Wissensproduktion in einer kolonialen Metropole. Malte Kanefendt über die Herausforderungen des GIGA-Institut Hamburg die eigene Geschichte aufzuarbeiten

Das Leibniz-Forschungsinstitut German Institute of Global and Area Studies, kurz GIGA, in Hamburg ist die größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung für Regionalstudien in Deutschland. 1964 als Deutsches Überseeinstitut gegründet, steht es in besonderer Verantwortung, seine heutige Arbeit im Feld der Vergleichenden Regionalstudien auf koloniale Kontinuitäten und epistemische Gewalt in der Produktion und Aneignung von Wissen zu reflektieren. Dies ist Teil eines Prozesses, der politische Debatten um die Restitution kolonialer Raubgüter und die Reparation von Kolonialverbrechen intensivieren und damit auch Politik und Gesellschaft für die Kontinuitäten kolonialer Ausbeutung sensibilisieren könnte.

Malte Kanefendt studiert im B.A. Politikwissenschaft am Fachbereich. Seine Schwerpunkte sind postkoloniale Studien sowie Gender-Theorien. „Wissensproduktion in einer kolonialen Metropole. Malte Kanefendt über die Herausforderungen des GIGA-Institut Hamburg die eigene Geschichte aufzuarbeiten“ weiterlesen

Fundstück: Martha Muchow – Portrait

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Martha Muchow war eine der prägendsten Persönlichkeiten der ersten Jahre universitärer Arbeit in Hamburg. Insbesondere ihre pädagogische und psychologische Arbeit zu Kindheit und Jugend und die enge Verbindung von Forschung und praktischer Ausbildungstätigkeit zeichneten sie aus. 1933 wird sie – vor allem aufgrund ihrer langjährigen Mitarbeit am psychologischen Institut von William Stern – aus der Universität gedrängt. In diesem Fundstück erinnern wir an ein politisches Leben. „Fundstück: Martha Muchow – Portrait“ weiterlesen

Fundstück: Walter Berendsohn – Portrait

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Der Germanist Walter Berendsohn gilt als Begründer der deutschen Exilliteraturforschung . Seine Arbeit begann in den 1920er-Jahren an der Hamburgischen Universität – im “Pferdestall”, dem heutigen Gebäude der Sozialwissenschaften an der Universität Hamburg. Sein Lebensmittelpunkt sollte nach Entlassung und Vertreibung aber Stockholm werden. Hier wurde er der Knotenpunkt deutscher Exilliteraturforschung, gründete eine internationale Koordinationsstelle und verhalf nebenbei Nelly Sachs und Willy Brandt zu ihren Nobelpreisen. In unserem nächsten Fundstück rekonstruieren wir Berendsohns mehrfaches “Exilleben”, dabei nicht zu vernachlässigen: die ebenfalls mehrfach unrühmliche Rolle der Hamburger Universität. „Fundstück: Walter Berendsohn – Portrait“ weiterlesen

Habent sua fata libelli – auch Bücher haben ihr Schicksal. Dorothea Frede über Bruno Snell, Die Entdeckung des Geistes (1946)

Der[1] Altphilologe Bruno Snell (1896-1986) prägte den Wiederaufbau der Universität in den Nachkriegsjahren, unter anderem als Universitätsrektor zwischen 1951 und 1953. Sein bedeutendstes Buch, Die Entdeckung des Geistes von 1946 stellte nach dem Zivilisationsbruch des Nationalsozialismus den geistesgeschichtlichen Zusammenhang mit der europäischen Philosophie und Wissenschaft wieder her. 1935 hatte Snell seine Gegnerschaft gegenüber dem Nationalsozialismus in einer gelehrten Miszelle über die unterschiedlichen Weisen, in denen natürliche Sprachen den Ruf von Eseln nachahmen, zum Ausdruck gebracht. Snell erklärte dort, dass die Esel der Antike stets verneinen, während die deutschen Esel immer „j-a“ sagen.

Dorothea Frede ist emeritierte Professorin für die Philosophie der Antike. Vor ihrer Zeit an der Universität Hamburg (1991-2006) hatte sie Professuren am Swarthmore College und der Rutgers Universität inne. Gastprofessuren führten Sie nach Stanford, Berkeley und Princeton. Frede hat Standardwerke zu Platon und Aristoteles verfasst, aber auch Aufsätze zu Heidegger und Cassirer. Für Studierende der Politikwissenschaft von besonderem Interesse: Aristotle on Citizenship (2005). „Habent sua fata libelli – auch Bücher haben ihr Schicksal. Dorothea Frede über Bruno Snell, Die Entdeckung des Geistes (1946)“ weiterlesen

Nicole Drude über Peter Reichel, Vergangenheitsbewältigung in Deutschland: Die Auseinandersetzung mit der NS-Diktatur in Politik und Justiz (2007)

Peter Reichel ist Professor für Politische Wissenschaft im Ruhestand. Reichel hat von 1983 bis 2007 Historische Grundlagen der Politik am Institut für Politikwissenschaft der Universität Hamburg gelehrt. Er lebt als freier Autor in Berlin. Sein Arbeitsgebiet ist die politische Kulturgeschichte Deutschlands im 19. und 20. Jahrhundert, mit den thematischen Schwerpunkten Erinnerungskultur, Architektur, politische Symbolik, Film, Recht und Demokratieentwicklung. 2005 erschien (gemeinsam mit Harald Schmid): Von der Katastrophe zum Stolperstein. Hamburg und der Nationalsozialismus nach 1945.

Nicole Drude studiert Politikwissenschaft im BA im 3. Semester.

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Männerbündelei ohne Patriarchat? Carmen Puchinger über Stefan Breuer, Anatomie der Konservativen Revolution (1993)

Stefan Breuer war nach Promotion und Habilitation als Professor für Soziologie, zunächst an der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP) und dann am Department Wirtschaft und Politik (DWP), welches wiederum im Jahre 2009 zum Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg wurde, tätig. Bis zu seiner Emeritierung 2014 forschte er insbesondere zur politischen Rechten zwischen 1871 und 1945.

Carmen Puchinger ist Masterstudentin der Politikwissenschaft mit politiktheoretischem Schwerpunkt. Ihr Beitrag erreicht uns aus Bologna, wo sie an der Alma Mater Studiorum – Università di Bologna ihr Auslandssemester absolviert.

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Zwischen Theorie und Diktatur: Nicolai Wacker über Rudolf Laun (1882 – 1975)

Rudolf Laun wurde im Oktober 1919 auf den Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Universität Hamburg berufen und hatte diesen bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1950 inne. In dieser Zeit war er mehrfach Universitätsrektor (1924/25, 1925/26 und 1947) sowie Dekan der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät (1929/30 und 1945). Im Unterschied zu den Mitgliedern der staatswissenschaftlichen Fakultät, die wegen ihrer jüdischen Herkunft entlassen, verfolgt und vertrieben wurden, wie Albrecht Mendelssohn Bartholdy und Kurt Perels, wusste sich Laun mit den neuen Machthabern zu arrangieren. Im Gegensatz zu den offen nationalsozialistisch agierenden Adolf Rein und Ernst Forsthoff wird Laun jedoch als Vertreter einer „inneren Emigration“ in Anspruch genommen. Unser Beitrag erörtert die Spuren, die Launs Option in seinem Werk und Leben hinterlassen hat.

Nicolai Wacker ist Student der Rechtswissenschaft an der Universität Hamburg, mit Interessenschwerpunkten in Völkerrecht und Internationaler Politischer Theorie.

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Fundstück: “Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren”

Bildnachweis: Staatsarchiv Hamburg

Am 9. November 1967 findet im Audimax der Universität Hamburg die alljährliche feierliche Rektoratsübergabe statt. Spitzen aus Wissenschaft, Politik und Kultur sind in den ersten Reihen des großen Hörsaals versammelt, das Universitätsorchester spielt und ein striktes Festprotokoll soll seinen geregelten Lauf nehmen. Bis zwei Studierende des AStA eine kurzerhand geplante Protestaktion beginnen – eine Protestaktion, die als eine der wichtigsten Auslöser der ’68er-Bewegung’ gilt. „Fundstück: “Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren”“ weiterlesen

Fundstück: Der Hamburger Zweig der Weißen Rose

Bildnachweis: KZ Gedenkstätte Neuengamme

Während die Münchner Widerstandsgruppe gegen die nationalsozialistische Diktatur, die Weiße Rose um Hans und Sophie Scholl weltbekannt ist, blieb und bleibt der Hamburger Zweig der Weißen Rose oft unbeachtet. Dabei organisierten sich auch in der Hansestadt und ganz besonders in den intellektuellen und universitären Kreisen Hamburgs, dutzende Personen, um im stetigen Austausch mit den Münchner Kommilitoninnen die Bevölkerung  zum Widerstand aufzurufen. Mit diesem Fundstück, dem Bild der Erinnerungsplakette an die Weiße Rose Hamburg aus dem Audimax der Universität, erzählen wir die Geschichten der oppositionellen Kreise in Hamburg, der zentralen Personen und Aktionen sowie des Gedenkens in der Gegenwart.

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Schelskys Gegenaufklärung. Luise Heinz über die Soziologie der Sexualität (1955)

Helmut Schelsky (1912-1984) wurde 1948 auf einen Lehrstuhl für Soziologie an der neu gegründeten Akademie für Gemeinwirtschaft, der späteren Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik berufen. Zwischen 1953 und 1960 war er Professor für Soziologie an der Universität Hamburg. Er studierte Philosophie, Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte an den Universitäten Königsberg und Leipzig und war von 1937 an Mitglied der NSDAP. In den Nachkriegsjahren war Schelsky einer der prominentesten Soziologen in der deutschsprachigen akademischen Welt und zugleich als Politikberater und Universitätsreformer einflussreich.

Luise Heinz ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Allgemeine Soziologie am Fachbereich Sozialwissenschaften. Sie studierte Soziologie in Dresden und erhielt 2015 den Preis des Absolventen- und Fördervereins des soziologischen Instituts für die beste Abschlussarbeit. Bevor sie nach Hamburg kam, arbeitete sie in den Medien- und Kommunika­tions­wissenschaften an der Zeppelin Universität Friedrichshafen. „Schelskys Gegenaufklärung. Luise Heinz über die Soziologie der Sexualität (1955)“ weiterlesen

Lennart Riebe über Adolf Rein, Die Idee der politischen Universität (1932)

Die Idee der politischen Universität[1]  lautet der Titel einer Programmschrift, die der Historiker Adolf Rein 1932 verfasst hat und in der er seine Vision eines neuen, politischen Universitätstypus entwirft. Rein, von 1934 bis 1938 Rektor der Hamburgischen (später Hansischen) Universität, war maßgeblich für die Organisation und Durchführung der nationalsozialistischen Selbstgleichschaltung der Universität verantwortlich, im Zuge derer unzählige jüdische und oppositionelle Wissenschaftler*innen vertrieben und aus dem universitären Leben ausgeschlossen wurden.

Lennart Riebe studiert im Master Politikwissenschaft am Fachbereich.

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Fundstück: Eduard Heimann – Portrait

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Als Eduard Heimann 1925 an die Universität in Hamburg kam, war der Sozialökonom bereits einer der wichtigsten und einflussreichsten Vertreter seiner Zunft. Und auch in Hamburg war Heimann prägend, entwickelte sein Programm einer christlich wie marxistisch fundierten ‘sozialistischen Marktwirtschaft’ weiter und war nicht zuletzt Vorgesetzter eines damals noch jungen Soziologen, dem späteren Begründer der Hamburger Politikwissenschaft: Siegfried Landshut. In unserem nächsten Fundstück schauen wir zurück auf die Biographie einer der wichtigsten Vorläufer unseres Faches in Hamburg.

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Totaler Staat und Rechtsprechung: Florian Meinel über Ernst Forsthoffs Gastspiel in Hamburg

Ernst Forsthoff, Autor von Der totale Staat (1933), wurde nach einer Empfehlung von Carl Schmitt als Nachfolger von Kurt Perels auf einen Lehrstuhl für öffentliches Recht der Universität Hamburg berufen. Er gehört zu den Juristen, die in der Nachkriegszeit bleibenden Einfluss auf die Politikwissenschaft ausübten, vor allem mit seiner Monographie von 1971, Der Staat der Industriegesellschaft.

Florian Meinel hat den Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg inne. Er ist der Autor von Der Jurist in der industriellen Gesellschaft. Ernst Forsthoff und seine Zeit (Berlin: Akademie 2011). Zuletzt erschien Vertrauensfrage. Zur heutigen Krise des Parlamentarismus (München: Beck 2019). Meinel lebt mit seiner Familie in Hamburg. „Totaler Staat und Rechtsprechung: Florian Meinel über Ernst Forsthoffs Gastspiel in Hamburg“ weiterlesen

Rainer Nicolaysen über Siegfried Landshut, Begründer der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg

Siegfried Landshut war der erste Inhaber eines “Lehrstuhls für die Wissenschaft von der Politik” in Hamburg. Als Landshut in den 1950er-Jahren nach Hamburg kam und die Politikwissenschaft in der Hansestadt aufbaute, hatte er bereits einige prägende biographische Phasen hinter sich. In einer Tour durch die Stationen des Lebens Landshuts, porträtiert Rainer Nicolaysen die erste Phase in Hamburg, die Vertreibung und Jahre im Exil sowie die schließliche Rückkehr. Den hier dokumentierten Vortrag hielt Nicolaysen im Rahmen einer Veranstaltung des Fachbereichs im Mai diesen Jahres unter dem Titel “Siegfried Landshut – Vertreibung, Exil, Rückkehr”.

Rainer Nicolaysen ist Professor für Geschichte an der Universität Hamburg, seit 2010 leitet er die Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte an der Universität. Nicht zuletzt aufgrund seiner Dissertation über das Leben und Werk von Siegfried Landshut ist Nicolaysen der wissenschaftliche Experte für die Biographie und Schriften Landshuts. „Rainer Nicolaysen über Siegfried Landshut, Begründer der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg“ weiterlesen

Joshua Smeltzer über Kurt Perels, Der Friede von Versailles und der Deutsche Staat (1920)

Kurt Perels war Professor des öffentlichen Rechts am Hamburgischen Kolonialinstitut sowie der erste Dekan der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Hamburg.  Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehörte das Parlamentsrecht, das Kolonialrecht und das Völkerrecht. Nach der nationalsozialistischen Übernahme der Universität drohte der Verlust seines Richteramts und seiner Professur. Am 10. September 1933 flüchtete er in den Tod. Über Perels‘ Nachfolger Ernst Forsthoff und andere politische Juristen, die die Linien politikwissenschaftlicher Forschung an der Universität vorzeichneten, werden in Kürze weitere Beiträge erscheinen.

Joshua Smeltzer holds an M.Sc. in Politics, Economics and Philosophy from Universität Hamburg. He is a doctoral candidate in the department of Politics and International Studies at the University of Cambridge.

„Joshua Smeltzer über Kurt Perels, Der Friede von Versailles und der Deutsche Staat (1920)“ weiterlesen

Fundstück: Agathe Lasch – Portrait

Die renommierte Germanistin Agathe Lasch wurde 1923 als erste Professorin an die Universität in Hamburg berufen. Sie erforschte in zahlreichen, Schule machenden Schriften die mittelniederdeutsche, ‘plattdeutsche’ Sprache. Ihren Arbeitsplatz hatte sie bis zu ihrer Entlassung durch die nationalsozialistische Gleichschaltung u.a. im damaligen Bornplatz 1-3 – unserem heutigen Gebäude für Sozialwissenschaften. „Fundstück: Agathe Lasch – Portrait“ weiterlesen

Stefan Oeter über Albrecht Mendelssohn Bartholdy und das Institut für Auswärtige Politik

Albrecht Mendelssohn Bartholdy wurde 1920 auf einen Lehrstuhl für Auslandsrecht und Internationales Privatrecht berufen. Im Jahr 1923 gründete er das Institut für Auswärtige Politik, das unter dem Namen Institut für internationale Angelegenheiten noch heute in der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Hamburg existiert. Die juristische Graduiertenschule trägt seinen Namen. Mendelssohn Bartholdy wurde 1933 sein Lehrstuhl, 1934 die Leitung des Instituts entzogen. Er starb 1936 im Oxforder Exil.
Ein Blogeintrag zu Mendelssohn Bartholdys “Der Volkswille” ist ebenfalls auf Politik 100×100 erschienen

Stefan Oeter ist seit 1999 Professor für Öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht an der Universität Hamburg. Er gehört zu den profiliertesten Völkerrechtlern und Föderalismus-Experten der Gegenwart. Sein hier erscheinender Beitrag ist eine adaptierte Version eines Aufsatzes in der Fakultätsfestschrift „100 Jahre Rechtswissenschaft an der Universität Hamburg“, die in diesem Jahr bei Mohr Siebeck erscheinen wird. Stefan Oeter ist Direktor des Instituts für internationale Angelegenheiten. „Stefan Oeter über Albrecht Mendelssohn Bartholdy und das Institut für Auswärtige Politik“ weiterlesen

Fundstück: Der Pferdestall im Nationalsozialismus

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Nach kurzer Blüte in den 1920er und frühen 1930er-Jahren ist auch der ehemalige Pferdestall am Bornplatz ab 1933 Gegenstand nationalsozialistischer Umwerfungen in Politik und Wissenschaft. Wissenschaftlerinnen werden vertrieben, die Institutsstruktur im Gebäude radikal transformiert und die ‘Schutzpolizei’ zieht Mitte der 1930er-Jahre im Erdgeschoss ein. Im neuen Fundstück zur Geschichte unseres Institutsgebäudes erinnern wir an die dunklen Jahre des deutschen Faschismus, wie auch die Verankerung der Universität und insbesondere unseres Gebäudes in das ehemalige jüdische Viertel Hamburgs, dem Grindelviertel. „Fundstück: Der Pferdestall im Nationalsozialismus“ weiterlesen

Dirk Jörke über Jens Hacke, Existenzkrise der Demokratie (2018)

Jens Hacke ist Ideenhistoriker und mit Schriften zum Politischen Denken der Weimarer Zeit und in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit bekannt geworden. Von 2008 bis 2016 war er am Hamburger Institut für Sozialforschung tätig. 2017 ist er mit der „Existenzkrise der Demokratie“, die mittlerweile in dritter Auflage bei Suhrkamp vorliegt, an der Berliner Humboldt-Universität habilitiert worden; seit 2018 vertritt er die Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Greifswald.

Dirk Jörke ist seit 2014 Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Technischen Universität Darmstadt und leitet dort den M.A. Studiengang Politische Theorie, der in Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt angeboten wird. Er hat in Hamburg Politikwissenschaft studiert, bei Udo Bermbach und Rainer Schmalz-Bruns seine Magisterarbeit verfasst und im Jahr 2011 die Theorieprofessur von Michael Th. Greven am Institut für Politikwissenschaft vertreten. Im Mai 2019 erscheint bei Suhrkamp sein Buch Die Größe der Demokratie. „Dirk Jörke über Jens Hacke, Existenzkrise der Demokratie (2018)“ weiterlesen

Fundstück: Vertreibung an der Universität Hamburg – Das “Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums” vom 7. April 1933

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Heute vor 86 Jahren, am 7. April 1933, erlässt die nationalsozialistische Regierung von Adolf Hitler im ganzen Reichsgebiet das “Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums”. Mit dieser Anordnung sollten “nicht-arische” und sonstige politisch unerwünschte Beamte aus dem Staatsdienst entlassen werden. Auch die Hamburgische Universität führte die Säuberungsaktionen durch, unter anderem betroffen war Siegfried Landshut, der noch 1933 entlassen und ins Exil getrieben wurde und erst knapp zwanzig Jahre später nach Hamburg zurückkehren konnte. „Fundstück: Vertreibung an der Universität Hamburg – Das “Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums” vom 7. April 1933“ weiterlesen

Christina Kuhli: Erinnerungskultur in Bildern – Constantin Hahms Bilder im Pferdestall

Bildnachweis: Fotografie von Reinhard Scheiblich und Karin Plessing

In seiner über einhundertjährigen Geschichte ist der Pferdestall, das Gebäude der Hamburger Sozialwissenschaften, von den Entwicklungen der Zeit geprägt worden. Die Spannung von Krieg und Vernichtung jüdischen Lebens versus der Bildung, Wissenschaft und Aufklärung in gesellschaftlicher Verantwortung sind in seine Grundfesten eingeschrieben – nicht zuletzt aufgrund der Kunst von Constantin Hahm. Die Wandgemälde von Hahm, die seit 1988 im ganzen Gebäude zu sehen sind, be- und verarbeiten das Verhältnis von Politik, Gesellschaft und Wissenschaft und sind, so Christina Kuhli, Mahnung und Auftrag zugleich.

Christina Kuhli ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg. Sie hat 2012 mit einer Arbeit über Giorgio Vasaris Viten an der Universität Frankfurt a. M. promoviert, war Postdoc im SFB 948 “Helden, Heroisierungen und Heroismen” an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. und ist seit 2016 an der Universität Hamburg, wo sie u.a. die Kunstwerke der Universität betreut.

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Fundstück: Magdalene Schoch – Portrait

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Magdalene Schoch wurde 1932 als erste Frau an einer rechtswissenschaftlichen Fakultät in Deutschland an der Hamburgischen Universität habilitiert. Über Schochs Leben und Wirken in Hamburg, ihre Zusammenarbeit mit Albrecht Mendelssohn Bartholdy am “Institut für Auswärtige Politik” sowie ihre US-amerikanische Identität – unser nächstes Archivfundstück. „Fundstück: Magdalene Schoch – Portrait“ weiterlesen

Fundstück: Der Pferdestall wird Universitätsgebäude

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Nach zwei Jahrzehnten Nutzung als Pferdestall bekommt auch das stattliche Gebäude am Bornplatz, der heutigen Heimat der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg, die rapiden sozioökonomischen und politischen Umbrüche der 1910er und 20er Jahre zu spüren. Die nächsten Archivfundstücke mit Impressionen des Pferdestallumbaus 1928 sowie den ersten Jahren wissenschaftlicher Arbeit im dann zum nurmehr Mythos gewordenen “Pferdestall”. „Fundstück: Der Pferdestall wird Universitätsgebäude“ weiterlesen

Reinhard Mehring zu Carl Schmitt, Hamburg und der hanseatischen „Existenz“: eine Trennungsgeschichte?

Carl Schmitt (1888-1985) war ein bedeutender deutscher Staatsrechtler und einflussreicher Apologet und Unterstützer des Nationalsozialismus. Wenngleich die meisten seiner Bücher im Berliner Duncker & Humblot-Verlag erschienen, platzierte Schmitt seine radikalsten nationalsozialistischen Veröffentlichungen in der Hanseatischen Verlagsanstalt Wandsbek. Auf Schmitts staats- und völkerrechtliche Werke und auf seine politiktheoretischen Arbeiten beziehen sich noch heute diverse Theorieschulen. Wenig bekannt sind die intensiven Beziehungen, die Schmitt nach Hamburg unterhielt.

Reinhard Mehring, Professor für Politikwissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, ist der wohl gründlichste Kenner von Schmitts Werk und Archiv. Seine Biographie Carl Schmitt: Aufstieg und Fall erschien 2009. In diesem Beitrag geht er der biographisch überraschend repräsentativen Beziehung Schmitts zu Hamburg nach.

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