Fundstück: Walter Berendsohn – Portrait

Bildnachweis: UHH/Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte

Der Germanist Walter Berendsohn gilt als Begründer der deutschen Exilliteraturforschung . Seine Arbeit begann in den 1920er-Jahren an der Hamburgischen Universität – im “Pferdestall”, dem heutigen Gebäude der Sozialwissenschaften an der Universität Hamburg. Sein Lebensmittelpunkt sollte nach Entlassung und Vertreibung aber Stockholm werden. Hier wurde er der Knotenpunkt deutscher Exilliteraturforschung, gründete eine internationale Koordinationsstelle und verhalf nebenbei Nelly Sachs und Willy Brandt zu ihren Nobelpreisen. In unserem nächsten Fundstück rekonstruieren wir Berendsohns mehrfaches “Exilleben”, dabei nicht zu vernachlässigen: die ebenfalls mehrfach unrühmliche Rolle der Hamburger Universität. „Fundstück: Walter Berendsohn – Portrait“ weiterlesen

Habent sua fata libelli – auch Bücher haben ihr Schicksal. Dorothea Frede über Bruno Snell, Die Entdeckung des Geistes (1946)

Der[1] Altphilologe Bruno Snell (1896-1986) prägte den Wiederaufbau der Universität in den Nachkriegsjahren, unter anderem als Universitätsrektor zwischen 1951 und 1953. Sein bedeutendstes Buch, Die Entdeckung des Geistes von 1946 stellte nach dem Zivilisationsbruch des Nationalsozialismus den geistesgeschichtlichen Zusammenhang mit der europäischen Philosophie und Wissenschaft wieder her. 1935 hatte Snell seine Gegnerschaft gegenüber dem Nationalsozialismus in einer gelehrten Miszelle über die unterschiedlichen Weisen, in denen natürliche Sprachen den Ruf von Eseln nachahmen, zum Ausdruck gebracht. Snell erklärte dort, dass die Esel der Antike stets verneinen, während die deutschen Esel immer „j-a“ sagen.

Dorothea Frede ist emeritierte Professorin für die Philosophie der Antike. Vor ihrer Zeit an der Universität Hamburg (1991-2006) hatte sie Professuren am Swarthmore College und der Rutgers Universität inne. Gastprofessuren führten Sie nach Stanford, Berkeley und Princeton. Frede hat Standardwerke zu Platon und Aristoteles verfasst, aber auch Aufsätze zu Heidegger und Cassirer. Für Studierende der Politikwissenschaft von besonderem Interesse: Aristotle on Citizenship (2005). „Habent sua fata libelli – auch Bücher haben ihr Schicksal. Dorothea Frede über Bruno Snell, Die Entdeckung des Geistes (1946)“ weiterlesen

Lasse Ramson über Albrecht Mendelssohn Bartholdy, Der Volkswille: Grundzüge einer Verfassung (1919)

Albrecht Mendelssohn Bartholdy war ab 1920 Lehrstuhlinhaber für Auslandsrecht und Internationales Privatrecht und gründete 1923 das Hamburger Institut für auswärtige Politik, das erste politikwissenschaftliche Forschungsinstitut an der Universität Hamburg. Er galt als ausgewiesener Experte für ausländisches, insbesondere englisches Recht. 1933/34 wurde er von den Nationalsozialisten aus Lehrstuhl und Institutsleitung gedrängt. Er emigrierte nach Oxford und verstarb dort 1936. Mendelssohn Bartholdys Leben und seine Rolle an der jungen Hamburger Universität hat Stefan Oeter in einem weiteren Blogbeitrag zusammengefasst.

Lasse Ramson hat sein rechtswissenschaftliches Studium in Hamburg absolviert und ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Juniorprofessur für Öffentliches Recht, insbesondere Verfassungsrecht, Verfassungstheorie, Rechtsphilosophie und Transnationales Recht (Professor Lars Viellechner) der Universität Bremen. „Lasse Ramson über Albrecht Mendelssohn Bartholdy, Der Volkswille: Grundzüge einer Verfassung (1919)“ weiterlesen

Fundstück: Der Hamburger Zweig der Weißen Rose

Bildnachweis: KZ Gedenkstätte Neuengamme

Während die Münchner Widerstandsgruppe gegen die nationalsozialistische Diktatur, die Weiße Rose um Hans und Sophie Scholl weltbekannt ist, blieb und bleibt der Hamburger Zweig der Weißen Rose oft unbeachtet. Dabei organisierten sich auch in der Hansestadt und ganz besonders in den intellektuellen und universitären Kreisen Hamburgs, dutzende Personen, um im stetigen Austausch mit den Münchner Kommilitoninnen die Bevölkerung  zum Widerstand aufzurufen. Mit diesem Fundstück, dem Bild der Erinnerungsplakette an die Weiße Rose Hamburg aus dem Audimax der Universität, erzählen wir die Geschichten der oppositionellen Kreise in Hamburg, der zentralen Personen und Aktionen sowie des Gedenkens in der Gegenwart.

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Links-libertäre Gerechtigkeit. Sven Ha über Ulrich Steinvorth, Gleiche Freiheit (1999)

Seit den 1970er Jahren ist der Libertarismus (libertarianism) eine der einflussreichsten Strömungen in der Politischen Theorie und wird meist von rechts gegen Besteuerung und Umverteilung in Stellung gebracht. Der Hamburger Philosoph Ulrich Steinvorth entwarf 1999 unter Rückgriff auf John Lockes Idee vom ursprünglichen Gemeinbesitz an der Natur eine radikale Neu-Interpretation, die das individuelle Eigentum an der eigenen Person mit dem universellen Gemeineigentum an der Natur und ihren Ressourcen kombiniert.

Sven Ha ist Bachelorstudent der Philosophie an der Universität Hamburg.

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Rainer Nicolaysen über Siegfried Landshut, Begründer der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg

Siegfried Landshut war der erste Inhaber eines “Lehrstuhls für die Wissenschaft von der Politik” in Hamburg. Als Landshut in den 1950er-Jahren nach Hamburg kam und die Politikwissenschaft in der Hansestadt aufbaute, hatte er bereits einige prägende biographische Phasen hinter sich. In einer Tour durch die Stationen des Lebens Landshuts, porträtiert Rainer Nicolaysen die erste Phase in Hamburg, die Vertreibung und Jahre im Exil sowie die schließliche Rückkehr. Den hier dokumentierten Vortrag hielt Nicolaysen im Rahmen einer Veranstaltung des Fachbereichs im Mai diesen Jahres unter dem Titel “Siegfried Landshut – Vertreibung, Exil, Rückkehr”.

Rainer Nicolaysen ist Professor für Geschichte an der Universität Hamburg, seit 2010 leitet er die Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte an der Universität. Nicht zuletzt aufgrund seiner Dissertation über das Leben und Werk von Siegfried Landshut ist Nicolaysen der wissenschaftliche Experte für die Biographie und Schriften Landshuts. „Rainer Nicolaysen über Siegfried Landshut, Begründer der Politikwissenschaft an der Universität Hamburg“ weiterlesen

Andreas Ullmann über Jürgen Zimmerers Band, Kein Platz an der Sonne – Erinnerungsorte der deutschen Kolonialgeschichte (2013)

Jürgen Zimmerer ist Historiker und Afrikawissenschaftler. Er ist seit 2010 Professor für Globalgeschichte an der Universität Hamburg und leitet seit 2014 die Forschungsstelle Hamburgs (post-)koloniales Erbe/Hamburg und die frühe Globalisierung. Zimmerer gilt als einer der führenden Kolonialismus- und Genozidforscher in Deutschland. Ein aktueller Vortrag von Jürgen Zimmerer mit dem Titel „Wissenschaft und Kolonialismus. Die Hamburger Universität vom Kolonialinstitut bis zum Sturz des Wissmann-Denkmals “ ist als Video auf dem Lecture2Go Portal der Universität verfügbar.

Andreas Ullmann ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt On the Causal (In)Significance of Legal Status: Assessing and Explaining Compliance with the “Views” of the UN Human Rights Treaty Bodies der Juniorprofessur für Politikwissenschaft, insb. Global Governance (Andreas von Staden). Sein Forschungsinteresse gilt der Beobachtung internationaler Menschen­rechts­institutionen sowie globaler Wirtschafts- und Entwicklungspolitik mit dem regionalen Schwerpunkt Afrika.

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Podcast: Filimon Peonidis über ‘Academic Freedom’

Filimon Peonidis ist Professor für Philosophie an der Aristotle University in Thessaloniki, Griechenland, zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen zählen Schriften zu Jeremy Bentham, Marsilius von Padua sowie die Monographie Democracy as Popular Sovereignty.  Im laufenden Semester hat Professor Peonidis den Fachbereich als Gastdozent besucht, hat u.a. zur Geschichte demokratischen Denkens gelehrt und über Akademische Freiheit referiert. Im Podcast, den Ervin Kondakciu moderiert hat, diskutiert er sein Konzept akademischer Freiheit, das Verhältnis zum Grundrecht freedom of speech, sowie aktuelle Gefährdungen wissenschaftlicher Unabhängigkeit (Moderation: Ervin Kondakciu, Technik: Jonathan Deupmann). „Podcast: Filimon Peonidis über ‘Academic Freedom’“ weiterlesen

Udo Bermbach über politikwissenschaftliche Anschlussmöglichkeiten an Habermas‘ Theorie des kommunikativen Handelns

Der Fachbereich Philosophie und Sozialwissenschaften der Universität Hamburg hat am 14. Dezember 1989 Jürgen Habermas die Ehrendoktorwürde verliehen. Udo Bermbach ging in seiner Rede auf die bisher unabgegoltenen politikwissenschaftlichen Anregungen in Habermas‘ Theorie des kommunikativen Handelns (1981) ein. Wir veröffentlichen im Folgenden einen Ausschnitt aus seiner Laudatio.

Udo Bermbach war von 1971 bis 2001 Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Politische Theorie und Ideengeschichte an der Universität Hamburg und gehört zu den Gründern der Sektion für Politische Theorie und Ideengeschichte in der Deutschen Vereinigung für Politikwissenschaft. Sein Aufsatzband Demokratietheorie und politische Institutionen erschien 1991. Bermbach hat in einer Reihe von Publikationen seit den 1990er Jahren das Musiktheater, insbesondere das Gesamtkunstwerk Oper bei Richard Wagner, für die politische Ideengeschichtsschreibung erschlossen. „Udo Bermbach über politikwissenschaftliche Anschlussmöglichkeiten an Habermas‘ Theorie des kommunikativen Handelns“ weiterlesen

Stefan Oeter über Albrecht Mendelssohn Bartholdy und das Institut für Auswärtige Politik

Albrecht Mendelssohn Bartholdy wurde 1920 auf einen Lehrstuhl für Auslandsrecht und Internationales Privatrecht berufen. Im Jahr 1923 gründete er das Institut für Auswärtige Politik, das unter dem Namen Institut für internationale Angelegenheiten noch heute in der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Hamburg existiert. Die juristische Graduiertenschule trägt seinen Namen. Mendelssohn Bartholdy wurde 1933 sein Lehrstuhl, 1934 die Leitung des Instituts entzogen. Er starb 1936 im Oxforder Exil.
Ein Blogeintrag zu Mendelssohn Bartholdys “Der Volkswille” ist ebenfalls auf Politik 100×100 erschienen

Stefan Oeter ist seit 1999 Professor für Öffentliches Recht, Europarecht und Völkerrecht an der Universität Hamburg. Er gehört zu den profiliertesten Völkerrechtlern und Föderalismus-Experten der Gegenwart. Sein hier erscheinender Beitrag ist eine adaptierte Version eines Aufsatzes in der Fakultätsfestschrift „100 Jahre Rechtswissenschaft an der Universität Hamburg“, die in diesem Jahr bei Mohr Siebeck erscheinen wird. Stefan Oeter ist Direktor des Instituts für internationale Angelegenheiten. „Stefan Oeter über Albrecht Mendelssohn Bartholdy und das Institut für Auswärtige Politik“ weiterlesen

Leon Abich über Michel Foucault in Hamburg – Part I: Einführung in Kants Anthropologie

Michel Foucault leitete von 1959 bis 1960 das Hamburger Institut Français. Im Gepäck hatte er zwei unfertige Manuskripte, die er in dem Hamburger Jahr weitgehend beendete. Der folgende Beitrag widmet sich seiner Einführung in Kants Anthropologie (Paris 2008, dt. Berlin 2010), die er zusammen mit einer Übersetzung von Kants Schrift als akademische Qualifikationsarbeit einreichte. Erschienen ist auch ein weiterer Beitrag von Susanne Krasmann zu Foucaults erstem Hauptwerk, Wahnsinn und Gesellschaft, dessen abschließende Überarbeitung ebenfalls in Hamburg stattfand.

Leon Abich studiert seit 2016 im Bachelorstudiengang Sozial- und Bewegungswissenschaften auf Lehramt in Hamburg. „Leon Abich über Michel Foucault in Hamburg – Part I: Einführung in Kants Anthropologie“ weiterlesen

Andreas Mehler zu Rainer Tetzlaff, Afrika: Eine Einführung in Geschichte, Politik und Gesellschaft (2018)

Rainer Tetzlaff war von 1974 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2006 Professor für Politische Wissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen an der Universität Hamburg. Afrikanische Politik begleitet ihn von seinem Studium an bei zahlreichen Forschungsaufenthalten sowie in seinen Publikationen bis heute. Eine Publikation, ein einführendes Lehrbuch zur Geschichte, Politik und Gesellschaft Afrikas, wird hier rezensiert.

Andreas Mehler ist Direktor des Arnold-Bergstraesser-Instituts und Professor für Politikwissenschaft an der Universität Freiburg im Breisgau. Andreas Mehler hat 1993 mit einer Arbeit zum blockierten Demokratisierungsprozess in Kamerun bei Rainer Tetzlaff an der Universität Hamburg promoviert und war anschließend erst wissenschaftlicher Mitarbeiter, dann Direktor am Institut für Afrikakunde (später: GIGA Institut für Afrikastudien) in Hamburg. „Andreas Mehler zu Rainer Tetzlaff, Afrika: Eine Einführung in Geschichte, Politik und Gesellschaft (2018)“ weiterlesen

Hannah Arendt in Hamburg: Clara Maier zur Rede bei der Verleihung des Lessingpreises 1959

Hannah Arendt gehört zu den bedeutenden Politischen Theoretikern des 20. Jahrhunderts. Ihre Hamburger Rede vom 28. September 1959 trägt den Titel ‘Von der Menschlichkeit in finsteren Zeiten’“. Zusammen mit flankierenden Texten ist ihre Lessingrede, herausgegeben von Matthias Bormuth, in diesem Jahr bei Matthes und Seitz (Berlin) in dem Buch ‚Freundschaft in finsteren Zeiten‘ neu erschienen.

Clara Maier ist Ideenhistorikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Hamburger Institut für Sozialforschung und hat 2016 an der Universität Cambridge zu Debatten um den „Deutschen Sonderweg“ promoviert. Sie ist Autorin von „Gehegte Demokratie. Zur Idee des Rechtsstaats in Deutschland und Spanien“, Mittelweg 36 (2018). „Hannah Arendt in Hamburg: Clara Maier zur Rede bei der Verleihung des Lessingpreises 1959“ weiterlesen

Birgit Recki: Das lange Jahrzehnt der Philosophie. Ernst Cassirer in Hamburg

Ernst Cassirer (1874-1945) war von 1919 bis 1933 Professor für Philosophie an der Hamburgischen Universität. In dieser Zeit entstand sein Hauptwerk, die Philosophie der symbolischen Formen (1923-1929).
In Ihrem Vortrag – gehalten am 08. Januar 2019 im Rahmen der Ringvorlesung “(Fast) 100 Jahre Universität Hamburg” – präsentiert Birgit Recki Cassirer als Denker, der von der Philosophie der Kultur zum Freiheitsbegriff und zur politischen Philosophie voranschreitet.

Birgit Recki ist seit 1997 Professorin für Philosophie an der Universität Hamburg. Sie ist Herausgeberin der Gesammelten Werke Cassirers in der Hamburger Ausgabe.

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