Jonas Barchfeld über Internationale Politische Theorie in Hamburg. Eine Diskussion von Antje Wieners ‘Kontestation’ und Peter Niesens ‘konstituierender Macht’

Internationale Politische Theorie ist ein neues Querschnittsgebiet der Politikwissenschaft, das im Schnittpunkt von Internationalen Beziehungen, Politischer Theorie und Völkerrecht verortet ist. An der Universität Hamburg ist Internationale Politische Theorie einer von zwei möglichen Schwerpunkten des Master-Studiums in Politikwissenschaft (neben den Vergleichenden und Regionalstudien). Antje Wiener und Peter Niesen haben sich bereits früh an den Diskussionen über die Herausbildung der Subdisziplin beteiligt, vgl. das Schwerpunktheft der Zeitschrift für Internationale Beziehungen.

Jonas Barchfeld hat in Osnabrück einen BA in Politikwissenschaft erworben. Er studiert im MA Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. „Jonas Barchfeld über Internationale Politische Theorie in Hamburg. Eine Diskussion von Antje Wieners ‘Kontestation’ und Peter Niesens ‘konstituierender Macht’“ weiterlesen

Podcast: Politischer Extremismus – Ergebnisse eines Praxisseminars

In dieser neuen podcast-Serie präsentieren wir die Ergebnisse des Vertiefungsseminars “Politischer Extremismus”, in dem sich Studierende vom Fachbereich mit verschiedenen Dimensionen von Extremismen beschäftigten. Die Studierenden steckten sich im Seminar einen Rahmen darüber ab, was bereits über Extremismus bekannt ist, was herausgefunden werden soll und welche Methoden sich dafür am besten eignen. Anschließend haben sich Kleingruppen in bestimmte Themenbereiche eingearbeitet, Forschungsfragen entwickelt und bearbeitet; die Ergebnisse der Kleingruppe werden in diesen Podcastfolgen aufbereitet.
Der Serie, die insgesamt sechs Projektarbeiten sowie einen ebenfalls im Seminarkontext entstandenen Dokumentarfilm vorstellt, wurde von Jonathan Deupmann konzipiert, produziert und moderiert.

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Die neue Lust an der Barbarei: Jörg Ebrecht und Christine Hentschel über Max Miller und Hans-Georg Soeffner (Hg.), Modernität und Barbarei. Soziologische Zeitdiagnose am Ende des 20. Jahrhunderts (1996)

Max Miller war von 1992 bis zu seiner Emeritierung 2009 Inhaber des Lehrstuhls für Soziologische Theorien an der Universität Hamburg. Seither lehrt er an der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Die Schwerpunkte seiner Arbeit in Forschung und Lehre sind moderne Gesellschaftstheorien, Theorien eines kollektiven (diskursiven, systemischen) Lernens sowie Theorien der sozialen Evolution. Von 1995 bis 2000 war er Sprecher der Sektion Soziologische Theorien der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS).

Jörg Ebrecht, Diplomsoziologe, ist Studienkoordinator der Soziologie und Kriminologie an der Universität Hamburg. Christine Hentschel ist seit 2016 Professorin für Kriminologie, insbesondere Sicherheit und Resilienz.

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Eine ‚Logik der Sache selbst’? Jörg Meyer über den „Hamburger Ansatz“ der Kriegsursachenforschung (Jung, Schlichte und Siegelberg 2003)

Der Hamburger Ansatz der Kriegsursachenforschung wurde in den 1990er Jahren von Jens Siegelberg, Dietrich Jung und Klaus Schlichte im Zusammenhang der von Klaus Jürgen Gantzel gegründeten „Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung“ (AKUF) entwickelt. Siegelberg arbeitet heute als Publizist und Consultant, Jung ist an der University of Southern Denmark in Odense und Schlichte an der Universität Bremen tätig.

Jörg Meyer ist seit 2008 Mitarbeiter am Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Hamburg.

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„Gibt es einen erlaubten Krieg?“ Oliver Vornfeld über Gerhard Beestermöller, Thomas von Aquin und der gerechte Krieg (1990)

Das Institut für Theologie und Frieden wurde 1978 in Hamburg gegründet und setzt sich in interdisziplinären Forschungsprojekten und Publikationen mit Fragen von Krieg, Friedensgefährdung und Frieden auseinander. In seiner umfangreichen Bibliothek sammelt es theologische und philosophische Literatur zum Thema Frieden. Als Einrichtung in der Trägerschaft der Militärseelsorge berät es die katholische Kirche in friedensethischen Fragen. Gerhard Beestermöller ist dem Institut seit 1984 verbunden. Zwischenzeitlich war der katholische Theologe stellvertretender Direktor, inzwischen ist er Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Instituts. Seit 2014 ist Beestermöller Professor für Moraltheologie und Sozialethik am Centre Jean XIII (Luxemburg). In seiner Dissertation rekonstruiert er den politiktheoretisch-ideengeschichtlichen Gehalt von Thomas von Auqins theologischem Hauptwerk.

Oliver Vornfeld studierte Soziologie und Religionswissenschaft und studiert Evangelische Theologie an der Universität Hamburg. 2019 wurde ihm der Förderpreis des Fördervereins des Fachbereichs Evangelische Theologie der Universität Hamburg für eine Arbeit über John Deweys Berufspädagogik verliehen.

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Dina Delgado über Andreas Busen und Alexander Weiß (Hg.), Ansätze und Methoden zur Erforschung politischen Denkens (2013)

Andreas Busen und Alexander Weiß gehören zu den wichtigen Stimmen in der neueren Debatte über die Methoden der Politischen Theorie und Ideengeschichte. Andreas Busen ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Europa und Moderne, Universität Hamburg. Zuvor studierte er in Augsburg und am Nuffield College (Universität Oxford). Im Jahre 2016 promovierte Busen mit einer Arbeit mit dem Titel Solidarität und die Verwirklichung von Freiheit und Gleichheit. Zur Bedeutung eines vernachlässigten Konzepts in der politischen Theorie und Praxis an der Universität Hamburg. Alexander Weiß hat mit einer Arbeit zur Theorie der Parlamentsöffentlichkeit in Göttingen promoviert und sich 2017 an der Universität Hamburg, wo er als langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Politischen Theorie tätig war, mit Schriften zur Vergleichenden Demokratietheorie habilitiert. Mit Sophia Schubert gab er ein PVS-Sonderheft zu Demokratie jenseits des Westens heraus. Weiß ist Mitgründer und Sprecher der Themengruppe „Transkulturell vergleichende Politische Theorie“ in der DVPW.

Dina Delgado, studiert an der Universität Hamburg Politikwissenschaft im Bachelor. Ihr besonderes Interesse gilt der normativen politischen Theorie.

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Bernd Ladwig über Jan Philipp Reemtsma, Mehr als ein Champion. Über den Stil des Boxers Muhammad Ali (2013)

Jan Philipp Reemtsma lehrt Neuere Deutsche Literatur an der Universität Hamburg und ist Gründer des Hamburger Instituts für Sozialforschung, dessen Direktor er von 1990 bis 2015 war. Der exzellente Kenner der Werke von Christoph Martin Wieland und Arno Schmidt ist zugleich ein Gewaltforscher. Seine Studie Vertrauen und Gewalt. Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne hat Bernhard Koch für 100 x 100 besprochen.

Bernd Ladwig ist Professor für Politische Theorie und Philosophie am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Er wurde 1999 an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Arbeit zur Gerechtigkeitstheorie promoviert. Zu seinen weiteren Arbeitsgebieten gehört die Philosophie der Menschenrechte. Im kommenden Jahr erscheint seine Politische Philosophie der Tierrechte. „Bernd Ladwig über Jan Philipp Reemtsma, Mehr als ein Champion. Über den Stil des Boxers Muhammad Ali (2013)“ weiterlesen

Politische politische Theorie aus Hamburg. Svenja Ahlhaus über Udo Bermbach, Demokratietheorie und politische Institutionen (1991)

Udo Bermbach war von 1971 bis 2001 Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Hamburg und gehört zu den Gründern der Sektion für Politische Theorie und Ideengeschichte in der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft. Sein Aufsatzband Demokratietheorie und politische Institutionen erschien 1991.

Svenja Ahlhaus ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Politische Theorie an der Universität Hamburg. Sie wurde 2018 mit einer Arbeit zum Thema „Die Grenzen des Demos. Mitgliedschaftspolitik aus postsouveräner Perspektive“ promoviert. Die Arbeit wurde 2019 von der Hamburgischen Wissenschaftlichen Stiftung mit dem Werner-von-Melle-Preis ausgezeichnet. „Politische politische Theorie aus Hamburg. Svenja Ahlhaus über Udo Bermbach, Demokratietheorie und politische Institutionen (1991)“ weiterlesen

Nur die Kunst selbst kann Leben spenden. Marcel Bub über Udo Bermbach, Der Wahn des Gesamtkunstwerks – Richard Wagners politisch-ästhetische Utopie (1994)

Udo Bermbach (*1938) war von 1971 bis 2001 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. Als Parlamentarismus-Spezialist nach Hamburg berufen, deckte Bermbach bald die Politische Theorie, insbesondere die Demokratietheorie, sowie die Politische Ideengeschichte ab. Nach seiner Emeritierung widmete sich Bermbach in zahlreichen Monographien der ideengeschichtlichen Rekonstruktion von Richard Wagners Idee des „Gesamtkunstwerks“. Unser Blog 100×100 würdigt neben seinen Verdiensten in der Gründung der Sektion für Politische Theorie auch Bermbachs Schriften zur Demokratietheorie.

Marcel Bub studiert seit 2017 Politikwissenschaft im Bachelor am Fachbereich an der Universität Hamburg. Seit einigen Jahren zieht es ihn regelmäßig in Konzert-, Theater- und Opernhäuser. „Nur die Kunst selbst kann Leben spenden. Marcel Bub über Udo Bermbach, Der Wahn des Gesamtkunstwerks – Richard Wagners politisch-ästhetische Utopie (1994)“ weiterlesen

Gerhard Göhler über Udo Bermbach, die DVPW und die Gründung der Theorie-Sektion

Udo Bermbach (*1938) war seit 1971 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. Als Parlamentarismus-Spezialist nach Hamburg berufen, deckte Bermbach bald die Politische Theorie, insbesondere die Demokratietheorie, sowie die Politische Ideengeschichte ab, mit einem Schwerpunkt auf dem in Deutschland wenig beachteten britischen Liberalismus. Nach einem Aufenthalt am Wissenschaftskolleg Berlin wurde Bermbach 2001 emeritiert. Seither widmet er sich in zahlreichen Monographien der ideengeschichtlichen Rekonstruktion von Richard Wagners Werk. Zuletzt erschien der von Bermbach edierte Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und Dolf Sternberger. Politik 100 x 100 publizierte seine Laudatio zur Verleihung der Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Sozialwissenschaften an Jürgen Habermas. Beiträge zu Bermbachs Demokratietheorie und seiner Wagner-Rezeption sind ebenfalls erschienen.

Gerhard Göhlers Beitrag würdigt Bermbachs institutionelle und forschungsstrategische Initiative für die Politische Theorie aus der Perspektive eines Beteiligten und Mitstreiters. Gerhard Göhler war von 1972 bis 2006 Professor für Politikwissenschaft am Otto Suhr-Institut der Freien Universität Berlin, von 1978 an zuständig für die Politische Theorie und Ideengeschichte. Göhler hat eine Reihe einflussreicher Arbeiten über Macht und Institutionen publiziert, u. a. Institution – Macht – Repräsentation. Wofür politische Institutionen stehen und wie sie wirken (Hg., 1997). Keine Vorlesung über den Begriff politischer Macht ist komplett ohne seinen klassischen Artikel „Macht“ (in: G. Göhler, M. Iser, I.Kerner (Hg.): Politische Theorie. 25 umkämpfte Begriffe, 2. Aufl. 2011).

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Männerbündelei ohne Patriarchat? Carmen Puchinger über Stefan Breuer, Anatomie der Konservativen Revolution (1993)

Stefan Breuer war nach Promotion und Habilitation als Professor für Soziologie, zunächst an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP) und dann am Department Wirtschaft und Politik (DWP), welches wiederum im Jahre 2009 zum Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg wurde, tätig. Bis zu seiner Emeritierung 2014 forschte er insbesondere zur politischen Rechten zwischen 1871 und 1945.

Carmen Puchinger ist Masterstudentin der Politikwissenschaft mit politiktheoretischem Schwerpunkt. Ihr Beitrag erreicht uns aus Bologna, wo sie an der Alma Mater Studiorum – Università di Bologna ihr Auslandssemester absolviert.

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Ein methodologisches Manifest. Vincent August über Wolfgang Knöbl und Thomas Hoebel, Gewalt erklären! Plädoyer für eine entdeckende Prozesssoziologie (2019)

Wolfgang Knöbl hat 2015 die Leitung des Hamburger Instituts für Sozialforschung (HIS) von Jan Philipp Reemtsma übernommen. Verbunden sind beide durch ihr langjähriges Interesse an der Erforschung von Gewalt. Von 2002 bis 2015 hatte Wolfgang Knöbl eine Professur für Soziologie an der Universität Göttingen inne, seit 2017 an der Leuphana Universität Lüneburg. Für den Blog Politik 100×100 besprach er die beiden Habilitationsschriften von Siegfried Landshut, nach dem das HIS einen Wissenschaftspreis benannt hat. In dem neuen Buch Gewalt erklären! legt Knöbl zusammen mit Thomas Hoebel eine methodologische Kritik der Gewaltforschung vor, die die zukünftige Forschung anleiten soll.

Vincent August ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Theorie der Politik der Berliner Humboldt-Universität. Er war Gastwissenschaftler am WZB und an der UC Berkeley und hat über den Aufstieg von Netzwerk-Ideen in den politischen Theorien und Praktiken westlicher Gesellschaften promoviert. Aktuell erscheint bei Springer VS ein Band, den er gemeinsam mit Fran Osrecki herausgibt: Der Transparenz-Imperativ.

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Fundstück: Hans-Peter Schwarz – Portrait

Bildnachweis: KAS/Harald Odehnal

Hans-Peter Schwarz war nach Siegfried Landshut und Wilhelm Hennis der dritte Inhaber eines ‘Lehrstuhls für die Wissenschaft von der Politik’ an der Universität Hamburg. Insgesamt acht Jahre forschte und lehrte er in der Hansestadt, als erster Professor befasste er sich dabei explizit mit Phänomenen der Außenpolitik und der Internationalen Beziehungen. Mit diesem Archivfundstück schauen wir zurück auf das wissenschaftliche wie politische Wirken von Schwarz, außerdem auf einige, heute aktueller denn je erscheinende Kontroversen. „Fundstück: Hans-Peter Schwarz – Portrait“ weiterlesen

Praxisaffine Theoriebildung. Oliver Krüger über Thomas Schramme, Gerechtigkeit und soziale Praxis (2006)

Thomas Schramme ist Professor für Philosophie an der Universität Liverpool. Von 2009 bis 2016 hatte er die Professur für Praktische Philosophie an der Universität Hamburg inne. Schramme gehört zu den Gründungsfiguren des jüngst genehmigten DFG-Graduiertenkollegs „Kollektives Entscheiden“ an der Universität Hamburg. Nach Stationen in Frankfurt am Main, Oxford und Berlin wurde er 2004 an der Universität Mannheim habilitiert und war ab 2005 an der Universität Swansea tätig. Seine Forschungsschwerpunkte liegen vor allem in der Medizinethik und in der Politischen Philosophie. Für die Politische Theorie liegt in seinen Arbeiten eine methodische Provokation, da seine Theoriebildung auf den in der jeweiligen Bevölkerung vorliegenden Gerechtigkeitsüberzeugungen aufbaut.

Oliver Krüger arbeitet als Wissenschaftlicher Mitarbeiter mit dem Schwerpunkt Lehre für Sozialwissenschaften und Ethik an der Medical School Hamburg. Seine Hamburger Dissertation ist jüngst unter dem Titel Das Gute im Sozialen. Eine perfektionistische Grundlegung des Sozialstaats (Campus, 2019) erschienen. „Praxisaffine Theoriebildung. Oliver Krüger über Thomas Schramme, Gerechtigkeit und soziale Praxis (2006)“ weiterlesen

Fundstück: Wilhelm Hennis – Portrait

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Eine Geschichte der Politikwissenschaft in Nachkriegsdeutschland zu schreiben ohne Wilhelm Hennis zu erwähnen, scheint unmöglich. An den zahlreichen Forschungsbeiträgen, öffentlichen Interventionen und politischen Aktivitäten des Wissenschaftlers ist kein Vorbeikommen. Eine der zahlreichen Stationen auf seinem Werdegang war dabei die Universität Hamburg. Nach Siegfried Landshut war Wilhelm Hennis von 1962 bis 1967 der zweite Inhaber eines Lehrstuhls für Politische Wissenschaft am Institut. Mit diesem Fundstück – einem der wenigen Bilder aus Hennis‘ Hamburger Zeit – schauen wir auf sein Leben und Wirken zurück. Eine Rezension von Andreas Anter zu einer seiner in Hamburg erschienen Schriften Richtlinienkompetenz und Regierungstechnik ist bereits zu Beginn des Jahres auf diesem Blog erschienen. „Fundstück: Wilhelm Hennis – Portrait“ weiterlesen

Universalgenie als Privatdozent. Matthew Braham über John von Neumann, Begründer der Spieltheorie

Das Werk des Mathematikers John von Neumann hat in der Wirtschafts- und Politikwissenschaft tiefe Spuren hinterlassen. von Neumann war im Sommersemester 1929 als Dozent an der Universität Hamburg tätig. Noch im selben Jahr nahm er eine Einladung nach Princeton an, wo er die folgenden Jahre lehrte und gemeinsam mit Oskar Morgenstern das Buch The Theory of Games and Economic Behavior (1944) verfasste. Unser Beitrag bietet einen Crash-Kurs in Spieltheorie und führt in ihre militärischen und politischen Rahmenbedingungen ein.

Matthew Braham ist seit 2017 Professor für praktische Philosophie an der Universität Hamburg. Seine Publikationen sind in Erkenntnis, Mind und dem Journal of Philosophy erschienen. Bevor er in Groningen und später Bayreuth Professuren übernahm, arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent im Fachbereich Volkswirtschaftslehre der Universität Hamburg. Dort war Matthew Braham (zusammen mit Manfred J. Holler) einer der Erfinder und Wegbereiter des Hamburger Masterstudiengangs in Politics, Economics and Philosophy (PEP). „Universalgenie als Privatdozent. Matthew Braham über John von Neumann, Begründer der Spieltheorie“ weiterlesen

Sven Bohnstedt über Michael Th. Greven, Systemopposition – Kontingenz, Ideologie und Utopie im politischen Denken der 1960er Jahre (2011)

Michael Thomas (Th.) Greven (1947-2012) war von 1995 bis 2012 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg, zunächst mit dem Schwerpunkt Regierungslehre, ab 2004 mit dem Schwerpunkt Politische Theorie. Er war von 1994-1997 Vorsitzender der DVPW und stand von 2006-2011 ihrer Ethik-Kommission vor. Seine Arbeitsgebiete reichten von der kybernetischen Systemtheorie, zu der er 1976 seine Paderborner Habilitationsschrift verfasste, über die Parteienforschung bis zur Frage, ob sich demokratisches Regieren auch jenseits des Staates werde einrichten lassen. Zu seinem 65. Geburtstag gaben seine Hamburger Kolleginnen, Mitarbeiterinnen und Schülerinnen Olaf Asbach, Rieke Schäfer, Veith Selk und Alexander Weiß eine Festschrift unter dem Titel Zur kritischen Theorie der politischen Gesellschaft heraus. In Politik100x100 berichtete Rainer Tetzlaff über den Protest gegen die Verleihung der Ehrendoktorwürde an den russischen Präsidenten Wladimir Putin, den Michael Th. Greven organisierte. Eine Würdigung seines Hauptwerks Die politische Gesellschaft ist in Vorbereitung.

Sven Bohnstedt hat in Wien und Hamburg Politikwissenschaft studiert und seinen M.A. mit einer Arbeit über Kritik und Utopie im politischen Denken in Nachkriegsdeutschland abgeschlossen. Seine Bachelorarbeit mit dem Titel Feminismus und Essentialismus. Eine femi­nistische Analyse der Frauenquote anhand der Theorien von Catharine MacKinnon, John Stuart Mill & Harriet Taylor Mill und Chantal Mouffe wurde mit dem Genderpreis der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ausgezeichnet.

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Die Kriminalität und das Politische: Vojta Drápal über Susanne Krasmann, Die Kriminalität der Gesellschaft (2003)

Susanne Krasmann ist Professorin für Soziologie in der Kriminologischen Sozialforschung an der Universität Hamburg. Sie verbrachte Forschungsaufenthalte an zahlreichen Universitäten im Ausland, etwa an der University of Melbourne, der UC Berkeley und an der New York University. Ihr Buch „Die Kriminalität der Gesellschaft“ ist inzwischen zu einem Standardwerk der kritischen Kriminologie geworden. Weitere Veröffentlichungen behandeln u.a. den Einfluss von Wahrheit und Ungewissheit in der Politik und setzen sich mit poststrukturalistischen Perspektiven auseinander. Für Politik100x100 hat sie sich mit Michel Foucaults Hamburger Werk auseinandergesetzt. 2019 erschien “Abandoning Humanity? On Cultural Heritage and the Subject of International Law” in der Zeitschrift Law, Culture and the Humanities.

Vojta Drápal ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Kriminologie an der Universität Hamburg. Er promoviert über das Verhältnis der genealogischen Kritikform Foucaults zur politiktheoretischen Idee von Progression und Regression.

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Zur soziologischen Aktualität Siegfried Landshuts. Wolfgang Knöbl über Landshuts zwei Habilitationsschriften (1928, 1933)

Siegfried Landshut (1897-1968) verstand sich als Politikwissenschaftler, bevor es das Fach überhaupt gab. Seinen beiden gescheiterten Hamburger Habilitationsversuchen mit den Schriften Kritik der Soziologie und Historisch-systematische Analyse des Begriffs des Ökonomischen folgten Vertreibung und Flucht in den Nahen Osten, über die Rainer Nicolaysen in seinem Beitrag berichtet hat. 1951 wurde Landshut auf den ersten politikwissenschaftlichen Lehrstuhl an der Universität Hamburg berufen, den er bis 1965 innehatte.

Wolfgang Knöbl (* 1963) ist seit 2015 Direktor des Hamburger Instituts für Sozialforschung (HIS) und seit 2017 Professor für Politische Soziologie und Gewaltforschung an der Leuphana Universität Lüneburg. Unter seiner Federführung veranstaltet das HIS seit 2018 die Siegfried Landshut Lectures und vergibt den Siegfried Landshut-Preis. Seine jüngste Monographie, gemeinsam mit Thomas Hoebel, ist Gewalt erklären! Plädoyer für eine entdeckende Prozesssoziologie. Hamburg: Hamburger Edition, 2019. „Zur soziologischen Aktualität Siegfried Landshuts. Wolfgang Knöbl über Landshuts zwei Habilitationsschriften (1928, 1933)“ weiterlesen

Links-libertäre Gerechtigkeit. Sven Ha über Ulrich Steinvorth, Gleiche Freiheit (1999)

Seit den 1970er Jahren ist der Libertarismus (libertarianism) eine der einflussreichsten Strömungen in der Politischen Theorie und wird meist von rechts gegen Besteuerung und Umverteilung in Stellung gebracht. Der Hamburger Philosoph Ulrich Steinvorth entwarf 1999 unter Rückgriff auf John Lockes Idee vom ursprünglichen Gemeinbesitz an der Natur eine radikale Neu-Interpretation, die das individuelle Eigentum an der eigenen Person mit dem universellen Gemeineigentum an der Natur und ihren Ressourcen kombiniert.

Sven Ha ist Bachelorstudent der Philosophie an der Universität Hamburg.

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Reflexivierung der politischen Vernunft. Peter Niesen über Rainer Schmalz-Bruns, Reflexive Demokratie: Die demokratische Transformation moderner Politik (1995)

Rainer Schmalz-Bruns ist seit 2005 Professor für Politische Ideengeschichte und Theorien der Politik an der Leibniz-Universität Hannover. Er hat die Sektion für Politische Theorie in der DVPW von 1997-2003 geleitet und war von 2010 bis 2016 geschäftsführender Herausgeber der Politischen Vierteljahresschrift. Seine Habilitation erfolgte 1994 an der Universität Hamburg, während er an der Universität der Bundeswehr Hamburg, der heutigen HSU, als wissenschaftlicher Assistent tätig war. Von 1996 bis 2005 hatte er die Theorieprofessur am Institut für Politikwissenschaft der TU Darmstadt inne.

Peter Niesen ist Professor für Politische Theorie an der Universität Hamburg. „Reflexivierung der politischen Vernunft. Peter Niesen über Rainer Schmalz-Bruns, Reflexive Demokratie: Die demokratische Transformation moderner Politik (1995)“ weiterlesen

Veronika Detel über Frank Nullmeier, Politische Theorie des Sozialstaats (2000)

Frank Nullmeier studierte von 1975 bis 1980 Politikwissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Öffentliches Recht und Philosophie an der Universität Hamburg. 1990 wurde er dort promoviert und 1998 habilitiert.[1] Für seine Arbeiten ist charakteristisch, dass sie Perspektiven empirischer Sozialforschung, avancierter interpretativer Methodologie und politischer Theorie zusammenführen. Neben dem hier vorgestellten Werk, das auf seine Habilitationsschrift zurückgeht, hat er unter anderem wichtige Beiträge zu einer Politologie des Wissens und zur Verwaltungs- und Policyforschung vorgelegt. Nach Stationen an den Universitäten Konstanz und Essen ist er seit 2002 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Bremen. Dort leitet er die Abteilung „Theorie und Verfassung des Wohlfahrtsstaates“ am Zentrum für Sozialpolitik.

Veronika Detel ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur „Europa und Moderne“ am Fachgebiet Politikwissenschaft. Sie hat in ihrer politikwissenschaftlichen Masterarbeit an der Universität Hamburg die Theorie ‚demokratischer Iteration‘ von Seyla Benhabib einer Kritik unterzogen. „Veronika Detel über Frank Nullmeier, Politische Theorie des Sozialstaats (2000)“ weiterlesen

Rainer Nicolaysen über Siegfried Landshut, Begründer der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg

Siegfried Landshut war der erste Inhaber eines “Lehrstuhls für die Wissenschaft von der Politik” in Hamburg. Als Landshut in den 1950er-Jahren nach Hamburg kam und die Politikwissenschaft in der Hansestadt aufbaute, hatte er bereits einige prägende biographische Phasen hinter sich. In einer Tour durch die Stationen des Lebens Landshuts, porträtiert Rainer Nicolaysen die erste Phase in Hamburg, die Vertreibung und Jahre im Exil sowie die schließliche Rückkehr. Den hier dokumentierten Vortrag hielt Nicolaysen im Rahmen einer Veranstaltung des Fachbereichs im Mai diesen Jahres unter dem Titel “Siegfried Landshut – Vertreibung, Exil, Rückkehr”.

Rainer Nicolaysen ist Professor für Geschichte an der Universität Hamburg, seit 2010 leitet er die Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte an der Universität. Nicht zuletzt aufgrund seiner Dissertation über das Leben und Werk von Siegfried Landshut ist Nicolaysen der wissenschaftliche Experte für die Biographie und Schriften Landshuts. „Rainer Nicolaysen über Siegfried Landshut, Begründer der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg“ weiterlesen

„Ich habe große Lust, die Welt mit »Kapital« zu überschwemmen“. David Müller über die Hamburger Publikationsgeschichte von Karl Marx, Das Kapital (Bd. 1, 1867)

Hamburg ist der Ort, an dem Karl Marx 1867 den ersten Band seines Opus Magnum „Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie“ verlegen ließ. Veröffentlicht wurde es von dem Hamburger Verleger Otto Meißner, der auch die anderen zwei Bände (diese aber postum) sowie weitere Werke von Karl Marx und Friedrich Engels verlegte. Der folgende Beitrag beantwortet zwei Fragen. Warum erschien einer der – wissenschaftlich und politisch – weltweit einflussreichsten Texte in der Freien und Hansestadt Hamburg und nicht etwa in London, wo Marx zu dieser Zeit lebte? Und warum haben Marx und Engels sich für den Verleger Otto Meißner entschieden?

DaviD Müller ist Student der Politikwissenschaft im vierten Fachsemester an der Universität Hamburg. „„Ich habe große Lust, die Welt mit »Kapital« zu überschwemmen“. David Müller über die Hamburger Publikationsgeschichte von Karl Marx, Das Kapital (Bd. 1, 1867)“ weiterlesen

Bernhard Koch über Jan Philipp Reemtsma, Vertrauen und Gewalt (2008)

Jan Philipp Reemtsma ist Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Hamburg. Er ist mit der Gründung des Hamburger Instituts für Sozialforschung (HIS) und der Hamburger Stiftung zur Förderung der Wissenschaft und Kultur (beides 1984) Teil der Hamburger Wissenschaftsgeschichte geworden. Reemtsma ist mit Werken unter anderem zu Christoph Martin Wieland, Arno Schmidt und Muhammad Ali hervorgetreten. Vertrauen und Gewalt. Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne (Hamburg 2008) gilt als sein Hauptwerk.

Dr. Bernhard Koch ist stellvertretender Direktor des Instituts für Theologie und Frieden in Hamburg und Lehrbeauftragter am Fachgebiet Politikwissenschaft der Universität Hamburg. Er wurde 2006 mit einer Arbeit zu Cicero an der Hochschule für Philosophie in München promoviert. Zu seinen Arbeitsgebieten zählen das humanitäre Völkerrecht und die Theorie des gerechten Krieges, insbesondere die Frage legitimer und illegitimer Gewaltanwendung.

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Charlotte Huch über Markus Patberg, Usurpation und Autorisierung. Konstituierende Gewalt im globalen Zeitalter (2018)

Markus Patberg ist nach Stationen in Darmstadt, Frankfurt und London seit 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Politische Theorie, Universität Hamburg, zunächst im Fachgebiet, danach im DFG-Projekt „Eine Wiederaneignung konstituierender Gewalt? Entstehende Gegen-Narrative im EU-Konstitutionalismus“. Usurpation und Autorisierung ist die überarbeitete Fassung seiner Hamburger Dissertation von 2016.

Charlotte Huch studiert im Masterstudiengang Politikwissenschaft der Universität Hamburg mit dem Schwerpunkt Internationale Politische Theorie.

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Das verschwundene Vorwort. Susanne Krasmann über Michel Foucaults Wahnsinn und Gesellschaft (1961)

Michel Foucault leitete von 1959 bis 1960 das Hamburger Institut Français. Neben seiner Einführung in Kants Anthropologie (Paris 2008, dt. Berlin 2010) beendete er in Hamburg sein erstes Hauptwerk, Wahnsinn und Gesellschaft (dt. 1969), wenngleich sich das Hamburger Vorwort in späteren Ausgaben nicht mehr wiederfindet. In diesen Tagen wurde am Institut Français in der Heimhuder Straße eine Plakette angebracht, die an Foucaults Wirken in Hamburg erinnert.

Susanne Krasmann ist Professorin für Soziologie in der Kriminologischen Sozialforschung an der Universität Hamburg. Sie gehört seit ihrem Aufsatz zu „Simultaneität von Körper und Sprache bei Michel Foucault“ (1995) zu den prägenden Autorinnen der deutschsprachigen Foucault-Rezeption. 2003 erschien das Buch Die Kriminalität der Gesellschaft: Zur Gouvernementalität der Gegenwart (Konstanz: UVK), das demnächst ebenfalls an dieser Stelle vorgestellt werden wird. „Das verschwundene Vorwort. Susanne Krasmann über Michel Foucaults Wahnsinn und Gesellschaft (1961)“ weiterlesen

Podcast: Filimon Peonidis über ‘Academic Freedom’

Filimon Peonidis ist Professor für Philosophie an der Aristotle University in Thessaloniki, Griechenland, zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen Schriften zu Jeremy Bentham, Marsilius von Padua sowie die Monographie Democracy as Popular Sovereignty.  Im laufenden Semester hat Professor Peonidis den Fachbereich als Gastdozent besucht, hat u.a. zur Geschichte demokratischen Denkens gelehrt und über Akademische Freiheit referiert. Im Podcast, den Ervin Kondakciu moderiert hat, diskutiert er sein Konzept akademischer Freiheit, das Verhältnis zum Grundrecht freedom of speech, sowie aktuelle Gefährdungen wissenschaftlicher Unabhängigkeit (Moderation: Ervin Kondakciu, Technik: Jonathan Deupmann). „Podcast: Filimon Peonidis über ‘Academic Freedom’“ weiterlesen

Ulrich Thiele über Peter Niesen, Jeremy Bentham: Unsinn auf Stelzen. Schriften zur Französischen Revolution (2013)

Peter Niesen ist seit 2013 Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politische Theorie an der Universität Hamburg und Mitglied des Bentham Committee am University College London. Zu seinen Forschungsgebieten zählen die Politische Philosophie der Aufklärung (Kant, Bentham), die Theorie verfassunggebender Gewalt jenseits des Staates sowie die politische Theorie des Mensch-Tier-Verhältnisses.

Ulrich Thiele ist Privatdozent an der Universität Heidelberg und dort als akademischer Mitarbeiter beschäftigt. Er ist einer der produktivsten Ideenhistoriker der Bundesrepublik. 2002 ist er an der Goethe Universität Frankfurt mit einer Arbeit über Carl Schmitts Sieyes-Rezeption habilitiert worden. Seine Geschichte politischer Ideen (2. Auflage, Marix 2014) zieht eine Linie von den Theorien des Gesellschaftsvertrags zum modernen Rechts- und Sozialstaat. „Ulrich Thiele über Peter Niesen, Jeremy Bentham: Unsinn auf Stelzen. Schriften zur Französischen Revolution (2013)“ weiterlesen

David Weiß über Elvira Rosert, Die Nicht-Entstehung internationaler Normen: Permissive Effekte in der humanitären Rüstungskontrolle (2019)

Elvira Rosert ist Juniorprofessorin für Politikwissenschaft, insbesondere Internationale Beziehungen, an der Universität Hamburg und am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. In ihrer Dissertation, die nun auch als Monographie erschienen ist und in der sie sich mit der langen Nicht-Entstehung der Streumunitionsverbotsnorm auseinandersetzt, verbinden sich ihre Forschungsschwerpunkte: Normenforschung, (humanitäres) Völkerrecht und internationale Institutionen.

David Weiß studiert seit 2016 Politikwissenschaft im Bachelor am Fachbereich. Seit diesem Jahr ist er Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. „David Weiß über Elvira Rosert, Die Nicht-Entstehung internationaler Normen: Permissive Effekte in der humanitären Rüstungskontrolle (2019)“ weiterlesen

Distanzierte Annäherung. Peter Niesen zu Jürgen Habermas‘ Hamburger Ehrendoktorwürde 1989

Jürgen Habermas, geb. am 18. Juni 1929 in Düsseldorf, ist emeritierter Professor für Philosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Zu seinen Hauptwerken zählen die Theorie des kommunikativen Handelns (1981), Faktizität und Geltung (1992) und Auch eine Geschichte der Philosophie (im Erscheinen, 2019). Habermas ist 1961 in Marburg mit seiner Arbeit zum Strukturwandel der Öffentlichkeit in Politikwissenschaft habilitiert worden; die Initiative zur Verleihung der Ehrendoktorwürde des damaligen Fachbereichs Philosophie und Sozialwissenschaften an der Universität Hamburg 1989 ging vom Institut für Politische Wissenschaft aus.

Peter Niesen ist seit 2013 Professor für Politikwissenschaft, insbesondere Politische Theorie, an der Universität Hamburg. Er war 2007 Gründungsmitglied des Exzellenzclusters „Herausbildung normativer Ordnungen“. Zu seinen neueren Veröffentlichungen zählt “Reframing civil disobedience: Constituent power as a language of transnational protest“, Journal of International Political Theory (2019). 1990 war Niesen Tutor zu einem Seminar von Jürgen Habermas über Ernst Cassirers Philosophie der symbolischen Formen. „Distanzierte Annäherung. Peter Niesen zu Jürgen Habermas‘ Hamburger Ehrendoktorwürde 1989“ weiterlesen

Udo Bermbach über politikwissenschaftliche Anschlussmöglichkeiten an Habermas‘ Theorie des kommunikativen Handelns

Der Fachbereich Philosophie und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg hat am 14. Dezember 1989 Jürgen Habermas die Ehrendoktorwürde verliehen. Udo Bermbach ging in seiner Rede auf die bisher unabgegoltenen politikwissenschaftlichen Anregungen in Habermas‘ Theorie des kommunikativen Handelns (1981) ein. Wir veröffentlichen im Folgenden einen Ausschnitt aus seiner Laudatio.

Udo Bermbach war von 1971 bis 2001 Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Hamburg und gehört zu den Gründern der Sektion für Politische Theorie und Ideengeschichte in der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft. Sein Aufsatzband Demokratietheorie und politische Institutionen erschien 1991. Bermbach hat in einer Reihe von Publikationen seit den 1990er Jahren das Musiktheater, insbesondere das Gesamtkunstwerk Oper bei Richard Wagner, für die politische Ideengeschichtsschreibung erschlossen. „Udo Bermbach über politikwissenschaftliche Anschlussmöglichkeiten an Habermas‘ Theorie des kommunikativen Handelns“ weiterlesen

Lisbeth Zimmermann über Antje Wiener, Contestation and Constitution of Norms in Global International Relations (2018)

Antje Wiener ist, nach Professuren an den Universitäten von Belfast und Bath, seit 2009 Professorin für Politikwissenschaft, insbesondere Global Governance, an der Universität Hamburg. 2012 hat sie gemeinsam mit James Tully die Zeitschrift Global Constitutionalism gegründet, seit 2017 ist sie By-Fellow von Hughes Hall an der Universität Cambridge. Contestation and Constitution of Norms in Global International Relations, erschienen 2018 bei Cambridge University Press, ist entstanden im Rahmen eines opus magnum-Fellowships der Volkswagen-Stiftung,

Lisbeth Zimmermann ist Professorin für Internationale Beziehungen an der Zeppelin-Universität Friedrichshafen. Sie hat 2012 an der TU Darmstadt promoviert und Forschungsprojekte an der Goethe-Universität und der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung geleitet. 2017 erschien Global Norms with a Local Face. Rule-of-Law Promotion and Norm Translation (Cambridge University Press). „Lisbeth Zimmermann über Antje Wiener, Contestation and Constitution of Norms in Global International Relations (2018)“ weiterlesen

Harald Bluhm über Leo Strauss’ Dissertation über Friedrich Heinrich Jacobi

Der Philosoph Leo Strauss hat bei Ernst Cassirer über die Erkenntnistheorie von Friedrich Heinrich Jacobi promoviert. Über Stationen in Berlin, Paris und Cambridge gelangte er an die New School for Social Research und die University of Chicago. Seine modernitätskritische Philosophie hat einen nachhaltigen Einfluss in der akademischen Politikwissenschaft und in der amerikanischen Außenpolitik gewonnen; in der politischen Ideengeschichte ist seine Unterscheidung zwischen offenen, ‚exoterischen‘ und versteckten, ‚esoterischen‘ Lehren bedeutender Philosophen weiterhin einflussreich. 1965 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg verliehen.

Harald Bluhm ist Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Herausgeber der ‚Schriften zur Europäischen Ideengeschichte‘. 2016 war er Fellow am Maimonides Centre for Advanced Studies der Universität Hamburg. Im Jahr 2000 ist er an der Humboldt-Universität mit der Schrift ‚Die Ordnung der Ordnung. Das politische Philosophieren von Leo Strauss‘ (Berlin, 2. Aufl., 2007) habilitiert worden. „Harald Bluhm über Leo Strauss’ Dissertation über Friedrich Heinrich Jacobi“ weiterlesen

Leon Abich über Michel Foucault in Hamburg – Part I: Einführung in Kants Anthropologie

Michel Foucault leitete von 1959 bis 1960 das Hamburger Institut Français. Im Gepäck hatte er zwei unfertige Manuskripte, die er in dem Hamburger Jahr weitgehend beendete. Der folgende Beitrag widmet sich seiner Einführung in Kants Anthropologie (Paris 2008, dt. Berlin 2010), die er zusammen mit einer Übersetzung von Kants Schrift als akademische Qualifikationsarbeit einreichte. Erschienen ist auch ein weiterer Beitrag von Susanne Krasmann zu Foucaults erstem Hauptwerk, Wahnsinn und Gesellschaft, dessen abschließende Überarbeitung ebenfalls in Hamburg stattfand.

Leon Abich studiert seit 2016 im Bachelorstudiengang Sozial- und Bewegungswissenschaften auf Lehramt in Hamburg. „Leon Abich über Michel Foucault in Hamburg – Part I: Einführung in Kants Anthropologie“ weiterlesen

Mate Szabó über Günter Trautmann, Die hässlichen Deutschen? Deutschland im Spiegel der westlichen und östlichen Nachbarn (1991)

Günter Trautmann lehrte von 1978 bis 2001 am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. Bis zu seinem Tod im Jahr 2001 war er dort zuletzt Professor für Politische Wissenschaft. Sein Forschungsinteresse galt vor allem den Chancen und Herausforderungen der Europäischen Union und ihrer Mitgliedsstaaten nach dem Ende des Kalten Krieges. „Die hässlichen Deutschen“ ist eine Zusammenstellung verschiedener internationaler Perspektiven auf das frisch vereinte Deutschland.

Mate Szabó ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Eötvös Loránd in Budapest. Als Stipendiat der Alexander von Humboldt Stiftung forschte er zwischen 1991 und 1992 an der Universität Hamburg. Sowohl Szabós persönliche Beziehung zu Trautmann als auch seine ungarische Herkunft verleihen der Rezension eine besondere Perspektive eines östlichen Nachbarn. „Mate Szabó über Günter Trautmann, Die hässlichen Deutschen? Deutschland im Spiegel der westlichen und östlichen Nachbarn (1991)“ weiterlesen

Dirk Jörke über Jens Hacke, Existenzkrise der Demokratie (2018)

Jens Hacke ist Ideenhistoriker und mit Schriften zum Politischen Denken der Weimarer Zeit und in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit bekannt geworden. Von 2008 bis 2016 war er am Hamburger Institut für Sozialforschung tätig. 2017 ist er mit der „Existenzkrise der Demokratie“, die mittlerweile in dritter Auflage bei Suhrkamp vorliegt, an der Berliner Humboldt-Universität habilitiert worden; seit 2018 vertritt er die Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Greifswald.

Dirk Jörke ist seit 2014 Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Technischen Universität Darmstadt und leitet dort den M.A. Studiengang Politische Theorie, der in Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt angeboten wird. Er hat in Hamburg Politikwissenschaft studiert, bei Udo Bermbach und Rainer Schmalz-Bruns seine Magisterarbeit verfasst und im Jahr 2011 die Theorieprofessur von Michael Th. Greven am Institut für Politikwissenschaft vertreten. Im Mai 2019 erscheint bei Suhrkamp sein Buch Die Größe der Demokratie. „Dirk Jörke über Jens Hacke, Existenzkrise der Demokratie (2018)“ weiterlesen

Patrick Samtlebe über Ralf Bambach, Der französische Frühsozialismus (1984)

Ralf Bambach studierte Sozialwissenschaften in Hamburg und Paris. Er spezialisierte sich auf Politikwissenschaft und die Geschichte der Philosophie und des öffentlichen Rechts. Seit den 1980er Jahren engagiert sich Bambach in der politischen Erwachsenenbildung und Beratung im Bereich der Sicherheitspolitik. Seine Promotion von 1984 lieferte einen systematischen Einblick in die Zeit des französischen Frühsozialismus.

Patrick Samtlebe studierte Politikwissenschaft in Hamburg und ist seit 2017 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Heisenberg-Professur Europa und Moderne. Seine nachfolgende Rezension zur Promotion von Ralf Bambach steht der Sorgfalt und Genauigkeit der Schrift in nichts nach.

„Patrick Samtlebe über Ralf Bambach, Der französische Frühsozialismus (1984)“ weiterlesen

Sebastian Huhnholz über Andreas Anter, Max Webers Theorie des modernen Staates (1993)

Andreas Anters einflussreiche Hamburger Dissertation von 1993 liegt inzwischen in dritter, aktualisierter Auflage auf Deutsch und unter dem Titel Max Weber’s Theory of the Modern State. Origins, Structure, and Significance. Basingstoke/New York: Palgrave Macmillan 2014 auf Englisch vor. Nach seiner Promotion war Anter Lektor bei Rowohlt und Programmleiter bei Reclam, bevor er in Leipzig seine Habilitationsschrift einrichte. Anter ist seit 2013 Professor für politische Bildung an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt.

Sebastian Huhnholz, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Lehrbereichs Politische Ideengeschichte und Theorien der Politik an der Leibniz-Universität Hannover, studierte an der Humboldt-Universität Sozialwissenschaften, promovierte an der LMU München und lebt in Hamburg. Seine Studie „Dschihadistische Raumpraxis“ erschien als Band 12 von Michael Th. Grevens Reihe „Politische Theorie“. „Sebastian Huhnholz über Andreas Anter, Max Webers Theorie des modernen Staates (1993)“ weiterlesen

Klaus Schlichte zu Klaus Jürgen Gantzel und der Hamburger Kriegsursachenforschung

Die Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung war seit der Gründung in den 1980er-Jahren ein unverzichtbarer Teil der Hamburger Politikwissenschaft. In seiner Retrospektive zeichnet Klaus Schlichte die Gründung durch Professor Klaus Jürgen Gantzel und die wichtigsten Forschungsbeiträge der Hamburger Kriegsursachenforschung nach – Beiträge für die akademische Aufarbeitung und politische Bekämpfung von Kriegsursachen.

Klaus Schlichte ist seit 2010 Inhaber des Lehrstuhls „Internationale Beziehungen: Politik in der Weltgesellschaft“ am Institut für Interkulturelle und Internationale Studien an der Universität Bremen. Von 1985 bis 1992 studierte Schlichte Politikwissenschaft, Philosophie, Afrikanistik und Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg, in den 1990er Jahren war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter von Klaus Jürgen Gantzel und Lehrbeauftragter am Institut.

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Ervin Kondakciu: Bericht zum Workshop – Understanding Solidarity – New Challenges, New Approaches

The international workshop Understanding Solidarity – New Challenges, New Approaches was organised by Andreas Busen (Universität Hamburg) and Stefan Wallaschek (BIGSSS, Universität Bremen) and took place in Hamburg from the 25 to the 27 of January 2019. The main goals of the workshop were to provide a forum for discussing innovative ideas and to facilitate the dialogue between experts in the field of solidarity working in different academic disciplines.[1][2]

Ervin Kondakciu, who wrote this report, is a Research Associate and PhD candidate at the chair of Political Theory at the University of Hamburg.[3] „Ervin Kondakciu: Bericht zum Workshop – Understanding Solidarity – New Challenges, New Approaches“ weiterlesen

Fundstück: Siegfried Landshut – Portrait

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Im Sommersemester 1951 wird der erste „Lehrstuhl für die Wissenschaft von der Politik“ an der Universität Hamburg eingerichtet. Inhaber dieses Lehrstuhls – einer der ersten in der Bundesrepublik – wird Siegfried Landshut. Ihm ist das erste Archivfundstück unserer Bildergalerie gewidmet.

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