Der erste Außenpolitiker am Institut. Otmar Höll über Hans-Peter Schwarz

Hans-Peter Schwarz (1934-2017) war nach Siegfried Landshut und Wilhelm Hennis der dritte Inhaber eines Lehrstuhls für die „Wissenschaft von der Politik“ an der Universität Hamburg. Insgesamt acht Jahre, von 1966 bis 1974, forschte und lehrte er in der Hansestadt, als erster Professor befasste er sich explizit mit Phänomenen der Außenpolitik und der Internationalen Beziehungen. In diesem Beitrag schaut Otmar Höll auf das jahrzehntelange politikwissenschaftliche und zeithistorische Wirken von Hans-Peter Schwarz zurück, in diesem Fundstück haben wir bereits ein Schlaglicht auf seine Zeit in Hamburg geworfen.

Otmar Höll (*1948) war Direktor des Österreichischen Instituts für Internationale Politik (oiip), außerdem seit 1981 Gastprofessor und Dozent an der Universität Wien, an der Donau Universität Krems und an ausländischen Universitäten. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind globale Probleme der Außen- und Sicherheitspolitik und der politischen Psychologie. „Der erste Außenpolitiker am Institut. Otmar Höll über Hans-Peter Schwarz“ weiterlesen

Hanseatische Friedens- und Sicherheitspolitik. David Weiß über Wolf von Baudissin, ‘Innere Führung’ und die Gründungsgeschichten von IFSH und HSU

Wolf Graf von Baudissin (1907-1993), ehemaliger Leutnant der Wehrmacht und späterer Bundeswehroberst, war einer der zentralen Protagonisten der Wiederbewaffnungsstrategie von Bundeskanzler Konrad Adenauer. Anfang der 1950er Jahre wirkte er entscheidend an der Entwicklung des Konzepts der „Inneren Führung“ und des Leitbildes des „Staatsbürgers in Uniform“ mit. In Hamburg verortet sich sowohl das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik (IFSH), international vernetztes Partnerinstitut der Universität Hamburg, als auch die Helmut-Schmidt-Universität (HSU), mit rund 2 500 Studierenden und gut 100 Professuren eine der größten Hochschulen der Hansestadt, in der Tradition Baudissins. Ein Exkurs in die Entstehungsgeschichte und Gründungszeit zweier wichtiger Institutionen der Stadt, zweier Symbole nicht zuletzt für die – bis heute – herausfordernde Verortung Deutschlands in der internationalen Friedens- und Sicherheitsarchitektur nach 1945.

David Weiß studiert in Hamburg und Wien Politikwissenschaft.

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Wissensproduktion in einer kolonialen Metropole. Malte Kanefendt über die Herausforderungen des GIGA-Institut Hamburg die eigene Geschichte aufzuarbeiten

Das Leibniz-Forschungsinstitut German Institute of Global and Area Studies, kurz GIGA, in Hamburg ist die größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung für Regionalstudien in Deutschland. 1964 als Deutsches Überseeinstitut gegründet, steht es in besonderer Verantwortung, seine heutige Arbeit im Feld der Vergleichenden Regionalstudien auf koloniale Kontinuitäten und epistemische Gewalt in der Produktion und Aneignung von Wissen zu reflektieren. Dies ist Teil eines Prozesses, der politische Debatten um die Restitution kolonialer Raubgüter und die Reparation von Kolonialverbrechen intensivieren und damit auch Politik und Gesellschaft für die Kontinuitäten kolonialer Ausbeutung sensibilisieren könnte.

Malte Kanefendt studiert im B.A. Politikwissenschaft am Fachbereich. Seine Schwerpunkte sind postkoloniale Studien sowie Gender-Theorien. „Wissensproduktion in einer kolonialen Metropole. Malte Kanefendt über die Herausforderungen des GIGA-Institut Hamburg die eigene Geschichte aufzuarbeiten“ weiterlesen

Elvira Rosert: Warum Staaten in der Coronakrise handeln und in der Klimakrise nicht

Die aktuelle Covid-19-Pandemie und die öffentlichen wie politischen Reaktionen zeigen: Ein rascher Mentalitätswandel, politisches Handeln und das Adressieren von existenziellen Krisen ist – wenn Politik und Bevölkerung möchten – möglich. Warum dagegen Maßnahmen gegen den Klimawandel, seit Jahrzehnten gefordert und spätestens seit Greta Thunberg und der Fridays for Future-Bewegung ganz oben auf der politischen ToDo-Liste, bislang kaum den Stellenwert der aktuellen Krise erlangen konnten, liegt, so Elvira Rosert in ihrem Beitrag, vor allem an zwei Faktoren: Zeit und Komplexität. 

Elvira Rosert ist Juniorprofessorin für Politikwissenschaft, insbesondere Internationale Beziehungen, an der Universität Hamburg und am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit internationalen Normen und internationalen Institutionen. Mit der Konstruktion und Wahrnehmung öffentlicher Angelegenheiten hat sie sich u. a. in dem Artikel “Salience and the Emergence of International Norms: Napalm and Cluster Munitions in the Inhumane Weapons Convention“, erschienen bei Review of International Studies, und in dem Artikel “Norm Emergence as Agenda Diffusion. Failure and Success in the Regulation of Cluster Munitions“, erschienen im European Journal of International Relations, befasst.

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Jonas Barchfeld über Internationale Politische Theorie in Hamburg. Eine Diskussion von Antje Wieners ‘Kontestation’ und Peter Niesens ‘konstituierender Macht’

Internationale Politische Theorie ist ein neues Querschnittsgebiet der Politikwissenschaft, das im Schnittpunkt von Internationalen Beziehungen, Politischer Theorie und Völkerrecht verortet ist. An der Universität Hamburg ist Internationale Politische Theorie einer von zwei möglichen Schwerpunkten des Master-Studiums in Politikwissenschaft (neben den Vergleichenden und Regionalstudien). Antje Wiener und Peter Niesen haben sich bereits früh an den Diskussionen über die Herausbildung der Subdisziplin beteiligt, vgl. das Schwerpunktheft der Zeitschrift für Internationale Beziehungen.

Jonas Barchfeld hat in Osnabrück einen BA in Politikwissenschaft erworben. Er studiert im MA Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. „Jonas Barchfeld über Internationale Politische Theorie in Hamburg. Eine Diskussion von Antje Wieners ‘Kontestation’ und Peter Niesens ‘konstituierender Macht’“ weiterlesen

Eine ‚Logik der Sache selbst’? Jörg Meyer über den „Hamburger Ansatz“ der Kriegsursachenforschung (Jung, Schlichte und Siegelberg 2003)

Der Hamburger Ansatz der Kriegsursachenforschung wurde in den 1990er Jahren von Jens Siegelberg, Dietrich Jung und Klaus Schlichte im Zusammenhang der von Klaus Jürgen Gantzel gegründeten „Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung“ (AKUF) entwickelt. Siegelberg arbeitet heute als Publizist und Consultant, Jung ist an der University of Southern Denmark in Odense und Schlichte an der Universität Bremen tätig.

Jörg Meyer ist seit 2008 Mitarbeiter am Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Hamburg.

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Andreas von Staden über Katharina Holzinger et al.: Environmental Policy Convergence in Europe (2008)

Seit Oktober 2007 ist Katharina Holzinger Professorin für Internationale Politik und Konfliktforschung an der Universität Konstanz. Ihren ersten Ruf auf eine unbefristete C 4-Professur erhielt sie davor von der Universität Hamburg, wo sie von April 2004 bis September 2007 wirkte. In diesen Zeitraum fiel auch der Großteil eines EU-Drittmittelprojekts zur Erforschung von länderübergreifender Konvergenz im Bereich nationaler Umweltschutzpolitiken. Projektpublikationen erschienen u.a. in International Organization und im Journal of European Public Policy. Hauptprodukt des Projekts ist der zusammen mit Christoph Knill und Bas Arts herausgegebene Band Environmental Policy Convergence in Europe: The Impact of International Institutions and Trade (Cambridge University Press, 2008), in dem Katharina Holzinger bei sechs von acht Beiträgen als Koautorin verantwortlich zeichnet.

Andreas von Staden, Ph.D. (Princeton), ist Juniorprofessor für Politikwissenschaft, insbesondere Global Governance, an der Universität Hamburg und Mitglied der Leitungsteams der ECPR Standing Group on International Relations und der ECPR Standing Group on Law & Courts. Bevor er an die Universität Hamburg wechselte, war er Assistenzprofessor an der Universität St. Gallen und davor wissenschaftlicher Mitarbeiter im Exzellenzcluster Normative Ordnungen an der TU Darmstadt. Im vergangenen Jahr erschien Strategies of Compliance with the European Court of Human Rights: Rational Choice within Normative Constraints (University of Pennsylvania Press), das Elvira Rosert für den Blog 100 x 100 besprochen hat. „Andreas von Staden über Katharina Holzinger et al.: Environmental Policy Convergence in Europe (2008)“ weiterlesen

Fundstück: Hans-Peter Schwarz – Portrait

Ein Portrait von Hans-Peter Schwarz – Bildnachweis: KAS/Harald Odehnal

Hans-Peter Schwarz war nach Siegfried Landshut und Wilhelm Hennis der dritte Inhaber eines ‘Lehrstuhls für die Wissenschaft von der Politik’ an der Universität Hamburg. Insgesamt acht Jahre forschte und lehrte er in der Hansestadt, als erster Professor befasste er sich dabei explizit mit Phänomenen der Außenpolitik und der Internationalen Beziehungen. Mit diesem Archivfundstück schauen wir zurück auf das wissenschaftliche wie politische Wirken von Schwarz, außerdem auf einige, heute aktueller denn je erscheinende Kontroversen. „Fundstück: Hans-Peter Schwarz – Portrait“ weiterlesen

Oliver Merschel über Ursula Schröder, The Organization of European Security Governance: Internal and external security in transition (2011)

Prof. Dr. Ursula Schröder leitet seit 2017 das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH). Gleichzeitig ist sie Professorin für Politikwissenschaft, insbesondere für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, und lehrt im BA und MA Politikwissenschaft der Universität Hamburg und im Master Peace and Security Studies des IFSH. Sie forscht zum Wandel und zur Verflechtung staatlicher und überstaatlicher Sicherheitsordnungen. 2018 gab sie unter anderem ein Sonderheft der Zeitschrift Cooperation and Conflict zur Dezentrierung der Forschung zu internationalen Interventionen heraus und veröffentlichte den Artikel „Security“ im Oxford Handbook of Governance and Limited Statehood. Das besprochene Werk ging aus ihrer Dissertation am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz hervor.

Oliver Merschel studiert im MA Politikwissenschaft mit einem Studienschwerpunkt in IB-Theorie. „Oliver Merschel über Ursula Schröder, The Organization of European Security Governance: Internal and external security in transition (2011)“ weiterlesen

Stephanie Jänsch über Andreas Grimmel und Cord Jakobeit (Hg.): Regionale Integration. Erklärungsansätze und Analysen zu den wichtigsten Integrationszusammenschlüssen in der Welt (2015)

Cord Jakobeit ist seit 2001 Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Hamburg. Von 2015 bis 2019 war er Prodekan für Internationalisierung, später für Forschung, an der WiSo-Fakultät, seit Mai 2019 ist er Dekan der Fakultät. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen neben der Regionalismusforschung Entwicklungstheorien, insbesondere im Hinblick auf Afrika. Mit Rainer Tetzlaff publizierte er 2005 Das nachkoloniale Afrika.
Andreas Grimmel ist Privatdozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Internationale Beziehungen. Gemeinsam mit Cord Jakobeit veröffentlichte er Politische Theorien der europäischen Integration (2009). Gerade erschien seine IB-theoretische Habilitationsschrift unter dem Titel Kontextualismus. Grundlagen und Anwendungsfelder in Politik und Recht.

Stephanie Jänsch hat im MA Politikwissenschaft am Fachbereich studiert. Mittlerweile ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG Sub-Forschungsprojekt “Management of Interface Conflicts in African Security Governance” der Gruppe “Overlapping Spheres of Authority and Interface Conflicts in the Global Order” (OSAIC).


„Regionale Integration bestimmt heute nicht nur das Verhältnis und die Beziehungen zwischen Staaten und ihren Akteuren und somit einen bedeutenden Teil der internationalen Politik. Auch das Leben in den jeweiligen Zusammenschlüssen wird zunehmend durch regionale Integrationsprojekte geprägt“.[1]

Mit diesen Worten beginnen die Herausgeber Andreas Grimmel und Cord Jakobeit ihr Buch Regionale Integration aus dem Jahr 2015. Sie erläutern mit dieser Einleitung, warum die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit aktuellen Integrationsprozessen und ihren regionalen Diversitäten hochgradig relevant ist. Der Sammelband widmet sich hierbei zunächst theoretischen Perspektiven auf Integration, um dann völkerrechtliche und ökonomischen Grundlagen zu beleuchten. Hierfür definieren die Herausgeber im ersten Schritt, welche Prozesse von den Autor:innen als Integration diskutiert werden. Obwohl Grimmel und Jakobeit die Komplexität der Begrifflichkeit und etwaige Schwierigkeiten der Konzeptualisierung nicht genauer diskutieren, schlagen sie eine grundlegende Definition vor, nach welcher (regionale) Integration als „Zusammenschlüsse“ verstanden werden sollen, die „nicht nur einen geografischen Raum umfassen, sondern vor allem auch auf Dauerhaftigkeit und Fortentwicklung (Anpassung oder sogar Erweiterung und Vertiefung) ausgerichtet sind“ (11). Hierauf aufbauend betonen sie, dass die folgenden Kapitel Integration „nicht allein in seiner statischen Dimension (als Zustand)“ (ebd.) erfassen, sondern vielmehr die kontextabhängige Prozesshaftigkeit von Integration ausarbeiten und beleuchten werden.

Diese Perspektive steht zum Teil im Widerspruch mit einigen der theoretischen Strömungen, die Jürgen Rüland und Andreas Grimmel im ersten Kapitel des Buches skizzieren. Dies gilt besonders für „ältere“ Ansätzen, die die europäische Integration ab Mitte des 20. Jahrhunderts zum zentralen Forschungsobjekt haben. Während beide Autoren vorweg die Ursprünge der Integrationsforschung im Funktionalismus und Intergouvernmentalismus beleuchten, stellen sie in einem zweiten Schritt aktuellere Strömungen des „Neuen Regionalismus“, der Vergleichenden Regionalforschung sowie konstruktivistische Ansätze beispielsweise aus der Normenforschung vor. Diese „neueren“ Perspektiven versuchen die vormalige Zentrierung auf Phänomene europäischer Integration zu überwinden und Integration vielmehr als einen globalen Prozess mit kontextspezifischen, regionalen Varianzen zu denken. Rüland und Grimmel reflektieren hierbei beispielsweise die Herausforderung der zahlreichen Bestrebungen den Begriff der „Region“ konzeptionell zu definieren. Sie kritisieren, dass einige Autor:innen der vergleichenden Regionalstudien Gefahr laufen „Äpfel mit Birnen zu vergleichen“ (37), da der Begriff der „Region“ an sich und seine definitorische Abgrenzungen zu anderen Konzepten wie der „Metaregion“ häufig unscharf bleibt (ebd.). Vor diesem Hintergrund schließt das Kapitel mit einem Appell, in welchem die Autoren betonen, dass es zur Weiterentwicklung bestehender Theorien und Ausarbeitung neuer Ansätze wichtig sei, „die ‚richtigen‘ Fragen zu stellen“ (45). Dies erfordere sowohl theoretische Perspektiven als auch konzeptionelle Definitionen stets unter fortlaufendem Rückbezug auf konkrete empirische Realitäten weiterzuentwickeln oder neu zu formulieren (ebd.).

Während Karsten Nowrot und Heribert Dieter in ihren Kapiteln im ersten Teil des Bandes jeweils die völkerrechtlichen sowie ökonomischen Grundlagen von regionaler Kooperation und Integration skizzieren, spiegeln die Analysen der empirischen Integrationsprojekte deren Heterogenität wider. Autor:innen wie Katharina Hoffmann, Rainer Tetzlaff und Wolfgang Muno setzen in ihren Beiträgen den Schwerpunkt auf empirische Fallstudien regionaler Integration in Europa, Asien, Afrika und den Amerikas. Während sich die ersten Kapitel mit europäischen Erfahrungen wie der „Europäischen Union“ (Florian Grotz und Angelika Kretschmer) auseinandersetzen, werden im Anschluss Beispiele aus Asien wie die “Golf-Kooperation“ (Leonie Holthaus) diskutiert. Es folgen fünf Organisationen aus Afrika, wobei die „Arabische Liga“ (Anja Zorob), womöglich auf Grund ihrer geographischen Schnittstelle zwischen Asien und Afrika, den Anfang macht. Die hieran anschließenden Auseinandersetzungen mit zahlreichen Beispielen aus den Amerikas schließen sowohl das „Nordamerikanische Freihandelsabkommen“ (Thomas Greven), sowie regionale Integrationsprozesse aus Mittel- und Südamerika, wie die „Karibische Gemeinschaft“ (Peter Thierry), ein. Hierbei eröffnen die verschiedenen Autor:innen einen individuell gestalteten, historisch informierten und durchaus von den jeweiligen Disziplinen geprägten Einblick in die vielseitigen Projekte.

Der darauffolgende Ausblick betont die empirische Vielfalt von Integration erneut. Ziehe man diese Diversität in Betracht sei laut Grimmel und Jakobeit jeglicher Ansatz, in welcher die EU als Vorbild regionaler Integrationsprozesse weltweit betrachtet werde, ein Zeichen von „Engstirnigkeit“ (436) und könnte deshalb für die Weiterentwicklung von Integrationstheorien „mehr Schaden als Nutzen anrichten“ (439). Vielmehr sei es angebracht, diesen Blickwinkel auf Integration kritisch zu hinterfragen und anzupassen. Entsprechend könnte europäische Integration als eine von vielen Manifestationen regionalspezifischer Integrationsprozesse gedacht und differenziert beleuchtet werden. Dieser Ansatz und weitere theoretische Grundannahmen, welche „alte“ Logiken des Realismus beziehungsweise Liberalismus überwinden, öffnen die Türen für neue Perspektiven, die nicht nur historische kontextspezifische Erfahrungen vermehrt in den Vordergrund rücken, sondern auch nicht-staatliche Akteure stärker einbeziehen. Diese „neue Differenzierung“ (437), die den Erkenntnisgewinn über regionale Integrationsprozesse und ihr tiefergehendes Verständnis in den Mittelpunkt stelle, erkenne diese Komplexitäten und Vielschichtigkeiten von Integration an und eröffne den Raum für neue Fragen und neue Debatten.

Trotz der Vielzahl neuer Perspektiven auf Integration stellen Jakobeit und Grimmel in gewisser Weise anklagend fest, dass wissenschaftliche Debatten über Integration obgleich der theoretisch-konzeptionellen Öffnungen noch immer ein Elitenprojekt seien, in welchem sich die wissenschaftliche Forschung in „Isolation“ befindet: „Über die Interpretation, Analyse und Deutung von Integrationsprozessen debattiert eine transnationale Forschungselite, wohingegen die Lebenswelten der Menschen in den diversen Integrationsräumen weitgehend außen vor bleiben“ (437). Vor diesem Hintergrund formulieren die Autoren abschließend die Forderung, „partizipatorische Formen des Regionalismus stärker in den Mittelgrund zu rücken“ (439) um die alten, und in gewisser Weise fehlleitenden, Gräben zu überwinden und Integration vielschichtiger zu denken.

In diesem Kontext biete der Sammelband Regionale Integration einen grundlegende Überblick über Integrationsprozesse, der den Leser:innen die Diversität empirischen Realitäten näherbringt und gleichzeitig einen Einblick in regionale Integrationsprozesse gewährt. Dennoch scheinen sich die Autor:innen in einigen Passagen in Widersprüchlichkeiten zu verlieren. So steht beispielsweise Grimmels und Jakobeits Klage der „Engstirnigkeit“ mit welcher die Europäische Union (EU) häufig als Vorbild für weltweite Integrationsprozesse angesehen wurde (436), in Kontrast zu ihrer darauffolgenden Einschätzung, nach welcher die europäische Erfahrung zwar nicht zu generalisieren sei, eine Übertragung in gewissem Maße aber dennoch erfolgen könne (12).

Die einleitende Ausdifferenzierung des politischen Spektrums der einzelnen Integrationsprojekte, in welcher laut Grimmel und Jakobeit die EU auf Grund ihres hohen Maßes an Ausdifferenzierung und ihren supranationalen Institutionen eine besondere Rolle einnehme, sowie die Anmerkung, dass die im Sammelband vorgestellten Integrationsprojekte kaum „eine der europäischen Einigung vergleichbare Entwicklung erwarten“ (9) und die EU noch immer für viele als „Inbegriff gelungener regionaler Integration“ (10) gesehen wird, sind starke Indizien dafür, dass europäische Erfahrungen allgemein und die EU im Speziellen noch immer als primäre Referenzpunkte verstanden werden. Gerade die Betonung der Grenzen der Übertragbarkeit und des normativem Rückbezugs, welche die Autoren betonen, suggeriert gleichzeitig, dass diese Perspektive grundlegend bis zu eben jener Grenze sinnhaft und gewinnbringend sei.

Der starke Rückbezug auf die EU manifestiert sich auch in einigen Diskussionen der regionalen Fallbeispiele des Sammelbands. So schlussfolgert Peter Thiery in seinem Kapitel über die „Karibische Gemeinschaft“ (CARICOM) in Bezug auf den „Karibischen Gerichtshof“, dass das supranationale Gericht „bis heute (noch) nicht die Bedeutung des EuGH erlangt“. Dies sei in dem Umstand begründet, dass es der CARICOM an einer „treibenden Kraft analog zur EU-Kommission“ (366) fehle. Woraus sich dieser Anspruch ableitet, also ob es sich hierbei um ein politisch formuliertes Ziel der regionalen Akteure oder um einen von diesen Akteuren entkoppelten wissenschaftlich-analytischen Vergleich handelt, bleibt an dieser Stelle offen.

Ohne Zweifel beinhaltet das Bestreben, spezifische politische Kontexte regionaler Integration auf differenzierte Weise zu erschließen auch ein tieferes Verständnis der Akteure innerhalb dieser Prozesse. Ein Großteil der Analysen im Sammelband bezieht sich hierbei primär auf staatliche Akteure und ihr Wirken in regionalen Integrationsprozessen. Wenn Grimmel und Rüland in ihrem Theorie-Kapitel mit Verweis auf Björn Hettne auf die tragende Rolle nicht-staatlicher Akteure für Integrationsprozesse hinweisen, ist dies eine wichtige Bemerkung, die unseren analytischen Blickwinkel erweitern könnte. Wenn beide Autoren dann allerdings in Rückbezug auf Frederik Söderbaum vermeintlich daran „erinnern“, dass es sich bei nicht-staatlichen Akteure in Sub-Sahara Afrika zuweilen um „von Warlords beherrschte mafia-ähnliche Strukturen“ (35) handle, scheint dies nicht empirische Realitäten differenziert aufzuarbeiten, sondern vielmehr zu verzerren. Ähnlichen Narrativen folgend, beschreibt Tetzlaff die politische Führung Nigerias als „raffgierige außergesetzliche Militärregierungen“ innerhalb einer „insgesamt inkompetenten und dazu korrupte[n] Staatsklasse“ (275). Inwiefern diese abwertende Generalisierung zu einem tieferen Verständnis der regionalen Partikularitäten der „Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft“ (ECOWAS) beitragen kann und überdies unseren wissenschaftlich-analytischen Blick auf regionale Heterogenität schärft, steht zur Diskussion.

Ähnliche Argumentationen finden sich in Tetzlaffs Analyse der „Afrikanischen Union“ (AU), Afrikas größter Regionalgemeinschaft. In diesem Kontext stellt Tetzlaff fest, dass die „Zahlungsmoral“ der afrikanischen Mitgliedsstaaten „traditionell schlecht“ (242) sei – allerdings ohne die Hintergründe dieser so genannten fehlenden „Moral“ zu beleuchten. Dieses Versäumnis schließt leider eine fundierte Diskussion über die strukturellen Besonderheiten der AU und die damit verbundenen Handlungsräume aus. Darüber hinaus stellt Tetzlaff fest, dass die Doppelmitgliedschaften von einigen Staaten in verschiedenen regionalen Zusammenschlüssen ein „immer noch aktuelles Problem“ (243) darstellen – ohne hierbei genauer auszuführen, worin die vermeintlichen Schwierigkeiten liegen und welche politischen Herausforderungen – oder möglichen Chancen -sich hieraus konkret ergeben. An diesen Punkten wären genauere Erläuterungen und Hintergrunddiskussionen wichtig, um den Blick auf afrikanische Integrationsprojekte und ihre Besonderheiten, ihre Chancen sowie Herausforderungen zu schärfen.

Anderen Autor:innen des Sammelbandes, wie Rolf Holfmeier, gelingt es diese Brücke zu bauen und differenziert zu erläutern, vor welchen Herausforderungen die „Ostafrikanische Gemeinschaft“ (EAC) steht und welche Hintergründe sowie historischen Entwicklungen diese bedingen. Besonders die stärker ausdifferenzierte Betrachtung von verschiedenen Modi der Kooperation in diversen Politikfeldern wie Wirtschafts- oder Sicherheitspolitikermöglicht ermöglicht es, die Komplexität von regionaler Integration in diesen Kontexten besser zu verstehen. Somit öffnet Holfmeier durch seinen Beitrag die Tür für weiterführende Auseinandersetzungen mit Integrationsprozessen im Rahmen der EAC.

So bleibt zusammenfassend festzustellen, dass Grimmels und Jakobeits Sammelband durchaus eine einführende Grundlage zum Verständnis von regionalen Integrationsprozessen liefert. Die Forderung, Integrationsprozesse stets in ihren jeweiligen kontextspezifischen Räumen zu analysieren und hierbei eine theoretisch-konzeptionelle Offenheit für Heterogenität und verschiedenartige Spielarten von Integration zu bewahren, spiegelt die grundlegenden Annahmen von neueren Theoriesträngen, getragen von internationalen Wissenschaftler:innen wie Amitav Acharya, wider. Besonders die jedem Kapitel beigefügten weiterführenden Fragen und Literaturempfehlungen ermöglichen den Leser:innen ihre eigene Auseinandersetzung mit empirischen Integrationsprozessen zu vertiefen. Insofern ist Grimmels und Jakobeits Werk ein hilfreicher Startpunkt für weiterführende Analysen. Im Sinne einer stärkeren citizen-governance Perspektive (439), bleibt zu hoffen, dass es zukünftigen Analysen gelingt, die Lebensrealitäten der lokalen Bevölkerungen und ihren Einfluss auf regionale Integration jenseits der Politik staatlicher Eliten stärker mitzudenken und somit unseren analytischen Blick, womöglich unter der Einbeziehung interdisziplinärer Methoden und Ansätze, zu weiten. Dieser Ansatz könnte ermöglichen, die Frage der „agency“ in Integrationsprozessen, besonders in Räumen hoher Mobilität, neu zu denken und zentrale Interdependenzen aufzuzeigen. Womöglich könnten uns diese und andere Ansätze, die Heterogenität und Diversität hierarchiefrei denken, auch entscheidend dabei helfen, den Geist der Europäischen Union als universelles Vorbild hinter uns zu lassen.


[1] Andreas Grimmel & Cord Jakobeit 2015. Regionale Integration. Erklärungsansätze und Analysen zu den wichtigsten Integrationszusammenschlüssen in der Welt, Baden-Baden, 9.

Zwischen Theorie und Diktatur: Nicolai Wacker über Rudolf Laun (1882 – 1975)

Rudolf Laun wurde im Oktober 1919 auf den Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Universität Hamburg berufen und hatte diesen bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1950 inne. In dieser Zeit war er mehrfach Universitätsrektor (1924/25, 1925/26 und 1947) sowie Dekan der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät (1929/30 und 1945). Im Unterschied zu den Mitgliedern der staatswissenschaftlichen Fakultät, die wegen ihrer jüdischen Herkunft entlassen, verfolgt und vertrieben wurden, wie Albrecht Mendelssohn Bartholdy und Kurt Perels, wusste sich Laun mit den neuen Machthabern zu arrangieren. Im Gegensatz zu den offen nationalsozialistisch agierenden Adolf Rein und Ernst Forsthoff wird Laun jedoch als Vertreter einer „inneren Emigration“ in Anspruch genommen. Unser Beitrag erörtert die Spuren, die Launs Option in seinem Werk und Leben hinterlassen hat.

Nicolai Wacker ist Student der Rechtswissenschaft an der Universität Hamburg, mit Interessenschwerpunkten in Völkerrecht und Internationaler Politischer Theorie.

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Eine Gratwanderung zwischen Wissenschaft und Politikberatung – Marcel Krone über das Friedensgutachten 2019

Das Friedensgutachten ist seit Jahrzehnten eine der wichtigsten Institutionen deutscher Friedensforschung und wissenschaftlicher Außenpolitikberatung. Eines der herausgebenden Institute ist das Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH). In diesem Beitrag rekonstruiert Marcel Krone die zentralen inhaltlichen Schwerpunkte des Friedensgutachtens 2019 und reflektiert über die Gratwanderung zwischen unabhängiger Forschung und intervenierender politischer Beratung.

Marcel Krone studiert im Master Politikwissenschaft am Fachbereich.

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Kim Henningsen über Thomas Straubhaar, Migration im 21. Jahrhundert (2002)

Thomas Straubhaar ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere internationale Wirtschaftsbeziehungen an der Universität Hamburg. Er hat an der Universität Bern studiert, promoviert und habilitiert. Straubhaar war Direktor des Instituts für Integrationsforschung des Europa-Kolleg Hamburg  und Direktor und Sprecher der Geschäftsführung des Hamburgischen  WeltWirtschaftsInstituts (HWWI). Er hat zu den Themenbereichen Migration, Volkswirtschaftslehre, Grundeinkommen veröffentlicht.

Kim Kristin Henningsen ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Politische Theorie an der Universität Hamburg. Sie bestritt einen trinationalen M.A. in European Studies: Law and Politics und promoviert mit einer Doktorarbeit zum Thema Legitimität des internationalen Migrationsrechts.

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Franziska Goebel über Amrita und Aruna Narlikar, Bargaining With A Rising India (2014)

Amrita Narlikar ist Präsidentin des in Hamburg angesiedelten GIGA Instituts und Professorin für Internationale Beziehungen an der Universität Hamburg. Sie hat in Oxford promoviert und als Reader für Internationale Politische Ökonomie an der Universität Cambridge gearbeitet. Narlikar hat zahlreiche Bücher und Aufsätze zu den Themen Welthandel, aufstrebende Mächte und multilaterale Verhandlungen veröffentlicht. In „Bargaining with a Rising India“, erforscht Amrita Narlikar gemeinsam mit ihrer Mutter Aruna Narlikar, einer Expertin für indisches Sanskrit, die kulturellen Wurzeln indischen Verhandlungsverhaltens.

Franziska Goebel studiert im Master Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. „Franziska Goebel über Amrita und Aruna Narlikar, Bargaining With A Rising India (2014)“ weiterlesen

Jan Klenke über Patrick Köllner et al., Comparative Area Studies – Methodological Rationales and Cross-Regional Applications (2018)

Patrick Köllner ist Vizepräsident des German Institute for Global and Area Studies (GIGA) und Direktor des Instituts für Asien-Studien des GIGA. Seit 2011 lehrt Köllner als Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg, vor allem zu Vergleichenden Regionalstudien und den politischen Systemen Ostasiens. Als Herausgeber des zuletzt erschienen Sammelbandes „Comparative Area Studies: Methodological Rationales and Cross-Regional Applications“ widmet Köllner seine Expertise der Aufarbeitung des CAS-Ansatzes, an dem sich auch die Forschung am GIGA orientiert.

Jan Klenke ist Research Fellow am GIGA Institute for Asian Studies in Kooperation mit der Universität Hamburg. Er arbeitet zu Concession Making and Preference Adjustment of Emerging Powers in International Climate Change Negotiations. Der Vergleich der von ihm untersuchten Länder Indien, Brasilien und China steht dabei vor besonderen Herausforderungen hinsichtlich unterschiedlicher Kontexte und Vergleichbarkeit. „Jan Klenke über Patrick Köllner et al., Comparative Area Studies – Methodological Rationales and Cross-Regional Applications (2018)“ weiterlesen

Laura von Allwörden über Detlef Nolte et al.: Macht, Führung und Regionale Ordnung: Theorien und Forschungsperspektiven (2012)

Detlef Nolte ist Professor an der Universität Hamburg und langjähriger stellvertretender Direktor des German Institute for Global and Area Studies (GIGA) Hamburg. Sein Schwerpunkt liegt in den Lateinamerikastudien, mit besonderem Augenmerk auf Demokratieschutz und demokratischem institutionellem Wandel. Er hat von 2006 bis 2018 das Lateinamerika-Institut am GIGA geleitet und den Studiengang Lateinamerikastudien an der Universität Hamburg mitgeprägt.

Laura von Allwörden hat sowohl ihr Bachelor- als auch ihr Master Studium der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg absolviert. Seit September 2019 promoviert sie an der Universität Maastricht in dem Projekt „Who gets to live forever? The Decline and Death of International Organisations“.

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Ana Soares über Michael Brzoskas Band, European Peace and Security Policy: Transnational Risks of Violence (2014)

Michael Brzoska hat das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg (IFSH) von 2006 bis 2016 geleitet und ist dort nun als Senior Research Fellow tätig.  Brzoska hat als Professor an der Universität Hamburg gelehrt und am Internationalen Konversionszentrum Bonn sowie am Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI gelehrt und geforscht. Die Deutsche Stiftung Friedensforschung leitete er von 2008 bis 2015.

Ana Soares ist Doktorandin im Fach Politikwissenschaft an der Universität Hamburg und arbeitet an der Professur für Global Governance (Prof. Antje Wiener). Sie ist in Brasilien aufgewachsen und hat BA- und MA-Abschlüsse in Internationalen Beziehungen an der La Salle University und der Corvinus Universität Budapest erworben. „Ana Soares über Michael Brzoskas Band, European Peace and Security Policy: Transnational Risks of Violence (2014)“ weiterlesen

Gnade, Recht und Politik: Markus Abraham über Wilhelm Grewe, Gnade und Recht (1936)

Wilhelm Grewe (1911-2000) promovierte 1936 mit der Arbeit Gnade und Recht bei Ernst Forsthoff an der Universität Hamburg. Seine Habilitationsschrift von 1941, Epochen der Völkerrechtsgeschichte (Baden-Baden 1984), ist inzwischen zum Klassiker der Internationalen Beziehungen avanciert. In der BRD war Grewe im Auswärtigen Amt tätig, schließlich Botschafter und vertrat die Bundesrepublik Deutschland bei der NATO (1962-1971).[1] Grewe hat wesentlichen Anteil an der Entstehung der sog. Hallstein-Doktrin[2], dem außenpolitischen Grundsatz der jungen Bundesrepublik, nach dem die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Deutschen Demokratischen Republik als unfreundlicher Akt gewertet wurde.

Markus Abraham arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Habilitand am Lehrstuhl für Strafrecht und Rechtsphilosophie (Prof. Dr. Jochen Bung) an der Universität Hamburg. Zuletzt erschien Sanktion, Norm, Vertrauen. Zur Bedeutung des Strafschmerzes in der Gegenwart, Berlin: Duncker & Humblot 2018. „Gnade, Recht und Politik: Markus Abraham über Wilhelm Grewe, Gnade und Recht (1936)“ weiterlesen

Tania Mancheno: Das Gespenst des deutschen Kolonialismus – 100 Jahre Kolonialinstitut?

Mai 2019 – die Universität Hamburg feiert Jubiläum. 100 Jahre ist es her, dass die Uni gegründet wurde. Doch wann beginnt die Geschichte der Universität wirklich? Im Jahr 1919 löste sich nämlich gleichzeitig das Hamburgische Kolonialinstitut auf. Seit 1908 diente dieses unter anderem zur Ausbildung von Kolonialbeamten und war zentral für die wissenschaftliche Landschaft der Stadt.
Die Räumlichkeiten wurden an die Universität weitergegeben, so dass das ehemalige Kolonialinstitut in das Hauptgebäude und in das heutige Asien-Afrika-Institut überführt wurde. Kritik am Jubiläum spricht sich für eine tiefere Aufarbeitung der kolonialen Geschichte der Universität aus. Was bedeutet es für eine Institution, aus der Kolonialgeschichte Deutschlands entsprungen zu sein?
In einem Interview mit Tania Mancheno, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität am Fachgebiet Kriminologische Sozialforschung bei Prof. Dr. Hentschel und Mitglied der Forschungsstelle „Hamburgs (post-)koloniales Erbe“ wird dieser Frage auf den Grund gegangen.

Das Interview führte Alexa Vaagt, Studentin der Politikwissenschaft am Fachbereich. Das Projekt entstand im Rahmen des Seminars “Einführung in den Journalismus” bei Prof. Volker Lilienthal, das sich unter anderem mit dem Blog beschäftigte.

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Joshua Smeltzer über Kurt Perels, Der Friede von Versailles und der Deutsche Staat (1920)

Kurt Perels war Professor des öffentlichen Rechts am Hamburgischen Kolonialinstitut sowie der erste Dekan der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Hamburg.  Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehörte das Parlamentsrecht, das Kolonialrecht und das Völkerrecht. Nach der nationalsozialistischen Übernahme der Universität drohte der Verlust seines Richteramts und seiner Professur. Am 10. September 1933 flüchtete er in den Tod. Über Perels‘ Nachfolger Ernst Forsthoff und andere politische Juristen, die die Linien politikwissenschaftlicher Forschung an der Universität vorzeichneten, werden in Kürze weitere Beiträge erscheinen.

Joshua Smeltzer holds an M.Sc. in Politics, Economics and Philosophy from Universität Hamburg. He is a doctoral candidate in the department of Politics and International Studies at the University of Cambridge.

„Joshua Smeltzer über Kurt Perels, Der Friede von Versailles und der Deutsche Staat (1920)“ weiterlesen

Andreas Ullmann über Jürgen Zimmerers Band, Kein Platz an der Sonne – Erinnerungsorte der deutschen Kolonialgeschichte (2013)

Jürgen Zimmerer ist Historiker und Afrikawissenschaftler. Er ist seit 2010 Professor für Globalgeschichte an der Universität Hamburg und leitet seit 2014 die Forschungsstelle Hamburgs (post-)koloniales Erbe/Hamburg und die frühe Globalisierung. Zimmerer gilt als einer der führenden Kolonialismus- und Genozidforscher in Deutschland. Ein aktueller Vortrag von Jürgen Zimmerer mit dem Titel „Wissenschaft und Kolonialismus. Die Hamburger Universität vom Kolonialinstitut bis zum Sturz des Wissmann-Denkmals “ ist als Video auf dem Lecture2Go Portal der Universität verfügbar.

Andreas Ullmann ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt On the Causal (In)Significance of Legal Status: Assessing and Explaining Compliance with the “Views” of the UN Human Rights Treaty Bodies der Juniorprofessur für Politikwissenschaft, insb. Global Governance (Andreas von Staden). Sein Forschungsinteresse gilt der Beobachtung internationaler Menschen­rechts­institutionen sowie globaler Wirtschafts- und Entwicklungspolitik mit dem regionalen Schwerpunkt Afrika.

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David Weiß über Elvira Rosert, Die Nicht-Entstehung internationaler Normen: Permissive Effekte in der humanitären Rüstungskontrolle (2019)

Elvira Rosert ist Juniorprofessorin für Politikwissenschaft, insbesondere Internationale Beziehungen, an der Universität Hamburg und am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. In ihrer Dissertation, die nun auch als Monographie erschienen ist und in der sie sich mit der langen Nicht-Entstehung der Streumunitionsverbotsnorm auseinandersetzt, verbinden sich ihre Forschungsschwerpunkte: Normenforschung, (humanitäres) Völkerrecht und internationale Institutionen.

David Weiß studiert seit 2016 Politikwissenschaft im Bachelor am Fachbereich. Seit diesem Jahr ist er Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. „David Weiß über Elvira Rosert, Die Nicht-Entstehung internationaler Normen: Permissive Effekte in der humanitären Rüstungskontrolle (2019)“ weiterlesen

Elvira Rosert über Andreas von Staden, Strategies of Compliance with the European Court of Human Rights. Rational Choice Within Normative Constraints (2018)

Andreas von Staden ist Juniorprofessor für Politikwissenschaft, insbesondere Global Governance, an der Universität Hamburg und Leiter des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts „On the Causal (In)Significance of Legal Status: Assessing and Explaining Compliance with the ‘Views’ of the UN Human Rights Treaty Bodies“. Nach seiner Promotion in Princeton war er unter anderem als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ an der Technischen Universität Darmstadt und Assistenzprofessor für Internationale Organisation an der Universität St. Gallen tätig. Seine Forschungsschwerpunkte sind internationale Institutionen, Recht und Politik sowie Menschenrechte.

Elvira Rosert ist Juniorprofessorin für Politikwissenschaft, insbesondere Internationale Beziehungen, an der Universität Hamburg und am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. Sie wurde 2016 an der Goethe-Universität Frankfurt promoviert, und hat als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Öffentliches Recht und Völkerrecht an der Universität Gießen, an der Professur für Internationale Institutionen und Friedensprozesse an der Goethe-Universität Frankfurt sowie an der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung geforscht und gelehrt. Ihre Forschungsschwerpunkte sind internationale Institutionen und (humanitäres) Völkerrecht. „Elvira Rosert über Andreas von Staden, Strategies of Compliance with the European Court of Human Rights. Rational Choice Within Normative Constraints (2018)“ weiterlesen

Stefan Oeter über Albrecht Mendelssohn Bartholdy und das Institut für Auswärtige Politik

Albrecht Mendelssohn Bartholdy wurde 1920 auf einen Lehrstuhl für Auslandsrecht und Internationales Privatrecht berufen. Im Jahr 1923 gründete er das Institut für Auswärtige Politik, das unter dem Namen Institut für internationale Angelegenheiten noch heute in der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Hamburg existiert. Die juristische Graduiertenschule trägt seinen Namen. Mendelssohn Bartholdy wurde 1933 sein Lehrstuhl, 1934 die Leitung des Instituts entzogen. Er starb 1936 im Oxforder Exil.
Ein Blogeintrag zu Mendelssohn Bartholdys “Der Volkswille” ist ebenfalls auf Politik 100×100 erschienen

Stefan Oeter ist seit 1999 Professor für Öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht an der Universität Hamburg. Er gehört zu den profiliertesten Völkerrechtlern und Föderalismus-Experten der Gegenwart. Sein hier erscheinender Beitrag ist eine adaptierte Version eines Aufsatzes in der Fakultätsfestschrift „100 Jahre Rechtswissenschaft an der Universität Hamburg“, die in diesem Jahr bei Mohr Siebeck erscheinen wird. Stefan Oeter ist Direktor des Instituts für internationale Angelegenheiten. „Stefan Oeter über Albrecht Mendelssohn Bartholdy und das Institut für Auswärtige Politik“ weiterlesen

Lisbeth Zimmermann über Antje Wiener, Contestation and Constitution of Norms in Global International Relations (2018)

Antje Wiener ist, nach Professuren an den Universitäten von Belfast und Bath, seit 2009 Professorin für Politikwissenschaft, insbesondere Global Governance, an der Universität Hamburg. 2012 hat sie gemeinsam mit James Tully die Zeitschrift Global Constitutionalism gegründet, seit 2017 ist sie By-Fellow von Hughes Hall an der Universität Cambridge. Contestation and Constitution of Norms in Global International Relations, erschienen 2018 bei Cambridge University Press, ist entstanden im Rahmen eines opus magnum-Fellowships der Volkswagen-Stiftung,

Lisbeth Zimmermann ist Professorin für Internationale Beziehungen an der Zeppelin-Universität Friedrichshafen. Sie hat 2012 an der TU Darmstadt promoviert und Forschungsprojekte an der Goethe-Universität und der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung geleitet. 2017 erschien Global Norms with a Local Face. Rule-of-Law Promotion and Norm Translation (Cambridge University Press). „Lisbeth Zimmermann über Antje Wiener, Contestation and Constitution of Norms in Global International Relations (2018)“ weiterlesen

Fundstück: Der Allende-Platz – ein Stück Weltpolitik in Hamburg

Portrait des ehemaligen chilenischen Präsidenten Salvador Allende, angebracht am heutigen Allende-Platz 2 – Bildnachweis: Foto Ervin Kondakciu

1983, elf Jahre nach dem gewaltvollen Putsch gegen den demokratisch gewählten, sozialistischen Präsidenten Chiles Salvador Allende, schicken sich zahlreiche Hamburger Aktivistinnen, darunter einige Exilchileninnen, an, dem Präsidenten auch in Deutschland ein Denkmal zu setzen. Nach zähem Ringen, zahlreichen Diskussionen und Demonstrationen wird schließlich ein Teil des Universitätscampuses in Allende-Platz umbenannt.
Das nächste Kapitel der Geschichte unseres heutigen sozialwissenschaftlichen Gebäudes, dem Allende-Platz 1, steht – wie alle anderen – unter den Zeichen der Zeit. Und auch dieses Mal geht es um die großen Fragen: Blockkonfrontation, antikoloniale Befreiung, Migration und Exilkultur sowie Kleinkriege in Bezirksfraktionen. „Fundstück: Der Allende-Platz – ein Stück Weltpolitik in Hamburg“ weiterlesen

Maren Hofius über Olaf Asbach, Europa – Vom Mythos zur Imagined Community? (2011)

Olaf Asbach ist seit 2009 Universitätsprofessor für Politikwissenschaft am Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Hamburg. Ausgehend von seiner Heisenberg-Professur “Europa und Moderne” erforscht er die ideengeschichtlichen Grundlagen der Herausbildung politischer Institutionen in Europa seit der Neuzeit. Die rezensierte Publikation steht repräsentativ für seinen Forschungsschwerpunkt zur Entstehung des modernen Europa und Europadenkens.

Maren Hofius ist ebenfalls seit 2009 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Professur für Politikwissenschaft, insbesondere Global Governance. Sie forscht zu Prozessen der Gemeinschaftsbildung und Grenzpraktiken in den internationalen Beziehungen. Sie teilt mit Olaf Asbach das Interesse an den teils widersprüchlichen und sich durch Brüche kennzeichnenden Konstruktionsprozessen von Identität im Kontext der europäischen Integration. „Maren Hofius über Olaf Asbach, Europa – Vom Mythos zur Imagined Community? (2011)“ weiterlesen

Fundstück: Michael Th. Greven ‘aus gegebenem Anlaß’

In der ersten Retrospektive heute berichtete Rainer Tetzlaff über den Hamburger “Uni-Skandal” von 2004. Dem russischen Präsidenten Vladimir Putin sollte die Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg verliehen werden, dagegen setzte sich – schließlich erfolgreich – eine Gruppe von Professorinnen, angestoßen vom Politikwissenschaftler Michael Th. Greven, ein. In diesem Fundstück findet sich nun auch der gesamte Aufruf von Michael Th. Greven samt E-Mail an die Kolleginnen.

Wir danken Rolf von Lüde für die Überlassung des Wortlauts von Michael Grevens Aufruf. Prof. Dr. Rolf von Lüde war von 1995 an Professor für Soziologie im Fachbereich Sozialwissenschaften. Er gehört zu den Erstunterzeichnern des Aufrufs. Anlässlich von Vladimir Putins Teilnahme am G20-Gipfel hat er dem Deutschlandfunkt 2017 ein Interview gegeben. „Fundstück: Michael Th. Greven ‘aus gegebenem Anlaß’“ weiterlesen

Rainer Tetzlaff über den Hamburger “Uni-Skandal” 2004: Michael Th. Greven und die verhinderte Ehrendoktorwürde für Wladimir Putin

Michael Th. Greven war von 1995 bis 2012 Professor für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg, zunächst mit dem Schwerpunkt Regierungslehre, ab 2004 mit dem Schwerpunkt Politische Theorie. Die Reminiszenz von Rainer Tetzlaff beschreibt die Umstände, unter denen Michael Greven als Dekan des sozialwissenschaftlichen Fachbereichs eine Protestaktion gegen die geplante Verleihung der Ehrendoktorwürde an Vladimir Putin initiierte, die schließlich zur Absage der Verleihung führte. Der Wortlaut des Aufrufs von Michael Greven ist in diesem Fundstück zu finden, eine Würdigung von Michael Grevens theoretischen Arbeiten für 100 x 100 ist in Vorbereitung.

Rainer Tetzlaff war von 1974 bis 2006 Professor für Politische Wissenschaft am Institut für Politische Wissenschaft der Universität der Freien und Hansestadt Hamburg. Er beschäftigt sich in der Hauptsache mit Internationaler Politik und Entwicklungspolitik. Zu Rainer Tetzlaffs jüngst in der Reihe ‚Grundwissen Politik‘ erschienenem Afrika-Buch (Afrika. Eine Einführung in Geschichte, Politik und Gesellschaft. Wiesbaden 2018) erschien an dieser Stelle eine Rezension von Andreas Mehler. „Rainer Tetzlaff über den Hamburger “Uni-Skandal” 2004: Michael Th. Greven und die verhinderte Ehrendoktorwürde für Wladimir Putin“ weiterlesen

Andreas Mehler zu Rainer Tetzlaff, Afrika: Eine Einführung in Geschichte, Politik und Gesellschaft (2018)

Rainer Tetzlaff war von 1974 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2006 Professor für Politische Wissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen an der Universität Hamburg. Afrikanische Politik begleitet ihn von seinem Studium an bei zahlreichen Forschungsaufenthalten sowie in seinen Publikationen bis heute. Eine Publikation, ein einführendes Lehrbuch zur Geschichte, Politik und Gesellschaft Afrikas, wird hier rezensiert.

Andreas Mehler ist Direktor des Arnold-Bergstraesser-Instituts und Professor für Politikwissenschaft an der Universität Freiburg im Breisgau. Andreas Mehler hat 1993 mit einer Arbeit zum blockierten Demokratisierungsprozess in Kamerun bei Rainer Tetzlaff an der Universität Hamburg promoviert und war anschließend erst wissenschaftlicher Mitarbeiter, dann Direktor am Institut für Afrikakunde (später: GIGA Institut für Afrikastudien) in Hamburg. „Andreas Mehler zu Rainer Tetzlaff, Afrika: Eine Einführung in Geschichte, Politik und Gesellschaft (2018)“ weiterlesen

Mate Szabó über Günter Trautmann, Die hässlichen Deutschen? Deutschland im Spiegel der westlichen und östlichen Nachbarn (1991)

Günter Trautmann lehrte von 1978 bis 2001 am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Hamburg. Bis zu seinem Tod im Jahr 2001 war er dort zuletzt Professor für Politische Wissenschaft. Sein Forschungsinteresse galt vor allem den Chancen und Herausforderungen der Europäischen Union und ihrer Mitgliedsstaaten nach dem Ende des Kalten Krieges. „Die hässlichen Deutschen“ ist eine Zusammenstellung verschiedener internationaler Perspektiven auf das frisch vereinte Deutschland.

Mate Szabó ist Professor für Politikwissenschaft an der Universität Eötvös Loránd in Budapest. Als Stipendiat der Alexander von Humboldt Stiftung forschte er zwischen 1991 und 1992 an der Universität Hamburg. Sowohl Szabós persönliche Beziehung zu Trautmann als auch seine ungarische Herkunft verleihen der Rezension eine besondere Perspektive eines östlichen Nachbarn. „Mate Szabó über Günter Trautmann, Die hässlichen Deutschen? Deutschland im Spiegel der westlichen und östlichen Nachbarn (1991)“ weiterlesen

Patricia Konrad über Petra Dobner, Wasserpolitik. Zur politischen Theorie, Praxis und Kritik globaler Governance (2010)

Petra Dobner ist Professorin für Systemanalyse und Vergleichende Politikwissenschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Davor lehrte sie zwischen 2010 und 2012 als Professorin für Regierungslehre (Fachbereich Politikwissenschaft) an der Universität Hamburg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind unter anderem Governance-Prozesse und Staats- und Verfassungstheorien. Ihr Buch „Wasserpolitik. Zur politischen Theorie, Praxis und Kritik globaler Governance“ ist ein wichtiger Beitrag zur Erforschung transnationaler Stakeholder-Netzwerke.

Patricia Konrad studierte Politikwissenschaft in Augsburg und Hamburg und ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) und des Initiativkreises Friedensbildung/Peacebuilding (ZNF) an der Universität Hamburg. Sie promoviert zum Thema „Präventionsstrategien genderbasierter Gewalt in bewaffneten Konflikten“. „Patricia Konrad über Petra Dobner, Wasserpolitik. Zur politischen Theorie, Praxis und Kritik globaler Governance (2010)“ weiterlesen

Podcast: Elvira Rosert über den UN-Sicherheitsrat und die Mitgliedschaft Deutschlands

Seit dem 1. Januar diesen Jahres ist Deutschland für insgesamt zwei Jahre eines von zehn nicht-ständigen Mitgliedern im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Im vergangenen April hatte die Bundesrepublik außerdem den Vorsitz des Organs inne. Mit Elvira Rosert sprechen wir im neuen podcast auf Politik100x100 über den Vorsitz und welche Initiativen die Bundesregierung und ihre Diplomatinnen voranbringen konnten – etwa eine Resolution gegen sexualisierte Gewalt. Außerdem beleuchten wir die strukturelle Organisation des Sicherheitsrates, mögliche Reformperspektiven und die wissenschaftliche Reflexion internationaler Politik in Theorie und Praxis (Moderation: David Weiß, Technik: Jonathan Deupmann).

Elvira Rosert ist seit 2017 Juniorprofessorin am Fachgebiet Politikwissenschaft und arbeitet im ebenfalls im podcast besprochenen Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik Hamburg (IFSH). Neben der Arbeit an internationalen Institutionen lehrt und forscht sie zu Fragen humanitärer Rüstungskontrolle sowie internationalen Normen – ihre Dissertation beschäftigte sich etwa mit der langjährigen Nicht-Entstehung des Verbotes von Streumunition.

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Podcast: Jan Wilkens über die Parlamentswahlen in Israel

Am vergangenen Dienstag, den 09. April, konnte Benjamin Netanjahus rechtes Wahlbündnis einen weiteren Sieg bei den Parlamentswahlen in Israel verzeichnen. Der nun dienstälteste israelische Ministerpräsident ist jedoch angeschlagen – durch Korruptionsvorwürfe, vor allem aber aufgrund des sich weiter zuspitzenden Konflikts zwischen Israel und Palästina. Im neuen Podcast auf Politik100x100 berichtet Jan Wilkens über die aktuellen Entwicklungen in Israel, die großen Identitätsfragen sowie die Rolle von Wissenschaft und europäischem Diskurs in der problematischen Aufrechterhaltung von Narrativen (Moderation: David Weiß).

Jan Wilkens ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Global Governance. 2018 hat er zur Transnationalisierung der zivilgesellschaftlichen Konflikte in Syrien promoviert. Auch diese Arbeit stellt er neben der Forschung des Global Governance-Teams zu normativen Fragen der Internationalen Politik, Kontestation und Praxistheorien vor.

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Podcast: Patrick Köllner über Nordkorea, Gipfeltreffen und die nordostasiatische Konstellation

2017, nach der Amtseinführung von US-Präsident Trump und erneuten Raketentest der nordkoreanischen Staatsführung, droht eine weitere Eskalation des Konflikts mit Nordkorea. Doch 2018 folgt dann das “Jahr der Gipfeltreffen” und kleine Fortschritte hin zu einer Normalisierung der Beziehungen zu Nordkorea zeichnen sich ab.
Wie wahrscheinlich eine solche Normalisierung auch noch nach dem zweiten Gipfel zwischen Trump und Kim Jong Un im Februar in Hanoi, Vietnam scheint und wie die politischen Entwicklungen auf der koreanischen Halbinsel generell zu bewerten sind, besprechen wir in unserem Podcast auf Politik100x100 mit Patrick Köllner (Moderation: David Weiß).

Patrick Köllner ist seit 2011 Professor für Politikwissenschaft, insbesondere Asien-Studien an der Universität Hamburg. Er leitet das Institut für Asien-Studien am Hamburger Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien (GIGA). Auch zur Arbeit des GIGA als Forschungsinstitut und Think Tank berichtet Patrick Köllner im Podcast. „Podcast: Patrick Köllner über Nordkorea, Gipfeltreffen und die nordostasiatische Konstellation“ weiterlesen

Burkhard Conrad über die ‘Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen’ in der Hamburger Politikwissenschaft

Mitte der 1990er Jahren erscheinen drei wegweisende, am Hamburger Institut als Dissertationen eingereichte Monographien zur Kriegsursachenforschung: Jens Siegelbergs Kapitalismus und Krieg. Eine Theorie des Krieges in der Weltgesellschaft (1994), Dietrich Jungs Tradition – Moderne – Krieg. Grundlegung einer Methode zur Erforschung kriegsursächlicher Prozesse im Kontext globaler Vergesellschaftung (1995) sowie Klaus Schlichtes Krieg und Vergesellschaftung in Afrika. Ein Beitrag zur Theorie des Krieges (1996). Siegelberg arbeitet heute als Publizist und Consultant, Jung ist an der University of Southern Denmark in Odense, Klaus Schlichte an der Universität Bremen tätig.

Burkhard Conrad OPL ist Mitglied der Laiengemeinschaft des Dominikanerordens und Mitarbeiter im Erzbistum Hamburg. Er promovierte in Hamburg bei Cord Jakobeit, Michael Greven und Kari Palonen mit der Arbeit „Der Augenblick der Entscheidung. Zur Geschichte eines politischen Begriffs“. Er schreibt den ideengeschichtlichen Blog „rotsinn“. „Burkhard Conrad über die ‘Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen’ in der Hamburger Politikwissenschaft“ weiterlesen

Fundstück: Magdalene Schoch – Portrait

Ein Portrait von Magdalene Schoch – Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Magdalene Schoch wurde 1932 als erste Frau an einer rechtswissenschaftlichen Fakultät in Deutschland an der Hamburgischen Universität habilitiert. Über Schochs Leben und Wirken in Hamburg, ihre Zusammenarbeit mit Albrecht Mendelssohn Bartholdy am “Institut für Auswärtige Politik” sowie ihre US-amerikanische Identität – unser nächstes Archivfundstück. „Fundstück: Magdalene Schoch – Portrait“ weiterlesen

Klaus Schlichte zu Klaus Jürgen Gantzel und der Hamburger Kriegsursachenforschung

Die Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung war seit der Gründung in den 1980er-Jahren ein unverzichtbarer Teil der Hamburger Politikwissenschaft. In seiner Retrospektive zeichnet Klaus Schlichte die Gründung durch Professor Klaus Jürgen Gantzel und die wichtigsten Forschungsbeiträge der Hamburger Kriegsursachenforschung nach – Beiträge für die akademische Aufarbeitung und politische Bekämpfung von Kriegsursachen.

Klaus Schlichte ist seit 2010 Inhaber des Lehrstuhls „Internationale Beziehungen: Politik in der Weltgesellschaft“ am Institut für Interkulturelle und Internationale Studien an der Universität Bremen. Von 1985 bis 1992 studierte Schlichte Politikwissenschaft, Philosophie, Afrikanistik und Volkswirtschaftslehre an der Universität Hamburg, in den 1990er Jahren war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter von Klaus Jürgen Gantzel und Lehrbeauftragter am Institut.

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