehrendoktorwürde des damaligen Fachbereichs Philosophie und Sozialwissenschaften an der Universität Hamburg 1989 ging vom Institut für Politische Wissenschaft aus.

Peter Niesen ist seit 2013 Professor für Politikwissenschaft, insbesondere Politische Theorie, an der Universität Hamburg. Er war 2007 Gründungsmitglied des Exzellenzclusters „Herausbildung normativer Ordnungen“. Zu seinen neueren Veröffentlichungen zählt “Reframing civil disobedience: Constituent power as a language of transnational protest“, Journal of International Political Theory (2019). 1990 war Niesen Tutor zu einem Seminar von Jürgen Habermas über Ernst Cassirers Philosophie der symbolischen Formen. „Distanzierte Annäherung. Peter Niesen zu Jürgen Habermas‘ Hamburger Ehrendoktorwürde 1989“ weiterlesen

Udo Bermbach über politikwissenschaftliche Anschlussmöglichkeiten an Habermas‘ Theorie des kommunikativen Handelns

Der Fachbereich Philosophie und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg hat am 14. Dezember 1989 Jürgen Habermas die Ehrendoktorwürde verliehen. Udo Bermbach ging in seiner Rede auf die bisher unabgegoltenen politikwissenschaftlichen Anregungen in Habermas‘ Theorie des kommunikativen Handelns (1981) ein. Wir veröffentlichen im Folgenden einen Ausschnitt aus seiner Laudatio.

Udo Bermbach war von 1971 bis 2001 Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Hamburg und gehört zu den Gründern der Sektion für Politische Theorie und Ideengeschichte in der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft. Sein Aufsatzband Demokratietheorie und politische Institutionen erschien 1991. Bermbach hat in einer Reihe von Publikationen seit den 1990er Jahren das Musiktheater, insbesondere das Gesamtkunstwerk Oper bei Richard Wagner, für die politische Ideengeschichtsschreibung erschlossen. „Udo Bermbach über politikwissenschaftliche Anschlussmöglichkeiten an Habermas‘ Theorie des kommunikativen Handelns“ weiterlesen

Elvira Rosert über Andreas von Staden, Strategies of Compliance with the European Court of Human Rights. Rational Choice Within Normative Constraints (2018)

Andreas von Staden ist Juniorprofessor für Politikwissenschaft, insbesondere Global Governance, an der Universität Hamburg und Leiter des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts „On the Causal (In)Significance of Legal Status: Assessing and Explaining Compliance with the ‘Views’ of the UN Human Rights Treaty Bodies“. Nach seiner Promotion in Princeton war er unter anderem als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Technischen Universität Darmstadt und Assistenzprofessor für Internationale Organisation an der Universität St. Gallen tätig. Seine Forschungsschwerpunkte sind internationale Institutionen, Recht und Politik sowie Menschenrechte.

Elvira Rosert ist Juniorprofessorin für Politikwissenschaft, insbesondere Internationale Beziehungen, an der Universität Hamburg und am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. Sie wurde 2016 an der Goethe-Universität Frankfurt promoviert, und hat als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Öffentliches Recht und Völkerrecht an der Universität Gießen, an der Professur für Internationale Institutionen und Friedensprozesse an der Goethe-Universität Frankfurt sowie an der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung geforscht und gelehrt. Ihre Forschungsschwerpunkte sind internationale Institutionen und (humanitäres) Völkerrecht. „Elvira Rosert über Andreas von Staden, Strategies of Compliance with the European Court of Human Rights. Rational Choice Within Normative Constraints (2018)“ weiterlesen

Stefan Oeter über Albrecht Mendelssohn Bartholdy und das Institut für Auswärtige Politik

Albrecht Mendelssohn Bartholdy wurde 1920 auf einen Lehrstuhl für Auslandsrecht und Internationales Privatrecht berufen. Im Jahr 1923 gründete er das Institut für Auswärtige Politik, das unter dem Namen Institut für internationale Angelegenheiten noch heute in der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Hamburg existiert. Die juristische Graduiertenschule trägt seinen Namen. Mendelssohn Bartholdy wurde 1933 sein Lehrstuhl, 1934 die Leitung des Instituts entzogen. Er starb 1936 im Oxforder Exil.
Ein Blogeintrag zu Mendelssohn Bartholdys “Der Volkswille” ist ebenfalls auf Politik 100×100 erschienen

Stefan Oeter ist seit 1999 Professor für Öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht an der Universität Hamburg. Er gehört zu den profiliertesten Völkerrechtlern und Föderalismus-Experten der Gegenwart. Sein hier erscheinender Beitrag ist eine adaptierte Version eines Aufsatzes in der Fakultätsfestschrift „100 Jahre Rechtswissenschaft an der Universität Hamburg“, die in diesem Jahr bei Mohr Siebeck erscheinen wird. Stefan Oeter ist Direktor des Instituts für internationale Angelegenheiten. „Stefan Oeter über Albrecht Mendelssohn Bartholdy und das Institut für Auswärtige Politik“ weiterlesen

Lisbeth Zimmermann über Antje Wiener, Contestation and Constitution of Norms in Global International Relations (2018)

Antje Wiener ist, nach Professuren an den Universitäten von Belfast und Bath, seit 2009 Professorin für Politikwissenschaft, insbesondere Global Governance, an der Universität Hamburg. 2012 hat sie gemeinsam mit James Tully die Zeitschrift Global Constitutionalism gegründet, seit 2017 ist sie By-Fellow von Hughes Hall an der Universität Cambridge. Contestation and Constitution of Norms in Global International Relations, erschienen 2018 bei Cambridge University Press, ist entstanden im Rahmen eines opus magnum-Fellowships der Volkswagen-Stiftung,

Lisbeth Zimmermann ist Professorin für Internationale Beziehungen an der Zeppelin-Universität Friedrichshafen. Sie hat 2012 an der TU Darmstadt promoviert und Forschungsprojekte an der Goethe-Universität und der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung geleitet. 2017 erschien Global Norms with a Local Face. Rule-of-Law Promotion and Norm Translation (Cambridge University Press). „Lisbeth Zimmermann über Antje Wiener, Contestation and Constitution of Norms in Global International Relations (2018)“ weiterlesen

Harald Bluhm über Leo Strauss’ Dissertation über Friedrich Heinrich Jacobi

Der Philosoph Leo Strauss hat bei Ernst Cassirer über die Erkenntnistheorie von Friedrich Heinrich Jacobi promoviert. Über Stationen in Berlin, Paris und Cambridge gelangte er an die New School for Social Research und die University of Chicago. Seine modernitätskritische Philosophie hat einen nachhaltigen Einfluss in der akademischen Politikwissenschaft und in der amerikanischen Außenpolitik gewonnen; in der politischen Ideengeschichte ist seine Unterscheidung zwischen offenen, ‚exoterischen‘ und versteckten, ‚esoterischen‘ Lehren bedeutender Philosophen weiterhin einflussreich. 1965 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg verliehen.

Harald Bluhm ist Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Herausgeber der ‚Schriften zur Europäischen Ideengeschichte‘. 2016 war er Fellow am Maimonides Centre for Advanced Studies der Universität Hamburg. Im Jahr 2000 ist er an der Humboldt-Universität mit der Schrift ‚Die Ordnung der Ordnung. Das politische Philosophieren von Leo Strauss‘ (Berlin, 2. Aufl., 2007) habilitiert worden. „Harald Bluhm über Leo Strauss’ Dissertation über Friedrich Heinrich Jacobi“ weiterlesen

Fundstück: Der Allende-Platz – ein Stück Weltpolitik in Hamburg

Bildnachweis: Foto Ervin Kondakciu

1983, elf Jahre nach dem gewaltvollen Putsch gegen den demokratisch gewählten, sozialistischen Präsidenten Chiles Salvador Allende, schicken sich zahlreiche Hamburger Aktivistinnen, darunter einige Exilchileninnen, an, dem Präsidenten auch in Deutschland ein Denkmal zu setzen. Nach zähem Ringen, zahlreichen Diskussionen und Demonstrationen wird schließlich ein Teil des Universitätscampuses in Allende-Platz umbenannt.
Das nächste Kapitel der Geschichte unseres heutigen sozialwissenschaftlichen Gebäudes, dem Allende-Platz 1, steht – wie alle anderen – unter den Zeichen der Zeit. Und auch dieses Mal geht es um die großen Fragen: Blockkonfrontation, antikoloniale Befreiung, Migration und Exilkultur sowie Kleinkriege in Bezirksfraktionen. „Fundstück: Der Allende-Platz – ein Stück Weltpolitik in Hamburg“ weiterlesen

Maren Hofius über Olaf Asbach, Europa – Vom Mythos zur Imagined Community? (2011)

Olaf Asbach ist seit 2009 Universitätsprofessor für Politikwissenschaft am Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Hamburg. Ausgehend von seiner Heisenberg-Professur “Europa und Moderne” erforscht er die ideengeschichtlichen Grundlagen der Herausbildung politischer Institutionen in Europa seit der Neuzeit. Die rezensierte Publikation steht repräsentativ für seinen Forschungsschwerpunkt zur Entstehung des modernen Europa und Europadenkens.

Maren Hofius ist ebenfalls seit 2009 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Professur für Politikwissenschaft, insbesondere Global Governance. Sie forscht zu Prozessen der Gemeinschaftsbildung und Grenzpraktiken in den internationalen Beziehungen. Sie teilt mit Olaf Asbach das Interesse an den teils widersprüchlichen und sich durch Brüche kennzeichnenden Konstruktionsprozessen von Identität im Kontext der europäischen Integration. „Maren Hofius über Olaf Asbach, Europa – Vom Mythos zur Imagined Community? (2011)“ weiterlesen

Fundstück: Michael Th. Greven ‘aus gegebenem Anlaß’

In der ersten Retrospektive heute berichtete Rainer Tetzlaff über den Hamburger “Uni-Skandal” von 2004. Dem russischen Präsidenten Vladimir Putin sollte die Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg verliehen werden, dagegen setzte sich – schließlich erfolgreich – eine Gruppe von Professorinnen, angestoßen vom Politikwissenschaftler Michael Th. Greven, ein. In diesem Fundstück findet sich nun auch der gesamte Aufruf von Michael Th. Greven samt E-Mail an die Kolleginnen.

Wir danken Rolf von Lüde für die Überlassung des Wortlauts von Michael Grevens Aufruf. Prof. Dr. Rolf von Lüde war von 1995 an Professor für Soziologie im Fachbereich Sozialwissenschaften. Er gehört zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs. Anlässlich von Vladimir Putins Teilnahme am G20-Gipfel hat er dem Deutschlandfunkt 2017 ein Interview gegeben. „Fundstück: Michael Th. Greven ‘aus gegebenem Anlaß’“ weiterlesen

Rainer Tetzlaff über den Hamburger “Uni-Skandal” 2004: Michael Th. Greven und die verhinderte Ehrendoktorwürde für Wladimir Putin

Michael Th. Greven war von 1995 bis 2012 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg, zunächst mit dem Schwerpunkt Regierungslehre, ab 2004 mit dem Schwerpunkt Politische Theorie. Die Reminiszenz von Rainer Tetzlaff beschreibt die Umstände, unter denen Michael Greven als Dekan des sozialwissenschaftlichen Fachbereichs eine Protestaktion gegen die geplante Verleihung der Ehrendoktorwürde an Vladimir Putin initiierte, die schließlich zur Absage der Verleihung führte. Der Wortlaut des Aufrufs von Michael Greven ist in diesem Fundstück zu finden, eine Würdigung von Michael Grevens theoretischen Arbeiten für 100 x 100 ist in Vorbereitung.

Rainer Tetzlaff war von 1974 bis 2006 Professor für Politische Wissenschaft am Institut für Politische Wissenschaft der Universität der Freien und Hansestadt Hamburg. Er beschäftigt sich in der Hauptsache mit Internationaler Politik und Entwicklungspolitik. Zu Rainer Tetzlaffs jüngst in der Reihe ‚Grundwissen Politik‘ erschienenem Afrika-Buch (Afrika. Eine Einführung in Geschichte, Politik und Gesellschaft. Wiesbaden 2018) erschien an dieser Stelle eine Rezension von Andreas Mehler. „Rainer Tetzlaff über den Hamburger “Uni-Skandal” 2004: Michael Th. Greven und die verhinderte Ehrendoktorwürde für Wladimir Putin“ weiterlesen

Leon Abich über Michel Foucault in Hamburg – Part I: Einführung in Kants Anthropologie

Michel Foucault leitete von 1959 bis 1960 das Hamburger Institut Français. Im Gepäck hatte er zwei unfertige Manuskripte, die er in dem Hamburger Jahr weitgehend beendete. Der folgende Beitrag widmet sich seiner Einführung in Kants Anthropologie (Paris 2008, dt. Berlin 2010), die er zusammen mit einer Übersetzung von Kants Schrift als akademische Qualifikationsarbeit einreichte. Erschienen ist auch ein weiterer Beitrag von Susanne Krasmann zu Foucaults erstem Hauptwerk, Wahnsinn und Gesellschaft, dessen abschließende Überarbeitung ebenfalls in Hamburg stattfand.

Leon Abich studiert seit 2016 im Bachelorstudiengang Sozial- und Bewegungswissenschaften auf Lehramt in Hamburg. „Leon Abich über Michel Foucault in Hamburg – Part I: Einführung in Kants Anthropologie“ weiterlesen

Andreas Mehler zu Rainer Tetzlaff, Afrika: Eine Einführung in Geschichte, Politik und Gesellschaft (2018)

Rainer Tetzlaff war von 1974 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2006 Professor für Politische Wissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen an der Universität Hamburg. Afrikanische Politik begleitet ihn von seinem Studium an bei zahlreichen Forschungsaufenthalten sowie in seinen Publikationen bis heute. Eine Publikation, ein einführendes Lehrbuch zur Geschichte, Politik und Gesellschaft Afrikas, wird hier rezensiert.

Andreas Mehler ist Direktor des Arnold-Bergstraesser-Instituts und Professor für Politikwissenschaft an der Universität Freiburg im Breisgau. Andreas Mehler hat 1993 mit einer Arbeit zum blockierten Demokratisierungsprozess in Kamerun bei Rainer Tetzlaff an der Universität Hamburg promoviert und war anschließend erst wissenschaftlicher Mitarbeiter, dann Direktor am Institut für Afrikakunde (später: GIGA Institut für Afrikastudien) in Hamburg. „Andreas Mehler zu Rainer Tetzlaff, Afrika: Eine Einführung in Geschichte, Politik und Gesellschaft (2018)“ weiterlesen

Mate Szabó über Günter Trautmann, Die hässlichen Deutschen? Deutschland im Spiegel der westlichen und östlichen Nachbarn (1991)

Günter Trautmann lehrte von 1978 bis 2001 am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. Bis zu seinem Tod im Jahr 2001 war er dort zuletzt Professor für Politische Wissenschaft. Sein Forschungsinteresse galt vor allem den Chancen und Herausforderungen der Europäischen Union und ihrer Mitgliedsstaaten nach dem Ende des Kalten Krieges. „Die hässlichen Deutschen“ ist eine Zusammenstellung verschiedener internationaler Perspektiven auf das frisch vereinte Deutschland.

Mate Szabó ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Eötvös Loránd in Budapest. Als Stipendiat der Alexander von Humboldt Stiftung forschte er zwischen 1991 und 1992 an der Universität Hamburg. Sowohl Szabós persönliche Beziehung zu Trautmann als auch seine ungarische Herkunft verleihen der Rezension eine besondere Perspektive eines östlichen Nachbarn. „Mate Szabó über Günter Trautmann, Die hässlichen Deutschen? Deutschland im Spiegel der westlichen und östlichen Nachbarn (1991)“ weiterlesen

Patricia Konrad über Petra Dobner, Wasserpolitik. Zur politischen Theorie, Praxis und Kritik globaler Governance (2010)

Petra Dobner ist Professorin für Systemanalyse und Vergleichende Politikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Davor lehrte sie zwischen 2010 und 2012 als Professorin für Regierungslehre (Fachbereich Politikwissenschaft) an der Universität Hamburg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Governance-Prozesse und Staats- und Verfassungstheorien. Ihr Buch „Wasserpolitik. Zur politischen Theorie, Praxis und Kritik globaler Governance“ ist ein wichtiger Beitrag zur Erforschung transnationaler Stakeholder-Netzwerke.

Patricia Konrad studierte Politikwissenschaft in Augsburg und Hamburg und ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) und des Initiativkreises Friedensbildung/Peacebuilding (ZNF) an der Universität Hamburg. Sie promoviert zum Thema „Präventionsstrategien genderbasierter Gewalt in bewaffneten Konflikten“. „Patricia Konrad über Petra Dobner, Wasserpolitik. Zur politischen Theorie, Praxis und Kritik globaler Governance (2010)“ weiterlesen

Podcast: Elvira Rosert über den UN-Sicherheitsrat und die Mitgliedschaft Deutschlands

Seit dem 1. Januar diesen Jahres ist Deutschland für insgesamt zwei Jahre eines von zehn nicht-ständigen Mitgliedern im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Im vergangenen April hatte die Bundesrepublik außerdem den Vorsitz des Organs inne. Mit Elvira Rosert sprechen wir im neuen podcast auf Politik100x100 über den Vorsitz und welche Initiativen die Bundesregierung und ihre Diplomatinnen voranbringen konnten – etwa eine Resolution gegen sexualisierte Gewalt. Außerdem beleuchten wir die strukturelle Organisation des Sicherheitsrates, mögliche Reformperspektiven und die wissenschaftliche Reflexion internationaler Politik in Theorie und Praxis (Moderation: David Weiß, Technik: Jonathan Deupmann).

Elvira Rosert ist seit 2017 Juniorprofessorin am Fachgebiet Politikwissenschaft und arbeitet im ebenfalls im podcast besprochenen Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik Hamburg (IFSH). Neben der Arbeit an internationalen Institutionen lehrt und forscht sie zu Fragen humanitärer Rüstungskontrolle sowie internationalen Normen – ihre Dissertation beschäftigte sich etwa mit der langjährigen Nicht-Entstehung des Verbotes von Streumunition.

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Fundstück: Der Pferdestall im Nationalsozialismus

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Nach kurzer Blüte in den 1920er und frühen 1930er-Jahren ist auch der ehemalige Pferdestall am Bornplatz ab 1933 Gegenstand nationalsozialistischer Umwerfungen in Politik und Wissenschaft. Wissenschaftlerinnen werden vertrieben, die Institutsstruktur im Gebäude radikal transformiert und die ‘Schutzpolizei’ zieht Mitte der 1930er-Jahre im Erdgeschoss ein. Im neuen Fundstück zur Geschichte unseres Institutsgebäudes erinnern wir an die dunklen Jahre des deutschen Faschismus, wie auch die Verankerung der Universität und insbesondere unseres Gebäudes in das ehemalige jüdische Viertel Hamburgs, dem Grindelviertel. „Fundstück: Der Pferdestall im Nationalsozialismus“ weiterlesen

Dirk Jörke über Jens Hacke, Existenzkrise der Demokratie (2018)

Jens Hacke ist Ideenhistoriker und mit Schriften zum Politischen Denken der Weimarer Zeit und in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit bekannt geworden. Von 2008 bis 2016 war er am Hamburger Institut für Sozialforschung tätig. 2017 ist er mit der „Existenzkrise der Demokratie“, die mittlerweile in dritter Auflage bei Suhrkamp vorliegt, an der Berliner Humboldt-Universität habilitiert worden; seit 2018 vertritt er die Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Greifswald.

Dirk Jörke ist seit 2014 Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Technischen Universität Darmstadt und leitet dort den M.A. Studiengang Politische Theorie, der in Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt angeboten wird. Er hat in Hamburg Politikwissenschaft studiert, bei Udo Bermbach und Rainer Schmalz-Bruns seine Magisterarbeit verfasst und im Jahr 2011 die Theorieprofessur von Michael Th. Greven am Institut für Politikwissenschaft vertreten. Im Mai 2019 erscheint bei Suhrkamp sein Buch Die Größe der Demokratie. „Dirk Jörke über Jens Hacke, Existenzkrise der Demokratie (2018)“ weiterlesen

Hannah Arendt in Hamburg: Clara Maier zur Rede bei der Verleihung des Lessingpreises 1959

Hannah Arendt gehört zu den bedeutenden Politischen Theoretikern des 20. Jahrhunderts. Ihre Hamburger Rede vom 28. September 1959 trägt den Titel ‘Von der Menschlichkeit in finsteren Zeiten’“. Zusammen mit flankierenden Texten ist ihre Lessingrede, herausgegeben von Matthias Bormuth, in diesem Jahr bei Matthes und Seitz (Berlin) in dem Buch ‚Freundschaft in finsteren Zeiten‘ neu erschienen.

Clara Maier ist Ideenhistorikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hamburger Institut für Sozialforschung und hat 2016 an der Universität Cambridge zu Debatten um den „Deutschen Sonderweg“ promoviert. Sie ist Autorin von „Gehegte Demokratie. Zur Idee des Rechtsstaats in Deutschland und Spanien“, Mittelweg 36 (2018). „Hannah Arendt in Hamburg: Clara Maier zur Rede bei der Verleihung des Lessingpreises 1959“ weiterlesen

Podcast: Drittes Fachbereichstreffen zum Thema: Aufgabe und Funktion sozialwissenschaftlicher Lehre und Forschung in Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs

Regelmäßig organisiert der Fachschaftrat Sozialwissenschaften, die studentische Vertretung  für die Studierenden der Soziologie und Politikwissenschaft, Fachbereichstreffen zu aktuellen Entwicklungen in Wissenschaft und Gesellschaft. Dies soll den statusgruppenübergreifenden Austausch über Herausforderungen für Lehre und Forschung weiter befördern. Nach Diskussionsveranstaltungen zur Identitären Bewegung und Normativität in der wissenschaftlichen Arbeit, stand im April das dritte Fachbereichstreffen zu Fragen wissenschaftlicher Erkenntnistheorie und Methoden an. Prof. Kai-Uwe Schnapp (Programmdirektion Politikwissenschaft), Prof. Stefanie Kley (Programmdirektion Soziologie), Dr. Andreas Busen (Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Politikwissenschaft) und Nadia Abd El Hafez (Studentin, Soziologie) diskutierten über Fragen nach Aufgabe und Funktion wissenschaftlicher Lehre und Forschung in gesellschaftlichen Umbrüchen. Moderiert hat Sina Berg (Studentin, Politikwissenschaft) (Aufnahme vom 8. April 2019).

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Angelika Golegos und Christos Makrodimitris über Clara und William Stern, Die Kindersprache: Eine psychologische und sprachtheoretische Untersuchung (1907)

William Stern ist eine prägende Figur in der Geschichte der Universität Hamburg. Unter anderem war er an der Gründung der Universität im Jahr 1919 beteiligt und Inhaber des ersten Lehrstuhls für Philosophie und Psychologie. Clara Stern veröffentlichte gemeinsam mit William Stern zwei Monographien auf dem Gebiet der Entwicklungspsychologie. Für ihre Studie „Die Kindersprache“ rekonstruierten die Sterns die Sprachentwicklung ihrer Kinder, zu denen Günther Stern, der spätere Philosoph Günther Anders, gehörte.

Angelika Golegos und Christos Makrodimitris sind Absolventen des Masterstudiengangs Mehrsprachigkeit und Bildung/MOTION an der Universität Hamburg. Derzeit promoviert Christos Makrodimitris an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Angelika Golegos an der Universität Konstanz. „Angelika Golegos und Christos Makrodimitris über Clara und William Stern, Die Kindersprache: Eine psychologische und sprachtheoretische Untersuchung (1907)“ weiterlesen

Patrick Samtlebe über Ralf Bambach, Der französische Frühsozialismus (1984)

Ralf Bambach studierte Sozialwissenschaften in Hamburg und Paris. Er spezialisierte sich auf Politikwissenschaft und die Geschichte der Philosophie und des öffentlichen Rechts. Seit den 1980er Jahren engagiert sich Bambach in der politischen Erwachsenenbildung und Beratung im Bereich der Sicherheitspolitik. Seine Promotion von 1984 lieferte einen systematischen Einblick in die Zeit des französischen Frühsozialismus.

Patrick Samtlebe studierte Politikwissenschaft in Hamburg und ist seit 2017 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Heisenberg-Professur Europa und Moderne. Seine nachfolgende Rezension zur Promotion von Ralf Bambach steht der Sorgfalt und Genauigkeit der Schrift in nichts nach.

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Podcast: Jan Wilkens über die Parlamentswahlen in Israel

Am vergangenen Dienstag, den 09. April, konnte Benjamin Netanjahus rechtes Wahlbündnis einen weiteren Sieg bei den Parlamentswahlen in Israel verzeichnen. Der nun dienstälteste israelische Ministerpräsident ist jedoch angeschlagen – durch Korruptionsvorwürfe, vor allem aber aufgrund des sich weiter zuspitzenden Konflikts zwischen Israel und Palästina. Im neuen Podcast auf Politik100x100 berichtet Jan Wilkens über die aktuellen Entwicklungen in Israel, die großen Identitätsfragen sowie die Rolle von Wissenschaft und europäischem Diskurs in der problematischen Aufrechterhaltung von Narrativen (Moderation: David Weiß).

Jan Wilkens ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Global Governance. 2018 hat er zur Transnationalisierung der zivilgesellschaftlichen Konflikte in Syrien promoviert. Auch diese Arbeit stellt er neben der Forschung des Global Governance-Teams zu normativen Fragen der Internationalen Politik, Kontestation und Praxistheorien vor.

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Frank Nullmeier über Joachim Raschke, Soziale Bewegungen. Ein historisch-systematischer Grundriß (1985)

Joachim Raschke hat 1985 die erste umfassende politikwissenschaftliche Monographie zum Thema Soziale Bewegungen verfasst. 1993 erschien seine Studie über „Die Grünen. Wie sie wurden, was sie sind“ und 2007 (zusammen mit Ralf Tils) „Politische Strategie. Eine Grundlegung“. Raschke war von 1975 bis 2001 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg und ist heute in der Agentur für Politische Strategie (APOS) tätig.

Frank Nullmeier ist Professor für Politikwissenschaft (Politisches System der Bundesrepublik Deutschland und Staatstheorie) an der Universität Bremen. Er studierte von 1975 bis 1980 in Hamburg und hat dort 1989 mit der Arbeit „Von Max Weber zu Konzepten einer Intelligenz- und Wissenspolitologie“ promoviert. Von 1991 bis 1997 war er Hochschulassistent am Institut für Politische Wissenschaft. Seine Habilitationsschrift ist unter dem Titel „Politische Theorie des Sozialstaats“ publiziert worden.

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Fundstück: Vertreibung an der Universität Hamburg – Das “Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums” vom 7. April 1933

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Heute vor 86 Jahren, am 7. April 1933, erlässt die nationalsozialistische Regierung von Adolf Hitler im ganzen Reichsgebiet das “Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums”. Mit dieser Anordnung sollten “nicht-arische” und sonstige politisch unerwünschte Beamte aus dem Staatsdienst entlassen werden. Auch die Hamburgische Universität führte die Säuberungsaktionen durch, unter anderem betroffen war Siegfried Landshut, der noch 1933 entlassen und ins Exil getrieben wurde und erst knapp zwanzig Jahre später nach Hamburg zurückkehren konnte. „Fundstück: Vertreibung an der Universität Hamburg – Das “Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums” vom 7. April 1933“ weiterlesen

Anton F. Guhl & Malte Habscheidt: Die wundersame Planungsgeschichte des zweiten Philosophenturms der Universität Hamburg

Am 1. April 1975 war es endlich soweit: Rund zwölf Jahre, nachdem mit dem „Philosophenturm“ das bis dahin größte Gebäude der Universität eingeweiht worden war, konnte mit dem „zweiten Philosophenturm“ der drängende Raummangel der Universität endgültig behoben werden. Wissenschaftssenator Ulrich Karpen (CDU) betonte bei der festlichen Einweihung des Verfügungsgebäudes V (umgangssprachlich: Philo II), dass nun die Geisteswissenschaften in Hamburg zukunftsfähig gemacht worden seien.

Anton F. Guhl ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Karlsruher Institut für Technologie, 2015 wurde ihm der Berenberg-Preis für Wissenschaftssprache verliehen. Seine Hamburger Dissertation über die Entnazifizierung der dortigen Universität wurde 2017 mit dem Förderpreis der Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik ausgezeichnet; sie erscheint am 21. Mai 2019 im Wallstein Verlag.
Malte Habscheidt, M.A., Historiker und Journalist, ist Referent in der Öffentlichkeitsarbeit der Diakonie Hamburg. Er arbeitet an einer Dissertation zum Hamburger Universitätsgesetz von 1969. 2013 erschien der von ihm mitherausgegebene Band „Gelebte Universitätsgeschichte. Erträge jüngster Forschung. Eckart Krause zum 70. Geburtstag”, seit 2015 ist er gewähltes Vorstandsmitglied des Vereins für Hamburgische Geschichte. „Anton F. Guhl & Malte Habscheidt: Die wundersame Planungsgeschichte des zweiten Philosophenturms der Universität Hamburg“ weiterlesen

Podcast: Patrick Köllner über Nordkorea, Gipfeltreffen und die nordostasiatische Konstellation

2017, nach der Amtseinführung von US-Präsident Trump und erneuten Raketentest der nordkoreanischen Staatsführung, droht eine weitere Eskalation des Konflikts mit Nordkorea. Doch 2018 folgt dann das “Jahr der Gipfeltreffen” und kleine Fortschritte hin zu einer Normalisierung der Beziehungen zu Nordkorea zeichnen sich ab.
Wie wahrscheinlich eine solche Normalisierung auch noch nach dem zweiten Gipfel zwischen Trump und Kim Jong Un im Februar in Hanoi, Vietnam scheint und wie die politischen Entwicklungen auf der koreanischen Halbinsel generell zu bewerten sind, besprechen wir in unserem Podcast auf Politik100x100 mit Patrick Köllner (Moderation: David Weiß).

Patrick Köllner ist seit 2011 Professor für Politikwissenschaft, insbesondere Asien-Studien an der Universität Hamburg. Er leitet das Institut für Asien-Studien am Hamburger Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien (GIGA). Auch zur Arbeit des GIGA als Forschungsinstitut und Think Tank berichtet Patrick Köllner im Podcast. „Podcast: Patrick Köllner über Nordkorea, Gipfeltreffen und die nordostasiatische Konstellation“ weiterlesen

Andreas Grimmel über Christine Landfried: Das politische Europa – Differenz als Potential der Europäischen Union (2002)

Christine Landfried lehrte von 1991 bis 2014 Vergleichende Regierungslehre am Institut für Politikwissenschaft der Universität Hamburg. Mit ihrem vielbeachteten Werk zur Europäischen Union, das inzwischen in der dritten Auflage erscheint, widmet sie sich einem lange vernachlässigten und zugleich hochaktuellen Thema: den Potenzialen von Differenz im politischen Prozess der europäischen Integration.

Andreas Grimmel ist Forschungsdirektor am Institute for European Integration des Europa-Kollegs in Hamburg und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft der Universität Hamburg. Nach dem Studium der Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft und Philosophie hat er im Jahr 2012 mit einer Arbeit über die “Europäische Integration im Kontext des Rechts” in Hamburg (Wiesbaden: Springer VS, 2014) promoviert.

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Christina Kuhli: Erinnerungskultur in Bildern – Constantin Hahms Bilder im Pferdestall

Bildnachweis: Fotografie von Reinhard Scheiblich und Karin Plessing

In seiner über einhundertjährigen Geschichte ist der Pferdestall, das Gebäude der Hamburger Sozialwissenschaften, von den Entwicklungen der Zeit geprägt worden. Die Spannung von Krieg und Vernichtung jüdischen Lebens versus der Bildung, Wissenschaft und Aufklärung in gesellschaftlicher Verantwortung sind in seine Grundfesten eingeschrieben – nicht zuletzt aufgrund der Kunst von Constantin Hahm. Die Wandgemälde von Hahm, die seit 1988 im ganzen Gebäude zu sehen sind, be- und verarbeiten das Verhältnis von Politik, Gesellschaft und Wissenschaft und sind, so Christina Kuhli, Mahnung und Auftrag zugleich.

Christina Kuhli ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg. Sie hat 2012 mit einer Arbeit über Giorgio Vasaris Viten an der Universität Frankfurt a. M. promoviert, war Postdoc im SFB 948 “Helden, Heroisierungen und Heroismen” an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. und ist seit 2016 an der Universität Hamburg, wo sie u.a. die Kunstwerke der Universität betreut.

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Burkhard Conrad über die ‘Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen’ in der Hamburger Politikwissenschaft

Mitte der 1990er Jahren erscheinen drei wegweisende, am Hamburger Institut als Dissertationen eingereichte Monographien zur Kriegsursachenforschung: Jens Siegelbergs Kapitalismus und Krieg. Eine Theorie des Krieges in der Weltgesellschaft (1994), Dietrich Jungs Tradition – Moderne – Krieg. Grundlegung einer Methode zur Erforschung kriegsursächlicher Prozesse im Kontext globaler Vergesellschaftung (1995) sowie Klaus Schlichtes Krieg und Vergesellschaftung in Afrika. Ein Beitrag zur Theorie des Krieges (1996). Siegelberg arbeitet heute als Publizist und Consultant, Jung ist an der University of Southern Denmark in Odense, Klaus Schlichte an der Universität Bremen tätig.

Burkhard Conrad OPL ist Mitglied der Laiengemeinschaft des Dominikanerordens und Mitarbeiter im Erzbistum Hamburg. Er promovierte in Hamburg bei Cord Jakobeit, Michael Greven und Kari Palonen mit der Arbeit „Der Augenblick der Entscheidung. Zur Geschichte eines politischen Begriffs“. Er schreibt den ideengeschichtlichen Blog „rotsinn“. „Burkhard Conrad über die ‘Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen’ in der Hamburger Politikwissenschaft“ weiterlesen

Fundstück: Magdalene Schoch – Portrait

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Magdalene Schoch wurde 1932 als erste Frau an einer rechtswissenschaftlichen Fakultät in Deutschland an der Hamburgischen Universität habilitiert. Über Schochs Leben und Wirken in Hamburg, ihre Zusammenarbeit mit Albrecht Mendelssohn Bartholdy am “Institut für Auswärtige Politik” sowie ihre US-amerikanische Identität – unser nächstes Archivfundstück. „Fundstück: Magdalene Schoch – Portrait“ weiterlesen

Thomas Meyer über das Davoser Treffen von Martin Heidegger und Ernst Cassirer

Martin Heidegger, der tief in Süddeutschland verwurzelte Seinsphilosoph, trifft 1929 in Davos auf den Hamburger Kulturphilosophen Ernst Cassirer. Es ist ein konfliktreiches Treffen, das als Divoser Disput in die moderne Philosophiegeschichte eingeht und den Höhepunkt der Beziehung darstellt. Die Auseinandersetzung zwischen Cassirer und Heidegger hat jedoch eine wenig bekannte Vorgeschichte, die in Hamburg beginnt. Ohne sie wird das vermeintliche Großereignis nicht verständlich. Deshalb sei hier ausführlicher auf sie eingegangen.

Dr. Thomas Meyer lehrt an der Ludwigs-Maximilian-Universität München am Lehrstuhl für Philosophie unter den Schwerpunkten Ideengeschichte und jüdische Philosophie des 19./20. Jahrhundert sowie Kulturphilosophie. Er ist Biograph von Ernst Cassirer (Hamburg 2006) und ist in jüngerer Zeit mit Essays zu Hannah Arendt hervorgetreten, unter anderem in Arendts ‚Wir Flüchtlinge‘ und ‚Die Freiheit, frei zu sein‘ (beide Stuttgart 2018).

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Sebastian Huhnholz über Andreas Anter, Max Webers Theorie des modernen Staates (1993)

Andreas Anters einflussreiche Hamburger Dissertation von 1993 liegt inzwischen in dritter, aktualisierter Auflage auf Deutsch und unter dem Titel Max Weber’s Theory of the Modern State. Origins, Structure, and Significance. Basingstoke/New York: Palgrave Macmillan 2014 auf Englisch vor. Nach seiner Promotion war Anter Lektor bei Rowohlt und Programmleiter bei Reclam, bevor er in Leipzig seine Habilitationsschrift einrichte. Anter ist seit 2013 Professor für politische Bildung an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt.

Sebastian Huhnholz, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Lehrbereichs Politische Ideengeschichte und Theorien der Politik an der Leibniz-Universität Hannover, studierte an der Humboldt-Universität Sozialwissenschaften, promovierte an der LMU München und lebt in Hamburg. Seine Studie „Dschihadistische Raumpraxis“ erschien als Band 12 von Michael Th. Grevens Reihe „Politische Theorie“. „Sebastian Huhnholz über Andreas Anter, Max Webers Theorie des modernen Staates (1993)“ weiterlesen

Fundstück: Der Pferdestall wird Universitätsgebäude

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Nach zwei Jahrzehnten Nutzung als Pferdestall bekommt auch das stattliche Gebäude am Bornplatz, der heutigen Heimat der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg, die rapiden sozioökonomischen und politischen Umbrüche der 1910er und 20er Jahre zu spüren. Die nächsten Archivfundstücke mit Impressionen des Pferdestallumbaus 1928 sowie den ersten Jahren wissenschaftlicher Arbeit im dann zum nurmehr Mythos gewordenen “Pferdestall”. „Fundstück: Der Pferdestall wird Universitätsgebäude“ weiterlesen

Rainer Schmalz-Bruns über Hans-Hermann Hartwich und die Stellung des Hamburger Instituts in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW)

Hans-Hermann Hartwich hatte von 1973 bis zu seiner Emeritierung 1995 den Lehrstuhl für Innenpolitik an der Universität Hamburg inne. 1982 bis 1988 war er Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft. Nach der deutschen Vereinigung übernahm er bis 1994 das Gründungsdekanat “Philosophie und Sozialwissenschaften” an der Martin-Luther-Universität Halle an der Saale. Hartwich starb am 12. Oktober 2018, wenige Wochen vor seinem 90. Geburtstag.
Einen Beitrag zu Hans-Hermann Hartwich in der politischen Bildung hat Tilmann Grammes auf Politik100x100 veröffentlicht

Rainer Schmalz-Bruns ist Professor für Politische Ideengeschichte und Theorien der Politik an der Leibniz-Universität Hannover. Er hat in Hamburg Politikwissenschaft studiert, 1986 mit einer Arbeit zur „Praxistheorie im Widerstreit“ promoviert und sich 1994 mit einer Studie zur „Reflexiven Demokratie“ habilitiert. Schmalz-Bruns war langjähriger Sprecher der Theoriesektion in der DVPW und von 2010-2016 Redaktionsleiter der Politischen Vierteljahresschrift. „Rainer Schmalz-Bruns über Hans-Hermann Hartwich und die Stellung des Hamburger Instituts in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW)“ weiterlesen

Florian Grotz über Winfried Steffani, Parlamentarische und präsidentielle Demokratie. Strukturelle Aspekte westlicher Demokratien (1979)

Winfried Steffani (1927-2000) lehrte von 1967 bis 1990 als Nachfolger von Wilhelm Hennis Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. In seiner vor 40 Jahren erschienenen Aufsatzsammlung über parlamentarische und präsidentielle Demokratie hat er konzeptionelle Unterscheidungen getroffen, die für die Vergleichende Regierungslehre wegweisend waren. Daher gilt das Buch noch heute als ein Schlüsselwerk der Teildisziplin.

Florian Grotz ist seit 2013 Inhaber des Lehrstuhls für Politikwissenschaft, insbesondere Vergleichende Regierungslehre an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr Hamburg. Nach einem Studium der Politikwissenschaft, Slawistik und Philosophie an der Universität Heidelberg wurde er dort 1999 promoviert und habilitierte sich 2007 an der Freien Universität Berlin. „Florian Grotz über Winfried Steffani, Parlamentarische und präsidentielle Demokratie. Strukturelle Aspekte westlicher Demokratien (1979)“ weiterlesen

Klaus Schlichte zu Klaus Jürgen Gantzel und der Hamburger Kriegsursachenforschung

Die Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung war seit der Gründung in den 1980er-Jahren ein unverzichtbarer Teil der Hamburger Politikwissenschaft. In seiner Retrospektive zeichnet Klaus Schlichte die Gründung durch Professor Klaus Jürgen Gantzel und die wichtigsten Forschungsbeiträge der Hamburger Kriegsursachenforschung nach – Beiträge für die akademische Aufarbeitung und politische Bekämpfung von Kriegsursachen.

Klaus Schlichte ist seit 2010 Inhaber des Lehrstuhls „Internationale Beziehungen: Politik in der Weltgesellschaft“ am Institut für Interkulturelle und Internationale Studien an der Universität Bremen. Von 1985 bis 1992 studierte Schlichte Politikwissenschaft, Philosophie, Afrikanistik und Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg, in den 1990er Jahren war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter von Klaus Jürgen Gantzel und Lehrbeauftragter am Institut.

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Ervin Kondakciu: Bericht zum Workshop – Understanding Solidarity – New Challenges, New Approaches

The international workshop Understanding Solidarity – New Challenges, New Approaches was organised by Andreas Busen (Universität Hamburg) and Stefan Wallaschek (BIGSSS, Universität Bremen) and took place in Hamburg from the 25 to the 27 of January 2019. The main goals of the workshop were to provide a forum for discussing innovative ideas and to facilitate the dialogue between experts in the field of solidarity working in different academic disciplines.[1][2]

Ervin Kondakciu, who wrote this report, is a Research Associate and PhD candidate at the chair of Political Theory at the University of Hamburg.[3] „Ervin Kondakciu: Bericht zum Workshop – Understanding Solidarity – New Challenges, New Approaches“ weiterlesen

Podcast: Kai-Uwe Schnapp zu Quo vadis Bundespolitik?

Am 7. Dezember 2018 wird Annegret Kramp-Karrenbauer auf dem CDU-Parteitag in den Hamburger Messehallen zur neuen CDU-Vorsitzenden gewählt. Sie kann sich knapp gegen Friedrich Merz durchsetzen und beerbt damit Angela Merkel als Parteivorsitzende.
Nur wenig Tage zuvor erklimmen die Grünen erstmals die 20%-Marke in den Umfragen auf Bundesebene – das beste Ergebnis ihrer knapp vierzigjährigen Geschichte – und bestätigen damit den mittelfristigen Trend, der sie als zweitstärkste Kraft in der Bundesrepublik zu etablieren scheint.
Diese und weitere Themen – die 2019 anstehenden Landtagswahlen, der “AfD-Effekt” und eine sich transformierende Parteienlandschaft – besprechen wir mit Kai-Uwe Schnapp im ersten Podcast auf Politik100x100 (Moderation: David Weiß).

Kai-Uwe Schnapp ist seit 2008 Professor für Politikwissenschaft, insbesondere Methoden, am Fachgebiet Politikwissenschaft. Er forscht u.a. zu Methoden der Stichprobenziehung und der Rolle von Verwaltungen in repräsentativen demokratischen Systemen. Außerdem leitet er das Projektbüro Sozialforschung der Universität Hamburg. Auch über diese Themen berichtet Kai-Uwe Schnapp im Podcast.

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Fundstück: Als der Pferdestall noch Pferdestall war

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Die Politikwissenschaft an der Universität Hamburg ist heute im Allende-Platz 1 beheimatet – oder auch: “dem Pferdestall”. Im ersten Fundstück zur Gebäudegeschichte werden die 1910er-Jahre beleuchtet: Die Firma Schlüter & Söhne, der Bau des Gebäudes und letztlich, warum der Pferdestall Pferdestall heißt.
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Reinhard Mehring zu Carl Schmitt, Hamburg und der hanseatischen „Existenz“: eine Trennungsgeschichte?

Carl Schmitt (1888-1985) war ein bedeutender deutscher Staatsrechtler und einflussreicher Apologet und Unterstützer des Nationalsozialismus. Wenngleich die meisten seiner Bücher im Berliner Duncker & Humblot-Verlag erschienen, platzierte Schmitt seine radikalsten nationalsozialistischen Veröffentlichungen in der Hanseatischen Verlagsanstalt Wandsbek. Auf Schmitts staats- und völkerrechtliche Werke und auf seine politiktheoretischen Arbeiten beziehen sich noch heute diverse Theorieschulen. Wenig bekannt sind die intensiven Beziehungen, die Schmitt nach Hamburg unterhielt.

Reinhard Mehring, Professor für Politikwissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, ist der wohl gründlichste Kenner von Schmitts Werk und Archiv. Seine Biographie Carl Schmitt: Aufstieg und Fall erschien 2009. In diesem Beitrag geht er der biographisch überraschend repräsentativen Beziehung Schmitts zu Hamburg nach.

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Fundstück: Siegfried Landshut – Portrait

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Im Sommersemester 1951 wird der erste „Lehrstuhl für die Wissenschaft von der Politik“ an der Universität Hamburg eingerichtet. Inhaber dieses Lehrstuhls – einer der ersten in der Bundesrepublik – wird Siegfried Landshut. Ihm ist das erste Archivfundstück unserer Bildergalerie gewidmet.

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Birgit Recki: Das lange Jahrzehnt der Philosophie. Ernst Cassirer in Hamburg

Ernst Cassirer (1874-1945) war von 1919 bis 1933 Professor für Philosophie an der Hamburgischen Universität. In dieser Zeit entstand sein Hauptwerk, die Philosophie der symbolischen Formen (1923-1929).
In Ihrem Vortrag – gehalten am 08. Januar 2019 im Rahmen der Ringvorlesung “(Fast) 100 Jahre Universität Hamburg” – präsentiert Birgit Recki Cassirer als Denker, der von der Philosophie der Kultur zum Freiheitsbegriff und zur politischen Philosophie voranschreitet.

Birgit Recki ist seit 1997 Professorin für Philosophie an der Universität Hamburg. Sie ist Herausgeberin der Gesammelten Werke Cassirers in der Hamburger Ausgabe.

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Andreas Anter über Wilhelm Hennis, Richtlinienkompetenz und Regierungstechnik (1964)

Wilhelm Hennis (1923-2012) wurde 1962 als zweiter Professor für Politikwissenschaft an die Universität Hamburg berufen. Mit der Berufung von Hennis wurde die Regierungslehre als ein Schwerpunkt des Hamburger Fachgebiets begründet.
In seiner 1964 erschienen, einzigen Hamburger Monographie setzt sich Hennis mit der Regierungstechnik der Bundeskanzler Adenauer und Erhard und der zentralen Bedeutung der Informationsbeschaffung für die Regierungskunst auseinander.

Andreas Anter ist Inhaber des Lehrstuhls für Politische Bildung an der Universität Erfurt. Andreas Anter hat 1994 mit einer Arbeit über Max Weber an der Universität Hamburg promoviert und war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Politische Theorie. „Andreas Anter über Wilhelm Hennis, Richtlinienkompetenz und Regierungstechnik (1964)“ weiterlesen

Politik 100×100

Willkommen auf dem Blog Politik 100×100 des Fachgebiets Politikwissenschaft der Universität Hamburg.

Über das Jahr 2019 verteilt werden hier – anlässlich des einhundertjährigen Gründungsjubiläums der Universität – 100 Blogeinträge in Text-, Bild- und Podcastformat zu Themen rund um die Politikwissenschaft in Hamburg erscheinen: Retrospektiven zu Ereignissen in der Geschichte des Fachgebiets, Rezensionen bedeutender Werke, Fundstücke zur studentischen Geschichte, Informationen zu Entwicklungen im Fach sowie vieles mehr. Dabei geht es uns auch um die Bezüge der Politikwissenschaft zu einem weiteren akademischen und intellektuellen Kontext. Kontaktaufnahmen und Vorschläge willkommen unter politik100x100.wiso@uni-hamburg.de.

Aktuelle Informationen zur Politikwissenschaft an der Universität Hamburg finden sich auch auf dem offiziellen Twitteraccount des Fachgebiets:
Politikwissenschaft Universität Hamburg @PolitikUHH